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| 17:13 Uhr

Drohnen
Mit Multicoptern abheben, aber richtig

Dietmar Morgenstern mit einem Quadrocopter.
Dietmar Morgenstern mit einem Quadrocopter. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Der Hoyerswerdaer Dietmar Morgenstern beschreibt, worauf es ankommt, wenn man Drohnen fliegen lässt. Der Aeroklub hilft Interessierten. Von Rainer Könen

Als der Schüler auf einem Feld unweit von Bröthen auf den älteren Herrn trifft, prallen Sichtweisen aufeinander. Denn der junge Mann lässt gerade seinen Quadrocopter, der kaum größer als ein Schuhkarton ist, aufsteigen. Konzentriert hält er die Fernsteuerung in den Händen, steuert sein Gerät vorsichtig durch die Luft. Der Senior schaut verdutzt in die Luft, wirft dann dem Teenager einen ärgerlichen Blick zu. „Pass bloß mit diesem Ding auf“, grummelt er, bevor er mit seinem Rad weiterfährt. Der 18-jährige Hobbypilot aus Hoy­erswerda versteht die Aufregung nicht. „Ich kann doch meine Drohne hier aufsteigen lassen“, so der Jugendliche, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte.
Immer mehr Menschen, auch hier in der Region, kaufen sich Multi­copter, unbemannte Flugobjekte mit vier oder mehr Rotoren, die man umgangssprachlich auch als Drohnen bezeichnet. Experten schätzen, dass es in Deutschland bereits drei Millionen zivil genutzte Drohnen gibt, kleine Spielzeugdrohnen mit eingerechnet. Berücksichtigt man nur größere Geräte mit Extrafunktionen wie einer Kamera, sind es nach Schätzungen knapp 500 000, und jeden Monat kommen einige Tausend dazu.
Genaue Zahlen kennt niemand, denn in Deutschland gibt es erst seit Oktober des vergangenen Jahres eine Kennzeichnungspflicht für diese Flugobjekte. Ist seitdem der sogenannte Drohnenführerschein Pflicht, muss jeder Pilot mit einer Drohne von einem Startgewicht von mehr als zwei Kilogramm Grundkenntnisse in Sachen Luftverkehrsrecht und Meteorologie nachweisen können. Das Mindestalter für diesen Führerschein, der fünf Jahre gültig ist, beträgt 16 Jahre. Wer seine Drohne nur zu privaten Zwecken nutzt und mindestens 14 Jahre alt ist, kann den sogenannten Kenntnisnachweis auch bei einem Modellflugverein absolvieren.
Etwa bei einem Verein, dem Dietmar Morgenstern angehört. Der 47-jährige Hoyerswerdaer ist seit über zehn Jahren Mitglied in der Modellflugabteilung des Hoyerswerdaer Aeroklubs.
Morgenstern, der sich seit drei Jahren intensiv mit diesen unbemannten Flugobjekten beschäftigt, bestätigt, dass das Interesse an den Multicoptern zunehmend wachse. Auch die Zahl der „Wildflieger“, also derjenigen, die ihre Drohnen nicht registrierten. „Es kommen immer bessere Modelle auf den Markt, der Trend zur Drohne ist  ungebrochen“, findet der Hoyerswerdaer. Was in diesem Zusammenhang auch interessiert, ist: Kann das eigentlich jeder, so eine Drohne via Fernsteuerung abheben zu lassen? Sicher ließen sich moderne Quadrocopter mit vier elektrisch angetriebenen Propellern mittlerweile leicht fliegen, so Morgenstern. Die heutige Technik macht ja das Steuern leicht. Im GPS-Modus halten die Flieger ihre Position selbstständig. Aber man sollte auf jeden Fall ein Gefühl „für die dritte Dimension“ haben, räumlich denken können. Eine Fähigkeit, die nicht jedem Menschen gegeben ist, wie Morgenstern erzählt.

Grobmotorisch veranlagt sollte man ebenfalls nicht sein, wenn man die Fernsteuerung bediene. Die, die er dabei hat, sieht für den Laien überschaubar aus. Die Funktionen der beiden kleinen Steuerknüppel kann man so zusammenfassen: Mit dem einen werden der Antrieb und das Hoch und Runter gesteuert, mit dem anderen die Entfernung.

Morgenstern hat drei Drohnen-Exemplare mitgebracht. Eine, die er als „Stubenfliege“ bezeichnet, passt fast in eine Streichholzschachtel. Ab 19 Euro könne man heutzutage schon eine Drohne bekommen, erklärt er. Nach oben sei die Preisskala natürlich offen. Der Quadrocopter, den er abheben lässt, schwächelt bereits in den ersten Sekunden. Der klassische Vorführeffekt. Ob es am starken Wind liegt? Eher nicht. Akku-Probleme, schätzt er.

Drohnen können bis zu 25 Minuten in der Luft bleiben, erzielen Geschwindigkeiten jenseits von 50 Stundenkilometern, haben mittlerweile eine Reichweite von bis zu 4000 Metern und sollten nicht höher als 100 Meter aufsteigen. Und auf noch eins weist Morgenstern hin: Wer seine mit einer Kamera ausgerüstete Drohne über Privatgrundstücke fliegen lässt, und möglicherweise noch Fotos macht, bekomme Probleme. Schließlich verletze ein solcher nicht genehmigter Überflug die Privatsphäre. Was tun? Immer schön um Erlaubnis fragen, rät Morgenstern. Wer eine „Überfluggenehmigung“ erhalte, werde sicher keine Schwierigkeiten bekommen.
Wer das Abc des Drohnenfliegens erlernen möchte, kann dies auch bei den Modellfliegern des Hoyerswerdaer Aeroklubs tun. Mitglieder der Modellflug-Abteilung zeigen Interessenten montags und freitags in der Zeit von 15 bis 17 Uhr auf dem Nardter Flugplatz, was alles zu beachten ist, wenn man eine Drohne abheben lässt.