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| 02:54 Uhr

Mit der Kamera unterwegs im katholischen Sorbenland

Fotograf Matthias Bulang (l.), Autor Gerhard Werner und die Geschäftsführerin des Domowina-Verlages, Maria Matschie, präsentieren den neuen Bildband. Foto: T. Richter/trt1
Fotograf Matthias Bulang (l.), Autor Gerhard Werner und die Geschäftsführerin des Domowina-Verlages, Maria Matschie, präsentieren den neuen Bildband. Foto: T. Richter/trt1 FOTO: T. Richter/trt1
Bautzen/Wittichenau. "Bei den katholischen Sorben" heißt der neueste Bildband aus dem Bautzener Domowina-Verlag. Pfarrer Gerhard Werner und Fotograf Matthias Bulang wollen mit ihrem 116-seitigen Werk weniger Touristen, als vielmehr die Sorben selbst ansprechen. Torsten Richter/trt1

. In dem neuen Bildband fehlen die öffentlichkeitswirksamen Aufnahmen nicht: Sorben beim Osterreiten, Druschkas bei der Fronleichnamsprozession und Karneval in Wittichenau. Doch bilden diese nur einen geringen Anteil der 130 Bilder des Bautzener Fotografen Matthias Bulang. Bei sorbischen Festivitäten ist der 56-Jährige meist mit der Kamera dabei. Man kennt sich, man grüßt sich, man wird fotografiert.

Doch den Großteil der beeindruckenden Aufnahmen bilden weit weniger bekannte Motive aus dem Alltagsleben der katholischen Sorben im Städtedreieck Hoyerswerda, Bautzen und Kamenz. Ein einsamer Rabe auf einem Birnbaum vor dem verschneiten Kloster St. Marienstern, eine uralte Sorbin, die auf ihrer Mundharmonika spielt, ein junges Mädchen in Tracht, das mit modischer Sonnenbrille ihr Handy bedient oder eine Nonne des Klosters, die verträumt in die weite Welt blickt.

"Ziel des Buches ist es, zu zeigen, dass der katholische Glaube im Sorbenland noch sehr lebendig ist. Die Sorben sind weit mehr als nur Folklore", erklärt Matthias Bulang. Der Bautzener weiß, wovon er spricht: Er ist zweisprachig in der Hauptstadt der Oberlausitz aufgewachsen, absolvierte eine Fotografenlehre, später ein Fernstudium und seit 40 Jahren geht er für den Domowina-Verlag auf Fototouren. Auch Pfarrer Gerhard Werner ist ein Kind der Gegend. Geboren vor knapp sieben Jahrzehnten im nur ein paar Häuser zählenden Ort Alte Ziegelscheune bei Crostwitz. Später war er Kaplan in Ralbitz und Crostwitz, anschließend Kuratus in Wittichenau und seit dem Jahr 1978 Pfarrer in Storcha. "Nebenbei" ist er Chefredakteur des "Katolski Posol", auf Deutsch "Katholischer Bote".

Der neue Bildband ist sowohl in deutscher als auch in sorbischer Sprache erhältlich. Die Kapelle des Bischof-Benno-Hauses in Schmochtitz bei Bautzen war bei der Präsentation randvoll mit Besuchern gefüllt. Manche haben sich im Buch sogar wiedererkannt.

Besucher Wolfgang Kraus aus Groß Särchen ist dagegen kein gebürtiger Lausitzer. "Ich bin vor rund 20 Jahren der Liebe wegen in diese Gegend gezogen", sagt er. Den Architekten aus dem ebenfalls katholischen Sauerland imponiere insbesondere der tagtäglich gelebte Glaube der Sorben. "So oft, wie hier die Menschen in die Kirche gehen, ist imponierend. Da kann selbst meine alte Heimat nicht mithalten. Und das will schon was heißen."

Nach Angaben von Rafael Ledschbor, Redakteur beim "Katolski Posol" in Bautzen, nehmen rund 40 Prozent der katholischen Sorben regelmäßig an den Gottesdiensten teil. So eine hohe Quote gebe es in Deutschland kein zweites Mal.

Der Bildband "Bei den katholischen Sorben" ist ab sofort im regionalen Buchhandel sowie beim Bautzener Domowina-Verlag zu haben. Das Buch kostet 19,90 Euro.