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| 01:39 Uhr

Mit der Farbe Höhe gewinnen

Das Bürgerhaus im Ensemble des Spremberger Marktplatzes.Auf dem Kleinen Marktplatz , der zwischen Jüdenstraße und Bürgerhaus entsteht, sind bereits die Pflanzorte für die Schnurbäume zu sehen. Mit dem Saebisch-Brunnen und Sitzgelegenheiten soll hier ein weiterer Ruhepunkt in der Innenstadt entstehen.Architekt Uwe Wittig koordiniert den Umbau im Bürgerhaus.
Das Bürgerhaus im Ensemble des Spremberger Marktplatzes.Auf dem Kleinen Marktplatz , der zwischen Jüdenstraße und Bürgerhaus entsteht, sind bereits die Pflanzorte für die Schnurbäume zu sehen. Mit dem Saebisch-Brunnen und Sitzgelegenheiten soll hier ein weiterer Ruhepunkt in der Innenstadt entstehen.Architekt Uwe Wittig koordiniert den Umbau im Bürgerhaus. FOTO: Fotos: Annett Igel
Spremberg.. Handwerker verschiedener Gewerke beleben das Bürgerhaus am Spremberger Markt. Die Gerüste im Innern verdecken den bald freien Blick nach oben. Die schrägen Glasflächen sollen noch rechtzeitig kommen. Zargen werden eingebaut, und die Büros sind bald bezugsfertig, erklärte Architekt Uwe Wittig gestern. Er koordiniert auf der Baustelle, weist die Handwerker ein und wird zunehmend von Bürgern angesprochen, denen der neue Bau am Markt nicht gefällt. Von Annett Igel

Uwe Wittig wird von den Sprembergern angerufen, liest die Briefe zum Bau und weiß um die Kritik einzelner Stadtverordneter. Doch er hat sich im Wettbewerb durchgesetzt, seine Variante ist von den Stadtverordneten mehrheitlich beschlossen worden und er ist selbst überrascht davon, „wie entwurfstreu“ auf der Baustelle gearbeitet werde – „das ist in der Architektur nicht normal“ , sagt der Cottbuser.
Die Wettbewerbsanforderungen seien nicht einfach zu realisieren gewesen. Zum einen wollte die Stadt das viergeschossige Arbeiterwohnheim in einen Zweigeschosser umgebaut haben. Zum anderen sollte es aber hoch genug sein, um die vierte Wand der guten Stube der Stadt, womit Uwe Wittig den Spremberger Marktplatz meint, zu sichern. Das Rathaus, der gelbe Bau an der Nordseite und das City-Center seien drei Wände, die mit dem AWH eine vierte Wand gehabt hätten, so der Architekt. Ein Zweige schosser sei gut für die Gassen einer Stadt. Um ihn zu der vierten Stubenwand aufzuwerten, habe sich das Architekturbüro etwas einfallen lassen: Das Dachgeschoss mit der Farbe der Hauswand zu gestalten, würde das Gebäude optisch höher erscheinen lassen, erklärte Uwe Wittig. „Das ist ungewöhnlich und existiert so in Deutschland noch nicht“ , sagt er. Er hoffe darauf, dass sich die Sehgewohnheiten der Bürger mit der Zeit etwas ändern und den Bauarbeitern noch etwas Zeit gegeben werde. Auch zur Cottbuser Bibliothek habe es erst viel Tadel gegeben. Inzwischen gehöre das Gebäude zu den Vorzeigeobjekten, wenn Gäste die Stadt besuchen, so der Architekt.
Die Verkleidung mit den Leisten aus der einheimischen Eiche sei am Gebäude wie auch an der Wand des Bürgerparks noch nicht abgeschlossen. Der bernsteinfarbene Holzrahmen rund um den großen Glasbereich werde noch eingesetzt. Und auch der großzügige Eingangsbereich werde mehr Bewegung in die Fassade bringen, wenn er fertig ist. Dass die Mauer an der Schlossstraße mehr oder weniger talentierte Graffiti-Sprayer anlocken könnte, befürchtet Wittig nicht. „Die Sozialkontrolle ist hier an der Straße sehr hoch“ , sagt er.
Es sei einfacher, einen Plattenbau umzubauen, erklärt Wittig, denn da gehe es um Wohnungen, die in ihrer Art wiederkehren. Beim Bürgerhaus kommen Büros, das Stadtarchiv, das Bürgerzentrum, ein Saal, das Café und die Touristinformation unter ein Dach – verschiedene Bedürfnisse, die in den Skelettbau aus Stahlbeton aus den 60er- und 70er-Jahren eingepasst werden müssten. Was alte Träger sind und welche Wände neu gezogen werden mussten, werde im Inneren farblich für die Besucher sichtbar sein, erklärt Raik Gallas aus dem Bau- und Planungsamt der Stadt: Grau gestrichen werde das Alte, das Weiß bleibe für das Neue, und auch das Holz der Außenfassade werde sich innen wiederfinden.
Ob es bei der anvisierten Eröffnung des Bürgerhauses am 27. September bleibt, dazu wollten sich gestern Raik Gallas und der Architekt nicht äußern. Aber zum Spremberger Heimatfest im August solle die Fassade einen ordentlichen Eindruck bei den Bürgern und Gästen hinterlassen.