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| 07:39 Uhr

Lauta
Mit der FSV-Fahne durch Russland

Daniel Naaß und Daniel Richter (mit Deutschland-Fahne) überqueren die Grenze zu Russland. Die beiden Lautaer schlafen während ihrer Reise in diesem Transporter. Bisher sind sie damit gut gefahren, sagt Naaß.
Daniel Naaß und Daniel Richter (mit Deutschland-Fahne) überqueren die Grenze zu Russland. Die beiden Lautaer schlafen während ihrer Reise in diesem Transporter. Bisher sind sie damit gut gefahren, sagt Naaß. FOTO: Daniel Naaß
Lauta/Jekaterinburg. Die Lautaer Daniel Naaß und Daniel Richter sind bei der Fußball-WM. Sie haben dabei eine Wette zu laufen. Immer dabei: ein besonderer Waschbär. Von Sascha Klein

Sie sind gerade 3100 Kilometer von zu Hause weg – in Sarapul. Es ist ein Zwischenstopp bei guten Freunden. Die beiden Lautaer Daniel Naaß (42) und Daniel Richter (45) leben gerade einen Traum. Der eine – Naaß – bekommt einmal mehr Russland hautnah. Es ist seine vierte Reise im Riesenreich. Der andere – Richter – bekommt fast ein halbes Dutzend WM-Spiele zu sehen. Die Freunde sind so etwas wie die Lautaer Fraktion bei der Fußball-WM. „Mein Kumpel Daniel Richter ist großer Fußballfan“, sagt Naaß. „Ich war vor der WM nur ein einziges Mal im Stadion. Ich bin hier mehr so der Reiseführer.“ Naaß hat einst fünf Jahre in Moskau gearbeitet. Ihn zieht es immer wieder nach Russland. Die Russen seien immer noch Freunde der Deutschen, sagt der Lausitzer. Trotz Sanktionen und trotz der vielen Kritik aus dem Westen.

Die beiden Lautaer schlafen im Mercedes-Transporter von Naaß. Der selbstständige Handwerker hat ihn zum Schlafmobil umgebaut. „Wir schlafen auch immer mitten in den Städten“, sagt Naaß. „Es gab noch nie irgendwelche negativen Momente.“

Und doch gab es einen negativen Moment: die 0:1-Auftaktpleite der deutschen Mannschaft gegen Mexiko im Luschniki-Stadion in Moskau. Naaß und Richter waren hautnah dabei. „An uns hat es nicht gelegen“, sagt der Lautaer. Sie haben immer mitgesungen und Fahne geschwenkt. Apropos Fahne: Da haben sie eine echt schräge Wette zu laufen. Mit dabei ist immer eine große Fahne des FSV Lauta – blau und weiß, überhaupt nicht zu übersehen. Der Deal: Wenn sie es schaffen, dass die Fahne im deutschen Fernsehen gezeigt wird, bekommen sie von den FSVern eine Grillfete. Und das haben sie im zweiten Spiel bereits geschafft – bei Senegal gegen Polen im Moskauer Spartak-Stadion. Wann auch immer der senegalesische Trainer im Bild war – ganz weit entfernt am Oberrang – war FSV Lauta deutlich zu erkennen. Da können die Fußballer schon mal Bier, Steak und Würstchen bereitlegen, wenn die beiden Abenteurer wieder zu Hause sind.

Natürlich werden sie versuchen, die Lauta-Fahne auch weiter im Spiel zu halten und sie immer wieder im Blickfeld der TV-Kameras zu platzieren. Sie ins Stadion zu bekommen, ist aber gar nicht so einfach. Denn eigentlich ist sie laut Fifa-Regularien viel zu groß. Der Trick: Sie wird als Sitzkissen präpariert. Hülle drum, fertig. Im Stadion wird sie dann wieder ausgepackt.

Begleitung haben die Lautaer übrigens von einem Plüsch-Waschbären. Rod Raccoon ist bei Facebook eine Berühmtheit. Er begleitet Menschen auf der ganzen Welt. Sie posten im sozialen Netzwerk, was der Waschbär so erlebt. Unter anderem gibt es dank der Lautaer ein Bild von ihm auf dem Roten Platz in Moskau. Natürlich ist er während der gesamten Fahrt dabei.

Weiter gehts für Naaß und Richter am Sonntag in Jekaterinburg. Dort wird die FSV-Fahne dann Asien erreichen. So weit ins Innere Russlands ist auch Daniel Naaß noch nie vorgedrungen. Jekaterinburg ist übrigens noch 625 Kilometer von Sarapul entfernt. In Russland ist eben alles etwas weitläufiger. Dann sehen sie die zweite Partie des Senegal. Die Afrikaner treffen auf Japan. Schon am Samstag sind sie mit den Gedanken am Schwarzen Meer in Sotschi. Dort spielt Deutschland gegen Schweden. Natürlich hoffen die beiden Daniels auf drei Punkte fürs DFB-Team. Denn für das letzte Gruppenspiel der Deutschen gegen Südkorea in Kasan haben sie Karten. Dort soll die Lauta-Fahne auf jeden Fall zu sehen sein. Ihr WM-Finale findet in Samara statt – bei der dritten Partie des Senegal gegen Kolumbien. Von dort aus sind dann „nur“ noch knappe 2900 Kilometer nach Hause.

Daniel Naaß und Daniel Richter (r.) mit der FSV-Fahne im Moskauer Spartak-Stadion. Insgesamt sehen die Beiden fünf WM-Partien in vier Städten. Sie legen rund 8000 Kilometer zurück.
Daniel Naaß und Daniel Richter (r.) mit der FSV-Fahne im Moskauer Spartak-Stadion. Insgesamt sehen die Beiden fünf WM-Partien in vier Städten. Sie legen rund 8000 Kilometer zurück. FOTO: Daniel Naaß