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Rekultivierung
Mit Kippenwald-Papst unterwegs

Mitglieder des Cottbuser Fördervereins "Kulturlandschaft der Niederlausitz" im nun schon 90 Jahre alten Nardter Kippenwald.
Mitglieder des Cottbuser Fördervereins "Kulturlandschaft der Niederlausitz" im nun schon 90 Jahre alten Nardter Kippenwald. FOTO: Ulrike Herzger
Elsterheide. Der 90 Jahre alte Kippenwald bei Nardt bringt selbst gestandene Experten zum Staunen. Der ist 146 Hektar groß und ein Ergebnis der Rekultivierung des ehemaligen Tagebaus Laubusch. Ulrike Herzger /

Die Abraumhalden wurden in den Jahren von 1913 bis 1925 aufgeschüttet. Zwei Jahre später wurden etwa eine Million Bäume auf der Außenhalde gepflanzt. Der Kohleabbau schritt parallel dazu weiter voran. Der Bodenschatz wurde für das Kraftwerk Lauta und die Brikettfabrik gebraucht.

Der Regionaverband Lausitz der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit Dr. Karl Preußer (79), studierter Forst- und Sanierungsexperte, hat Mitglieder des Cottbuser Fördervereins "Kulturlandschaft der Niederlausitz" jetzt in das Ergebnis der frühen Rekultivierung eingeführt. Im hohen Kippenwald ragen wahre Prachtexemplare von Buchen 25 bis 28 Meter in den Himmel. Der höchste Baum ist eine Pyramidenpappel von stattlichen 30 Metern Höhe. Ziel nach der Verkippung der Tagebaue ist damals ein gesunder Mischwald gewesen. Mit Eichen. Auch Kiefern und Buchen wurden gepflanzt. Vor allem dem immer größeren Druck der hohen Kohleförderung in der Lausitz sei es geschuldet gewesen, dass die Qualität der heranwachsenden Bäume aus dem Blickfeld gerieten. Der Kippenwald auf nährstoffarmem Boden sei auch schlecht gepflegt worden. Doch die Natur hat hervorragend gearbeitet. Ein tieferes Bodenloch belegt: Die Schichten zeugen von guter Beschaffenheit. Das Verwittern von Pflanzen, Vögel, Insekten und Waldtiere haben gewirkt. Ein buntes Gemisch an Substraten ist vorhanden. "Hier wurde damals auch begonnen, Kalk und Asche einzusetzen", bestätigt der Experte.

Inzwischen befindet sich der Nardter Kippenwald in Privatbesitz. Der Eigentümer steht nun vor der Herausforderung, den Wald schrittweise zu verjüngen. Und Karl Preußner ist der Berater.

Die Cottbuser Gäste um ihren Vereinsvorsitzenden Dr. Dieter Krahl (78) sind Fachleute im Unruhestand aus Bergbau, Rekultivierung, Technik, Geologie, Biologie und Ökologie, Umweltschutz, Energiewirtschaft und Landschaftsplanung, aber auch der Kunstgeschichte und des Finanzwesens. Gemeinsam forschen sie, um historisch gewachsene und die neuen Landschaften zu erhalten und zu fördern.

Einen herben Rückschlag haben die Bergbausanierer um Bergen auf alten Innenkippen zu verkraften. Plötzlich war schon längst trittsicher geglaubtes Land vor nunmehr sieben Jahren ins Rutschen gekommen. Das Gebiet ist noch immer gesperrt. Im nächsten Jahr soll die Nachsanierung starten. Universitätsprofessor Lutz Wichter und Dietmar Beutler, lange Fachmann für die Bergbauplanung bei Vattenfall, erläutern Ursachen der gefährlichen bodenmechanischen Vorgänge während des Grundwasseranstieges. Für die Stabilisierung wird hier ein neues Verfahren auf den für die Lausitz typischen, locker gelagerten Böden eingesetzt: die sanfte Sprengverdichtung.

Zum Thema:
Der Verein Kulturlandschaft in der Niederlausitz pflegt, bewahrt und vermittelt das Erbe des Landschaftsgestalters Otto Rindt und die Traditionen, die sich aus der Geschichte des Lausitzer Bergbaus ergeben. Die Mitglieder wirken in den Gremien der Braunkohlenplanung, der Regionalplanung und im Natur- und Umweltschutz mit. Unter anderem ist der Verein im Naturschutzbeirat der Stadt Cottbus und im Braunkohlenausschuss des Landes Brandenburg vertreten. Außerdem sind die Mitglieder durch Mitwirkung in Gremien und Einbindung in regionale Vorhaben auch mit dem Erbe der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land verbunden.