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| 16:56 Uhr

Lausitzer Seenland-Tage
Mit Stehpaddel-Brettern, Oldi-Bus und Tretroller unterwegs zu neuen Ufern

FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Hoyerswerda / Großkoschen / Großräschen. Saisonstart im Lausitzer Seenland: Während die meisten Besucher zur Förderbrücke F 60 nach Lichterfeld strömten, lud Großkoschen zum Boardtest fürs Stehpaddeln sowie zum Tretroller-Test. Und Großräschen eröffnete eine neue Landmarke aus Cortenstahl. Von Rita Seyfert

Tausende zog es am Wochenende zum Saisonstart an die Ufer rund um die Lausitzer Seen. Ob Jung oder Alt, Hiesige oder Fremde, für so gut wie jeden war das passende Angebot dabei. Die einen ließen sich chauffieren, die anderen traten lieber selber aufs Gas, in die Pedalen oder nutzen die Kraft von Wind und Wasser.

Mal wieder den „liegenden Eiffelturm“ besichtigen, das wünschte sich beispielsweise Rosemarie Hofmann (81) aus Hoyerswerda. „Zuletzt war ich vor fünf Jahren mit dem Fahrrad da“, erzählt sie. Doch die über hundert Kilometer lange Tour sei ihr inzwischen zu weit. Deshalb buchte sie kurzentschlossen bei der Tourist-Information Hoyerswerda eine Rundfahrt mit dem Oldtimerbus Ikarus 55.

 Die 1970er-Jahre lassen grüßen! Busfahrer Torsten Walkowiak (53) chauffierte seine Fahrgästen stilecht im Oldi-Bus Ikarus 55 durchs Lausitzer Seenland.
Die 1970er-Jahre lassen grüßen! Busfahrer Torsten Walkowiak (53) chauffierte seine Fahrgästen stilecht im Oldi-Bus Ikarus 55 durchs Lausitzer Seenland. FOTO: LR / Rita Seyfert

Insgesamt 37 Fahrgäste ließen die Seenlandufer bei vormittags noch leichten Regenschauern aus dem Busfenster an sich vorbei rauschen und genossen das Lebensgefühl der 1970er-Jahre. Einer, der alte Erinnerungen beleben wollte, ist Fahrgast Dieter Schramm (65): „Ich wollte mal wieder das Geschichtsbuch öffnen“, sagt er. Immerhin prägte der Ikarus 55 das Stadtbild von Hoyerswerda für viele Jahre und weckt intensive Erinnerungen an die Aufbruchsstimmung der damals rasant wachsenden Stadt.

Auch für Angelika Mücke (54), die ein paar Reihen weiter hinten auf einem der dicken, blauen Polster Platz nahm, ist die Fahrt im Oldi-Bus eine Reise in die Vergangenheit. „Mit drei oder vier Jahren habe ich mal eine Überlandfahrt in einem Ikarus gemacht“, erinnerte sie sich.

Die fast ausgebuchte Tagesreise durchs Seenland steuerte Busfahrer Torsten Walkowiak (53) hinterm Lenkrad. Im Vergleich zu den Omnibussen der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda, die er sonst tagtäglich fährt, müsse er bei diesem Modell, Baujahr 1971, Kraftfahrerarbeit leisten. Denn das Traditionsfahrzeug hat keine Lenkhilfe, sondern nur eine Lenkunterstützung.

Eingehüllt in eine schwarze Dieselwolke, rollte der Bus ab 9 Uhr vom Bahnhof Lausitzer Platz über den Altmarkt Richtung Scheibesee. Von hier ging es weiter über den Neuwiesener, Partwitzer, Sedlitzer und Großräschener See und schließlich für einen dreistündigen Aufenthalt zur spektakulären Förderbrücke F 60.

F60-Förderbrücke zu Seenland Tagen Besuchermagnet

502 Meter lang, 204 Meter breit, 80 Meter hoch und 11 000 Tonnen schwer: Klar, der Gigant der Technik am diesjährigen Hauptveranstaltungsort Lichterfeld avancierte während der Lausitzer Seentage zum absoluten Besuchermagnet. Der festliche Anlass war der perfekte Zeitpunkt, um den Bergheider See am Sonnabend für Kanus und Ruderboote freizugeben.

Doch warum in die Ferne schweifen? Während der Bergheider See mit seinen muskelbetriebenen Wassersportarten noch in den Kinderschuhen steckt, punktet der Senftenberger See längst mit offiziellem Motorbootverkehr. Und auch mit seinem Tretroller-Verleih hat das Hafencamp in Großkoschen die Nase vorn.

 Einmal Rollern, bitte! Manuela Zahn (43), Chefin vom Expeditours-Bootsverleih im Hafencamp am Senftenberger See (Großkoschen), vermietet Tretroller.
Einmal Rollern, bitte! Manuela Zahn (43), Chefin vom Expeditours-Bootsverleih im Hafencamp am Senftenberger See (Großkoschen), vermietet Tretroller. FOTO: LR / Rita Seyfert

Richtig gelesen! Manuela Zahn (43), Chefin vom Expeditours-Bootsverleih: „Roller sind eine tolle Alternative, wenn man nicht aufs Wasser möchte“, sagt sie. Kleinkinder gehören allerdings weniger zur Zielgruppe. Langsamer als Fahrräder, E-Bikes oder E-Scooter, eignen sich Roller vor allem für Eltern, deren Sprösslinge noch auf Inline-Skatern oder Skateboards üben.

