ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:43 Uhr

Mehr als ein Ansprechpartner vor Ort
Mit der Bürgerpolizistin auf Streife

 Bürgerpolizistin Kathrin Petsch (44) trifft bei der Streife durchs Einkaufsgebiet in Lohsa auf freundliche Händler wie Heike Rentsch.
Bürgerpolizistin Kathrin Petsch (44) trifft bei der Streife durchs Einkaufsgebiet in Lohsa auf freundliche Händler wie Heike Rentsch. FOTO: Anja Guhlan
Lohsa. Kathrin Petsch ist in Lohsa und Spreetal als Bürgerpolizistin unterwegs. Meistens wird sie mit einem Lächeln begrüßt. Von Anja Guhlan

Wenn Kathrin Petsch die Wege im kleinen Park in Lohsa und die angrenzende Einkaufsfläche bestreift, hellen sich bei den Händlern die Mienen auf. Sofort grüßt man sich freundlich und hält einen Plausch. Kathrin Petsch ist Bürgerpolizistin. Eine von 420 Bürgerpolizisten in Sachsen.

Laut der Polizei Sachsen sollen diese Ansprechpartner vor Ort sein. „Durch ihre Präsenz soll ein schneller Kontakt mit dem Bürger möglich sein und ein größeres Gefühl von Sicherheit vermittelt werden.“ Kathrin Petsch, die seit April 2018 in den Gemeinden Lohsa und Spreetal als Bürgerpolzistin im Einsatz ist, versucht genau das umzusetzen.

Bei Nuris Döner Imbiss trifft sie auf Mitarbeiterin Heike Rentsch. Sofort ist bei beiden ein Lächeln im Gesicht. „Alles in Ordnung“, meint Heike Rentsch. Sie findet es gut, dass die Bürgerpolizistin hier regelmäßig auf Streife geht. „Zwar ist in Loha alles in Ordnung, dennoch vermittelt ihre Präsenz noch ein bisschen mehr Sicherheit“, sagt Rentsch. Doch nicht jeder reagiert so erfreut wie die Händler in Lohsa auf die Bürgerpolizistin.

Es fällt auf, dass einige Bürger zunächst finster dreinblicken, wenn sie die Beamtin entdecken. „Damit muss man leben können. Aber viele Leute sind froh, mich zu sehen. Manchmal kommen Menschen bei meinen Streifzügen direkt auf mich zu und schildern ihre Sorgen“, erzählt die Bürgerpolizistin.

An diesem Tag steht eine Streife gemeinsam mit dem Ordnungsamt Lohsa an. Verwaltungsmitarbeiterin Stefanie Reck hat ein paar Anfahrtspunkte notiert, die sie kontrollieren wollen. Gefahren erkennen und abwenden sind Hauptziele der Streife.

„Entweder, es kommen Bürgeranfragen in der Verwaltung hinein oder uns Mitarbeitern fällt etwas auf, dass kontrolliert werden muss. Andererseits können sich auch Bürger an die Bürgerpolizistin wenden. Wir sprechen dann gemeinsam ab, was kontrolliert wird“, so Stefanie Reck. Streifen mit dem Ordnungsamt finden in Lohsa einmal im Monat statt. In Spreetal soll das Gleiche ab September praktiziert werden.

Auf der Tagesordnung stehen dieses Mal das Obdachlosenheim bei Litschen, eine Umleitungsstrecke in Hermsdorf, eine Baustelle in Weißkollm und die Strecke für die bevorstehende Veranstaltung des Knappenman.

Bevor alles kontrolliert werden kann, muss die Anfahrt erfolgen. „Ich verbringe schon die meiste Zeit im Auto, weil die Anfahrtswege teils weit sind. Lohsa und Spreetal sind flächenmäßig sehr große Gemeinden. Ohne Auto würde man das nicht schaffen“, schildert Petsch.

Angekommen an der Umleitungsstrecke in Hermsdorf, wird kontrolliert, ob alle notwendigen Tempo-30-Schilder für Lkw noch stehen. „Alles in Ordnung“, meint Kathrin Petsch. Auch die Baustelle in Weißkollm entspricht allen Anforderungen. Die Hinweisschilder einer Baustelle stehen alle an der korrekten Stelle, und auch sonst ist nichts Mangelhaftes zu finden.

Im Obdachlosenheim, in dem momentan zwei Menschen ohne festen Wohnsitz untergekommen sind, gibt es auch keine Probleme. Es scheint eine ruhige Streife zu werden. Zum Schluss fährt Kathrin
Petsch mit Stefanie Reck die Veranstaltungsstrecke des Knappenman ab. Auf dem Radweg geht es rund um den Dreiweiberner See. Dabei achten sie auf heruntergefallene Äste und durch Wurzeln beschädigte Wege. „Uns sind nur ein paar heruntergelassene Poller aufgefallen, die eigentlich hätten oben sein müssen“, sagt Petsch. Stefanie Reck möchte sich in der Verwaltung erkundigen, warum das so sein könnte und gegebenenfalls Arbeiten veranlassen.

Am Ende eines jeden Diensttages geht es zurück ins Büro nach Wittichenau. „Schreibtischarbeit gehört genauso zur Arbeit wie Streife oder Fußstreife“, meint Petsch. Der Bericht, den die Bürgerpolizistin nach solch einer Streife anfertigen muss, wird wahrscheinlich kurz ausfallen. „Nicht immer sind Streifen so entspannt“, bemerkt die Polizistin.

Nichtsdestotrotz ist ihr Terminkalender prall gefüllt. Neben den Sprechstunden in Lohsa und Spreetal übernimmt die Polizistin mit ihren fast 26 Berufsjahren an Erfahrung auch Präventionsarbeiten. „Ich besuche auch Kindergärten, Schulen oder Seniorenclubs.“ Je nach Zielgruppe klärt sie über Verkehrsregeln, das Verhalten bei Unfällen oder Betrugsmaschen wie dem Enkeltrick auf. Als Bürgerpolizistin nimmt Kathrin Petsch auch alle anderen Aufgaben wie jeder Streifenpolizist wahr.

Kathrin Petsch habe sich bewusst als Bürgerpolizistin beworben. Nur Polizisten mit viel Berufserfahrung werden ausgewählt, erklärt der Leiter Streifendienst des Reviers Hoyerswerda, Kai Siebenäuger. Sie müssen eine Fortbildung absolvieren.

Kathrin Petsch gefällt ihr Job: „Klar muss man offen und aufgeschlossen sein, damit Bürger zu einem Vertrauen fassen. Auch Verständnis sollte man mitbringen“, sagt sie. Die Stelle als Bürgerpolizistin will sie auf alle Fälle länger ausführen, damit Lohsa und Spreetal sicher bleiben.

 Gemeinsam mit der Ordnungsamtsmitarbeiterin Stefanie Reck kontrolliert Bürgerpolizistin Kathrin Petsch die unterschiedlichsten Gefahrenquellen.
Gemeinsam mit der Ordnungsamtsmitarbeiterin Stefanie Reck kontrolliert Bürgerpolizistin Kathrin Petsch die unterschiedlichsten Gefahrenquellen. FOTO: Anja Guhlan