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Mit dem "Hühnerschreck" über Land

Vom Partwitzer See aus starteten die historischen Mopeds ihre diesjährige Rundfahrt.
Vom Partwitzer See aus starteten die historischen Mopeds ihre diesjährige Rundfahrt. FOTO: amz1
Klein Partwitz. Etwa 100 Oldtimer- Freunde waren beim 13. Treffen für historische Fahrradmotoren im Lausitzer Seenland dabei. Da gab's einige besondere Raritäten zu sehen. amz1

Rund zehn Kilometer sind es von Schwarzkollm bis zum Partwitzer See. Eine Distanz, für die ein motorisiertes Fahrzeug höchstens zehn bis 15 Minuten benötigt. Dieter Fiß braucht dagegen 40 Minuten. Denn der Schwarzkollmer rollt mit seinem "Hühnerschreck" ins Seenland. Das Gefährt, ein MAW ("Magdeburger Armaturenwerke"), verfügt immerhin über 1,6 Pferdestärken und schafft damit maximal 40 Kilometer in der Stunde. Aber wenn Dieter Fiß mit seinem "Hühnerschreck" auf Achse ist, fährt er in der Regel langsamer. "Ich will ja schließlich auch was von Land und Leuten sehen", lautet die logische Begründung.

Am vergangenen Sonnabend heißt sein Ziel Partwitzer See. Denn oberhalb des schwimmenden Hauses findet das mittlerweile 13. Treffen für historische Fahrradmotoren und Mopeds statt. Als Gastgeber fungiert der Verein für historische Technik Lauta.

Fiß ist einer von über 100 Teilnehmern. "Im vergangenen Jahr waren rund 150 Enthusiasten dabei", erinnert sich Frank Helbig, der die Anmeldungen entgegennimmt. Doch wegen des nasskalten Wetters seien es diesmal ein paar weniger. Das Treffen wegen des schlechten Wetters abzusagen, habe indes nie zur Debatte gestanden. Das sei ausgeschlossen, so Helbig. "Vor knapp zehn Jahren sind wir bei vier oder fünf Grad und strömendem Regen gefahren", erinnert er sich. Und bei schönem Wetter könne ja jeder loslegen.

Dieter Fiß beginnt indes aus dem Nähkästchen zu plaudern. Beispielsweise von der Sache mit dem Radler. "Ich hatte mich mal mit einem Radfahrer in der Wolle", berichtet der 64-Jährige. "Der wollte unbedingt schneller sein als ich mit meinem Hühnerschreck. Am Ende blieb ich der Sieger", sagt der Schwarzkollmer nicht ohne Stolz.

Seit zehn Jahren besitzt er seinen MAW. "Mich fasziniert die Technik. Und dass man alles selbst machen kann. Wenn dann die Maschine einwandfrei funktioniert, verspüre ich immer ein wenig Genugtuung", sagt Dieter Fiß. Derzeit stehe allerdings ein Gefährt mit vier Rädern auf seiner Reparaturliste ganz oben. "Bei meinem Opel P 4 ist der Unterbau bereits fertig und der Motor läuft."

Eine besondere Rarität hat indes Anita Köpping aus Tätzschwitz mitgebracht. Und zwar das einzige Damenmodell einer "Wanderer". Anita Köpping ist die "guten Seele" des Lautaer Vereins. Ihre Maschine wurde im Jahr 1937 gebaut, umfasst 98 Kubikzentimeter und weist 2,25 PS aus. "Ein super Gefühl", schwärmt Köpping.

Auf einen runden Geburtstag freut sich indes Manfred Petzold aus Kaschwitz bei Elstra. Denn sein "Panther 98"-Motorrad wird noch in diesem Jahr 80 Jahre alt. "Die Auslieferungspapiere wurden am 24. Dezember 1937 ausgestellt. Und ich habe die Originale", schwärmt der Technik-Enthusiast. Vielleicht werde am Heiligen Abend darauf mal angestoßen. Transportiert hat Petzold seine "Panther 98" auf einem Anhänger, der von einem weiteren Oldie gezogen wird. Nämlich einem Trabant 600 Kombi, Baujahr 1963. "Der läuft noch wie am ersten Tag", schwärmt der Kaschwitzer.

Als dann die Ausfahrten ab dem Partwitzer See beginnen, liegt Benzingeruch über dem Seenland. Angst, sich zu verfahren oder irgendwo liegenzubleiben, braucht niemand zu haben. Denn auf den Teilnehmerkarten steht gleich die "Notruf-Nummer". Ziele sind unter anderem die IBA-Terrassen in Großräschen sowie der Senftenberger Stadthafen. Gefahren - beziehungsweise getuckert - wird auf den Radwegen. Eine Sondergenehmigung macht's möglich.