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Mit dem Roller auf Europa-Tour

Tobias Meissner (l.) und Michael Wolf wollen auf einer Europatour mit ihren Rollern Spenden für Hilfsprojekte in Nepal sammeln.
Tobias Meissner (l.) und Michael Wolf wollen auf einer Europatour mit ihren Rollern Spenden für Hilfsprojekte in Nepal sammeln. FOTO: privat
Oberlichtenau. Zwei junge Männer sind jetzt von Oberlichtenau aus zu einer Urlaubstour gestartet. Besonders ist sie wegen der Fortbewegungsmittel und was die Hintergründe betrifft. Uwe Menschner / ume1

Typ 1-Zylinder, zwei Takte, horizontal. Leistung vier PS, Höchstgeschwindigkeit 45 km/h. Der Kraftstofftank hat das enorme Volumen von acht Litern. So steht es nüchtern auf dem Datenblatt der Peugeot Speedfight 50 Darkside. Ach ja, und gekühlt wird mit Luft. Kenner der motorisierten Szene ahnen es: Dabei kann es sich nur um einen Motorroller handeln.

Nur wenige würden wohl auf die Idee kommen, mit diesen zuweilen despektierlich als "Gehhilfen" bezeichneten zweirädrigen Vehikeln eine 6000 Kilometer lange Tour zu machen. Klingt auch irgendwie verrückt. Auch Michael Wolf weiß noch nicht so recht, worauf er sich da einlässt. "Ich hab schon ein paar Ausflüge absolviert, beispielsweise nach Stolpen. Wie sich eine fünfwöchige Tour anfühlt - keine Ahnung. Ich lasse mich überraschen!"

Am gestrigen Donnerstag haben der 31-Jährige und sein gleichaltriger Freund Tobias Meissner das heimatliche Oberlichtenau hinter sich gelassen, um Europa zu entdecken. Durch Österreich, Italien, Slowenien, wieder Italien, Frankreich, die Benelux-Länder und schließlich Norddeutschland soll die Tour führen, an deren Ende sie nach fünf Wochen wohlbehalten wieder im Pulsnitztal eintreffen wollen.

Die Route steht nur grob fest, und auch bei den Übernachtungen wollen "Wolfi" und "Tobi" sehen, was auf sie zukommt. Nur eine Station haben die beiden bereits fest gebucht: das Romantikhotel Böglerhof im österreichischen Alpbach, in dem Tobias Meissner bis vor Kurzem noch gearbeitet hat. "Ich will wieder in meiner Heimat leben, habe aber noch einen guten Kontakt zu Familie Duftner, die das Hotel führt, und zu meinen dortigen Freunden und Kollegen", berichtet er.

Das Hotel spielt aber auch noch eine weitere wesentliche Rolle in der Geschichte: Hier erfuhr Tobias Meissner von zwei Hilfsprojekten für das seit dem Erdbeben im Jahre 2015 noch immer schwer gezeichnete Nepal. "Einerseits geht es darum, dass einer jungen Ärztin die Ausbildung finanziert wird. Andererseits wird eine von dem Erdbeben zerstörte Schule wieder aufgebaut", kommt Tobi auf den ernsten Hintergrund der Tour zu sprechen.

Initiiert wurden beide Hilfsprojekte von Adi Huber, den Tobias Meissner in Österreich kennenlernte und der bei dem Erdbeben ums Leben kam. Dessen Tochter Silvia führt sie in seinem Sinne weiter. "Wir stellen die Hilfsprojekte auf unserer Website ausführlich vor und wollen ihnen dadurch eine breite Öffentlichkeitswirksamkeit verschaffen", erklärt Michael Wolf.

Doch auch bei ihren Begegnungen unterwegs sollen die Nepal-Projekte stets eine Rolle spielen. Und Begegnungen wird es viele geben - schon allein aufgrund der doch recht gemächlichen Fortbewegung, die viele Gelegenheiten für Blicke nach links und rechts bietet. Ein wenig Bammel hat Michael Wolf lediglich vor den Stadtdurchfahrten in Italien - dort, wo die Roller im Pulk mit 70, 80 Stundenkilometern unterwegs sind.

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