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Mit ein wenig Autobiografie

Stolz halten Doris Kasper und Jörg Tausch ihre liebevoll bebilderte Novelle in den Händen, die in Schwarzweiß mit roten Akzenten von der Selbstfindung einer kleinen Raupe erzählt. Foto: Mandy Fürst/mft1
Stolz halten Doris Kasper und Jörg Tausch ihre liebevoll bebilderte Novelle in den Händen, die in Schwarzweiß mit roten Akzenten von der Selbstfindung einer kleinen Raupe erzählt. Foto: Mandy Fürst/mft1 FOTO: Mandy Fürst/mft1
Zeißig. Am kommenden Sonntag um 15 Uhr stellt Doris Kasper in einer Vernissage auf dem Erlebnishof Kasper in Zeißig ihr Buch "Die Raupe und der Nasenbär" vor. Illustriert hat die anrührende Novelle der Lausitzer Künstler Jörg Tausch. Mandy Fürst / mft1

"Immer nur einatmen, das geht nicht", sagt Doris Kasper. Aber immer nur ausatmen ginge eben auch nicht. Und so sei die Polarität das allem übergeordnete Prinzip. Das Gleichgewicht der Gegensätze sorge für Harmonie. Nur Plus- und Minuspole zögen sich wirklich an. Geben und Nehmen halten die Seele im Gleichgewicht. Wer den Erlebnishof Kasper in Zeißig betritt, kann diese Ausgewogenheit spüren. Seit der Geburt ihres Jüngsten vor sechs Jahren betreibt die dreifache Mutter und studierte Ethnologin die Pension & Kaffeeschänke. Wer aber ihr erstes Buch liest, bekommt einen Eindruck von den inneren Kämpfen, die die Verfasserin auf der Suche nach dieser Mitte mit sich und ihrer Umgebung ausgefochten hat. Ein wenig Autobiografie stecke wohl in jedem schriftstellerischen Text, vermutet Doris Kasper. Jedenfalls sei das in ihrer Geschichte der Fall, in der sich die unscheinbare Raupe dem scheinbar übermächtigen Nasenbären anschließt, um sich und anderen viel größer zu erscheinen, als sie ist. Dass die Erzählung im Rahmen einer Seminares zur Ausbildung zum Coach entstand, wird für Freunde und Bekannte der Autorin nur eines von vielen Indizien des Lebensbezugs sein.

Den Kunsttherapeuten Jörg Tausch hat Doris Kasper ganz bewusst um die Illustration ihrer Geschichte gebeten. "Seine Bilder haben Seele", sagt sie über den Zeichner, Maler, Stuckateur und Restaurator aus Rohne, der einst schon dem Hauskobold "Karli", dem Maskottchen des Erlebnishofes, Körper und Gesicht gegeben hat. Ausgangspunkt dafür waren Kinderzeichnungen. Auch für die Geschichte der kleinen Raupe und ihres großen Begleiters nahm der Illustrator die Sicht von Kindern ein. "Ich habe mich beispielsweise gefragt, wie die Mädchen und Jungen beim Hören der Geschichte sich wohl das Wohnzimmer einer Raupe und ihrer drei Kinder vorstellen und was eine Raupenfamilie im Alltag so alles braucht", erzählt Jörg Tausch. Sie fressen Blätter. Also nützt ihnen eine Steinnische zur Lagerung. Als Bettdecke für den Nachwuchs kommt wohl nur eine flauschige Flaumfeder in Frage. Elf Zeichnungen begleiten die Geschichte. Sie sind bewusst zurückhaltend angelegt, sollen die Fantasie anstupsen und vielleicht gar dazu animieren, dem bewusst schwarzweißen Druck ihre eigenen Farben zu geben.

Nur Therapie sollte die Geschichte niemals sein. Nicht für ihre Schöpferin und auch nicht für die Leser. "Der Begriff Therapie hat immer etwas mit Krankheit zu tun. Aber wir sind ja nicht alle krank, sondern auf der Suche nach Problemlösungen", sagt Doris Kasper.

Und dann setzen sich Doris Kasper und Jörg Tausch in der Naturscheune zusammen, um die ersten Exemplare gemeinsam zu signieren. An gleicher Stelle werden sie ihr Buch am 30. Oktober auch vorstellen. Die Laudatio wird Dora Gebauer halten, die Doris Kasper eine wichtige Ratgeberin ist. Den Rahmen gibt eine Auswahl von Illustrationen, an denen Jörg Tausch gerade für andere Veröffentlichungen arbeitet. Auch Doris Kasper schaut publizistisch nach vorn. Sie arbeitet bereits an der nächsten Geschichte.