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| 15:21 Uhr

Hoyerswerda
Mit drei Koffern nach Hoyerswerda

Mit drei Koffern und einem Kater nach Deutschland: Das Ehepaar Pavel Popov (28) und Svetlana Negrutsova (26) hat den Schritt gewagt und arbeitet jetzt in Hoyerswerda. Yados-Prokurist Olaf Besser (l.) hat die drei im März am Flughafen Dresden abgeholt.
Mit drei Koffern und einem Kater nach Deutschland: Das Ehepaar Pavel Popov (28) und Svetlana Negrutsova (26) hat den Schritt gewagt und arbeitet jetzt in Hoyerswerda. Yados-Prokurist Olaf Besser (l.) hat die drei im März am Flughafen Dresden abgeholt. FOTO: Olaf Besser
Hoyerswerda. Die Firma Yados hat ein Ehepaar aus Moskau eingestellt – und bemerkt, dass das Schwierigste daran die Behördengänge sind. Von Sascha Klein

Es ist eine Entscheidung, die schon Mut braucht. Im März stehen Pavel Popov (28) und Svetlana Negrutsova (26) am Flughafen in Moskau und brechen in ein neues Leben auf. In ein Leben, von dem sie hoffen, dass es sie glücklich macht. Ganz sicher sein können sie sich jedoch nicht. Denn Deutschland ist für sie – zumindest was den Beruf und die Sprache betrifft – Neuland.

Das Gepäck ist überschaubar: drei Koffer und Kater Timoshka. Ziel ist der Flughafen in Dresden. Dort angekommen, treffen sie auf Olaf Besser. Der Prokurist der Hoyerswerdaer Wärme- und Kältespezialisten von Yados nimmt die drei in Empfang. Los geht es Richtung Hoyerswerda, los geht es ins neue Leben.

Jetzt am Schreibtisch: Pavel Popov und Svetlana Negrutsova. Rechts: Olaf Besser.
Jetzt am Schreibtisch: Pavel Popov und Svetlana Negrutsova. Rechts: Olaf Besser. FOTO: LR / Sascha Klein

Jetzt, gut zwei Monate später, lebt sich das Ehepaar in Hoyerswerda ein. Sie haben eine Wohnung an der Bautzener Allee, verstehen sich gut mit den Nachbarn, lernen weiter Deutsch und erkunden die Region vor allem mit dem Fahrrad. Bevor sie die Fahrräder hatten, sind sie gelaufen – kilometerweit.

Pavel Popov wollte raus aus dem heimischen Moskau, weil ihm die berufliche Perspektive gefehlt hat. „Berufe wie Ingenieur, Arzt oder Lehrer werden in Russland nicht besonders geschätzt“, sagt er. Der Diplom-Ingenieur für Wärmeversorgung und Lüftung/Klima hofft, in Deutschland bessere Chancen zu bekommen. Er meldet sich bei der deutschen Jobbörse im Arbeitsamt, bekommt mehrere Stellenangebote. Die meisten gehen in Richtung Maschinenbau. Nur aus Hoyerswerda kommt das passende Jobprofil.

Olaf Besser nimmt im Herbst 2017 per Skype Kontakt mit Popov auf. Es folgt ein erster Besuch in Hoyerswerda. Dabei lässt der heute 28-Jährige eher beiläufig fallen, dass seine Frau Svetlana die gleiche Ausbildung hat wie er.  Besser schaltet – und stellt beide ein. Für die Familie wie für das Unternehmen ist das ein Glücksgriff. „Auf dem deutschen Markt sind Mitarbeiter mit einer solchen Qualifikation so gut wie nicht zu bekommen“, sagt Besser.

Doch jetzt beginnt das Ringen mit den Behörden. Yados muss nachweisen, dass sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt solche Mitarbeiter nicht finden können. Denn: Pavel Popov und Svetlana Negrutsova kommen aus einem Drittstaat. Das bedeutet: keine EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit. Dazu benötigen die beiden Arbeitsvisa. „Das alles zu wissen und zu bekommen, ist wirklich schwierig“, sagt Yados-Prokurist Besser. „Bestimmte Sachen kannst Du aus der Ferne überhaupt nicht regeln“, sagt er. Zwei Beispiele: Ein Arbeitsvertrag lässt sich nicht unterschreiben. Auch für eine Kontoeröffnung muss derjenige vor Ort sein.

Also packt Yados an: Eine Wohnung wird organisiert. Bei der Kontoeröffnung wird geholfen, bei Behördengängen. Dann sammeln die Yados-Mitarbeiter intern Möbel, einen Herd und Elektrogeräte für den Start. Denn: Zum Einzug sind die eigenen vier Wände leer. Inzwischen sind sie es nicht mehr. „Man muss da schon in Vorleistung gehen“, sagt Olaf Besser und lacht. So langsam können Pavel Popov und Svetlana Negrutsova damit beginnen, sich selbst auszustatten.

Heimweh nach Moskau haben beide nicht – obwohl Hoyerswerda und die russische Metropole allein von der Größe und Mentalität Welten trennen. Ganz im Gegenteil: Das Paar genießt die Ruhe und Gelassenheit der Lausitz. Statt U-Bahn fahren sie jetzt Fahrrad. Ihnen gefällt Hoyerswerda. Auf ihre Träume angesprochen antwortet Svetlana Negrutsova erst einmal zurückhaltend: „Wir haben unser Ziel fürs Erste erreicht, in Deutschland arbeiten zu können.“ Das Arbeitsvisum gilt zunächst für drei Jahre. Bei Yados sind sie immer noch in der Einarbeitungsphase. „Das technische Wissen ist bei beiden da, das merkt man sofort“, sagt Olaf Besser. Nun müssen sie nur noch besser mit den PC-Programmen und der Sprache zurechtkommen. Wobei: Beide sprechen schon gut deutsch. Doch auch das wollen beide noch verbessern, um wirklich heimisch zu werden im neuen Zuhause.