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"Mit einer großen Portion Optimismus"

Vollzeitjob: Manfred Heine ist Bürgermeister im Ehrenamt. Letzteres aber bisher nur auf dem Papier. die Praxis sieht anders aus.
Vollzeitjob: Manfred Heine ist Bürgermeister im Ehrenamt. Letzteres aber bisher nur auf dem Papier. die Praxis sieht anders aus. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Seit Mai ist Manfred Heine ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Spreetal. Das aber nur auf dem Papier. Die richtige Balance muss noch gefunden werden.

Sächsische Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern müssen von einem ehrenamtlichen Bürgermeister geführt werden. So will es der Gesetzgeber. Wie Manfred Heine, bislang einziger ehrenamtlicher Bürgermeister im Landkreis Bautzen, damit klar kommt, verrät er in einem Interview.

Ihr Schreibtisch ist vollgepackt, die Akten stapeln sich. Bürgermeister im Ehrenamt - geht das überhaupt?
Heine: Eigentlich nicht. In unserer Gemeinde Spreetal funktioniert es nur, weil ich als ehrenamtlicher Bürgermeister keiner geregelten Beschäftigung mehr nachgehe und schon Pensionär bin. Hätte ich einen Job mit einer regulären Arbeitszeit von 7 bis 16 Uhr, könnte man nur Bürgermeister nach Dienstschluss sein. Das reicht bei Weitem nicht für alle Aufgaben. Schließlich nehme ich nicht nur repräsentative Aufgaben wahr, sondern bin unmittelbar in die politische Arbeit eingebunden - als Leiter der Verwaltung und Vorsitzender des Gemeinderates. Ich habe die Dienstaufsicht über gemeindliche Kindertagesstätten und den Bauhof, kümmere mich von einfachen Posteingängen bis hin zur Teilnahme an Sitzungen von Zweckverbänden, in denen ich die Interessen der Gemeinde vertrete, um nahezu alle Belange, welche die Gemeinde betreffen. Kurzum: Ich bin Leiter der Fachbereiche und Verwaltung in Personalunion. Das ist ein Vollzeitjob.

Die Regelung des Freistaates haut also nicht hin?
Heine: Sagen wir: Sie ist noch unausgegoren. Ich verstehe diese Regelung noch nicht richtig und frage mich, ob es der Gesetzgeber so gewollt hat. Ich bin als ehrenamtlicher Bürgermeister für alles haftungsmäßig verantwortlich. Und das im Prinzip alles nur in einer Zeit nach dem Dienstschluss. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das der Gesetzgeber so gewollt hat.

Wie lange arbeiten Sie derzeit im Ehrenamt?
Heine: Ich muss gestehen, die ersten 14 Tage im Ehrenamt habe ich erst einmal so weiter gemacht wie im Hauptamt. Das heißt zehn- bis 16-Stunden-Tage. Vonseiten des Freistaates gibt es keine genau definierten Ausführungsbestimmungen, wie viele Wochenstunden zum Beispiel der ehrenamtliche Bürgermeister zu arbeiten hat. Derzeit versuche ich gemeinsam mit der Verwaltung meine Arbeitszeit in eine ausgewogene Balance zu bringen. Wir haben uns vorgenommen, dass ich jeweils Dienstag und Donnerstag in der Verwaltung bin und vielleicht auf eine Wochenstundenarbeitszeit von 20 Stunden komme.

Wie soll es in der Zukunft weitergehen?
Heine: Spreetal will seine Eigenständigkeit als Gemeinde noch behalten. Ein Bürgermeister muss, so die einhellige Meinung, dementsprechend ein Ehrenamtlicher bleiben. Dennoch steht die Frage einer Gemeinde-Fusion immer noch im Raum und auf den Tagesordnungen. Möglich wäre es, mit Lohsa, Elsterheide oder Hoyerswerda zu fusionieren. Doch momentan ist das keine Option für den Gemeinderat.

Und für Sie wäre es eine Option?
Heine: Mit mir mag das Ehrenamt im Chefsessel funktionieren. Ich habe eine große Portion Optimismus, dass zu schaffen. Letztendlich mache ich das ja auch für die Region. Ich habe ja auch Spaß an der Arbeit. Obwohl meine Familie und meine Freizeit darunter leiden. Aber in Anbetracht dessen, dass ich nicht ewig als ehrenamtlicher Bürgermeister agieren kann, ist es für den Nachfolger im Ehrenamt, der dann vielleicht einer geregelten Arbeit nachgeht, nahezu gar nicht zu bewältigen. Das Ehrenamt braucht dann das Hauptamt.

Mit Manfred Heine sprach

Anja Guhlan