Bereits vor vier Jahren ergänzte Manuela Zahn ihren Fahrradverleih deshalb mit Tretrollern. Nach dem Motto, einfach aufs Trittbrett stellen und lostreten, lud sie während der Seenlandtage zum kostenlosen Roller-Test ein.

 Von wegen Rollerfahren ist nur was für kleine Jungs! Tom (8) findet die Tretroller auch ziemlich cool.
Von wegen Rollerfahren ist nur was für kleine Jungs! Tom (8) findet die Tretroller auch ziemlich cool. FOTO: LR / Rita Seyfert

Zwar gab es das Beine-Po-Training inklusive. Zumindest am Sonnabendmittag ließ der Besucheransturm aber noch auf sich warten. Ein paar Neugierige hätten sich allerdings für den späten Nachmittag angemeldet, hieß es.

Wie auch immer, die zweirädrigen Fitnessgeräte in drei Größen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene eignen sich für kurze bis mittellange Strecken. Vom Hafencamp zum Aussichtsturm am Senftenberger See rollert man etwa eine Viertelstunde, zur Schleuse am Koschener Kanal etwa eine Stunde, und zum „Rostigen Nagel“, der Landmarke vom Lausitzer Seenland, etwa eineinhalb Stunden.

Ganz Sportliche könnten auch die durchgehend asphaltierte 18-Kilometer-Strecke rund um den Senftenberger See rollern. Auf den breiten Wegen dürften sich Fußgänger, Fahrradfahrer und jetzt auch die Tretroller kaum ins Gehege kommen. „Da ist genug Platz für alle da“, so Verleih-Chefin Zahn.

Nur Pfingsten, Himmelfahrt oder zuletzt über Ostern könnte es mal etwas voller werden. Denn neben deutschen Urlaubern erobern seit zwei, drei Jahren auch die Tschechen das Lausitzer Seenland mit seinen Aktiv-Angeboten.

Lausitzer Seenland deutschlandweit gefragt

Diese Beobachtung haben auch die Mitarbeiter vom Besucherzentrum der IBA-Terrassen in Großräschen gemacht. Mitarbeiterin Karola Pfeifer (64): „Inzwischen geben wir unsere Flyer sogar schon auf tschechisch raus“, sagt sie. Auch Besucher aus Bayern, Baden-Würtemberg, Hessen oder Hamburg würden nach Informationen über das Lausitzer Seenland fragen.

 Die drei Damen vom Bistro auf den IBA-Terrassen: Carmen Schneider (v.l.), Angelika Glawe und Marina Alter gingen nach der Insolvenz neu an den Start.
Die drei Damen vom Bistro auf den IBA-Terrassen: Carmen Schneider (v.l.), Angelika Glawe und Marina Alter gingen nach der Insolvenz neu an den Start. FOTO: LR / Rita Seyfert

„„Wo kann man baden?“, „Um welche Seen kann man herumfahren?“, „Wie kommt man zur F60?“ oder „Gibt es noch aktiven Bergbau?“, wollen vor allem die auswärtigen Besucher wissen. Inzwischen ist die Tourismus-Information der IBA-Terrassen auch besser zu finden. Nach dem Umzug in Haus 1 liegt der touristische Anlaufpunkt näher am Hafen. „Jetzt sind wir für die Besucher viel präsenter“, sagt sie.

Auch das Bistro der IBA-Terrassen ging nach der Insolvenz mit neuem Selbstbedienungskonzept an den Start. Weniger billig vom Discounter, dafür einfach und bodenständig soll die lokale Küche sein. Chefin und Winzerin Dr. Cornelia Wobar: „Wir machen alles regional“, sagt sie.

 Noch eine Landmarke fürs Seenland! Die Großräschener Weinberg-Chefin Dr. Cornelia Wobar (li.) enthüllte am Sonnabend den Schaukasten vom neuen Weinbergstor.
Noch eine Landmarke fürs Seenland! Die Großräschener Weinberg-Chefin Dr. Cornelia Wobar (li.) enthüllte am Sonnabend den Schaukasten vom neuen Weinbergstor. FOTO: LR / Rita Seyfert

Bockwurst und Leberkäse liefert der Hofladen Bronkow, Baguette und Kuchen bäckt die Bäckerei Weise aus Großräschen, und auch der Käse für den Winzerteller kommt vom Rewe vor Ort. Und der Johanniter, den die Gäste zur Jungwein-Verkostung während der Seenlandtage probieren durften, gedeiht direkt auf den Weinhängen am Großräschener See.

Doch nicht nur der Weiße mit den Riesling-Eltern lockte die Besucher am Sonnabend nach Großräschen, sondern vor allem die feierliche Einweihung der neuen Landmarke. 17500 Euro kostete die abstrakte Cortenstahl-Architektur von fünfeinhalb Meter Höhe mal Breite mal Weinseligkeit.

Durch den Rahmen mit Blick auf die Victoriahöhe können Touristen nun ihre Erinnerungsfotos im Postkarten-Motiv knipsen. Das integrierte Schaufenster soll Besucher zugleich über die Großräschener Weine informieren und eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Tourismus schlagen.

Laufkundschaft dürfte den Winzern gewiss sein. Neben dem asphaltierten Ilse-Radweg um den Großräschener See führen mit der Seenland-Route und dem Fürst-Pückler-Radweg auch zwei überregionale Radstrecken an der Landmarke vorbei.