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| 16:49 Uhr

Geierswalde
Mit jugendlichem Elan nach oben

Wenn der Vater mit dem Sohn: Ferdinand Schäffer (l.) und sein Vater Jan sowie Freddy Heinrich. Die beiden Jungs waren die jüngsten Teilnehmer beim diesjährigen Steilhangrennen.
Wenn der Vater mit dem Sohn: Ferdinand Schäffer (l.) und sein Vater Jan sowie Freddy Heinrich. Die beiden Jungs waren die jüngsten Teilnehmer beim diesjährigen Steilhangrennen. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Beim 12. Steilhangrennen in Geierswalde machten rund 90 Fahrer mit. Der jüngste Teilnehmer war zehn Jahre alt. Von Rainer Könen

Die Ansage des Vaters an den Sohn war eine ziemlich klare: Wenn er nicht sofort aus dem Wasser komme, werde das nichts mit dem Berühmtwerden. Denn schließlich habe sich der Medienvertreter die Mühe gemacht, um ihn, den zehnjährigen Ferdinand Schäffer, im Fahrerlager ausfindig zu machen.

Da stand er also, der Junge aus Zwickau. Der am Wochenende zu den rund 90 Simson-Fahrern gehörte, die beim diesjährigen zwölften Steilhangrennen in Geierswalde mit ihren Liebhaber-Maschinen versuchten, einen 50 Meter hohen Hügel am Koschendamm hinaufzufahren.

Der Start des Steilhangrennens: Dort bekommt jeder Fahrer noch einen Motivationsschub von den Moderatoren.
Der Start des Steilhangrennens: Dort bekommt jeder Fahrer noch einen Motivationsschub von den Moderatoren. FOTO: Rainer Könen

Und wenn man wie der junge Ferdinand Schäffer nur 38 Kilogramm wiegt, „hat man ganz klar den Gewichtsvorteil, kann man es bis nach ganz oben schaffen“, sagt sein Vater Jan. Der sich ebenfalls für dieses Rennen, das unter dem Motto „Steil ist geil“ steht, angemeldet hatte. Zum zweiten Mal: Weil man hier „Fun mit anderen Simsonfahrern hat“, wie der Inhaber einer Motorrad-Werkstatt betont. Denn die seien ja im Motorsport wahre Exoten, sozusagen „eine Randgruppe der Randgruppen“, so der Zwickauer weiter.

Die von dem 37-jährigen Jan Schäffer so bezeichneten Simsonfahrer zeigten am Wochenende, dass sie in der Lage sind, ihr Randgruppendasein ziemlich gut zu verkaufen. Mit jeder Menge Show bei den Finalläufen, die der Großteil der Fahrer mit schrillen Outfits und Verkleidungen bestritt.

Wer am Sonntag bei den Finalläufen dabei sein wollte, musste sich jedoch am Tage zuvor in den Qualifikationsläufen bewähren und zeigen, was man als Fahrer in Sachen Gleichgewichtsgefühl drauf hat. Denn die Geschwindigkeit ist es nicht, mit der man bei einem solchen Steilhangrennen punkten kann. Mehr als zehn Stundenkilometer sind bei dem steilen Hang einfach nicht drin.

Am Samstagmittag bat Tobias Kempe, der Chef des Geierswalder Jugendclubs, zum Gruppenfoto vor die Bühne, zeigte den Fahrern die Simson-Maschine, die der Gewinner mit nach Hause nehmen kann. Kempe erzählte, dass die zwölfte Ausgabe des Steilhangrennens genau genommen wieder eine internationale sei. Ein Teilnehmer sei aus der Schweiz angereist, so der Jugendclubchef, der am Wochenende im Brennpunkt stand. Als Organisator, Moderator, Rennleiter – halt als „Mädchen für alles“. Ob mancher am Freitagabend beim Auftritt der Band „Die Fleescha“ zu sehr gefeiert hatte? Möglich. Jedenfalls wirkten bei den ersten Qualiläufen etliche Fahrer etwas indisponiert. War nach den ersten Metern schon Feierabend, endete die Fahrt im Schlammloch. Bis Freddie Heinrich kam. Mit der Leichtigkeit seiner 13 Lebensjahre fuhr er locker durchs tiefe Schlammloch, fuhr und fuhr – bis ganz nach oben. Fast hätte er die 50 Meter-Marke geknackt. Nach 44 Metern war jedoch sein waghalsiger Husarenritt vorbei. Dennoch: Es gab eine Menge Applaus für ihn. „Für mich ist das hier ein totaler Spaß“, sagt der 13-Jährige danach. Muss man verstehen, denn der Junge, der aus dem bei Chemnitz gelegenen Berthelsdorf stammt, fährt für einen spanischen Rennstall bis zu 200 Stundenkilometer schnelle Motorräder und will später in dieser Branche sein Geld verdienen.

Bis in den späten Nachmittag dauerten die Qualifikationsläufe, danach war Abkühlung im Geierswalder See angesagt, aber auch, um sich auf die abendliche „Steil-ist-geil-Party“ vorzubereiten, wo man sich austauschte mit anderen Fahrern. Darüber, wie das so ist, wenn man es bis ganz nach oben schafft. Mit einer Simson.