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| 16:27 Uhr

Hoyerswerda
Minderheiten stehen im Fokus

Angela Schuster, Dr. Peter Schurmann, Dr. Grit Lemke und Dr. Madlena Norberg (v.l.) im Kufa-Gespräch.
Angela Schuster, Dr. Peter Schurmann, Dr. Grit Lemke und Dr. Madlena Norberg (v.l.) im Kufa-Gespräch. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. In der Hoyerswerdaer Kufa hat eine Filmdiskussion zum Thema „Minderheiten im Nationalsozialismus“ stattgefunden. Von Katrin Demczenko

Zuerst lief der Kurzfilm „Zmij - Der Drache“ der Hoyerswerdaerin Filmemacherin Angela Schuster, der mit Unterstützung der Medienwerkstatt der Kulturfabrik (Kufa) entstanden war. Darin wünscht sich ein kleines sorbisches Mädchen wie in der Sage einen Drachen, um das Leben ihrer Familie zu verbessern. Die Älteren hoffen auf den vermeintlichen Erlöser Hitler, der aber im Jahr 1937 sorbische Zeitungen, die sorbische Dachorganisation Domowina und andere Vereine verbot. Ab 1938 galt das auch für den Sorbischunterricht an Schulen. „Das ist der erste künstlerische Film auf Sorbisch seit vielen Jahren“, erklärte die Moderatorin des Abends, Dr. Grit Lemke, vom Netzwerk Lausitzer Filmschaffende. Der Streifen behandelt ein vergessenes Stück Lausitzer Geschichte und erhielt dafür mehrere Preise.

Viele Auszeichnungen, auch auf der Berlinale und dem Filmfestival Cottbus, bekam der Spielfilm „Das Mädchen aus dem Norden“. Er erzählt über samische Rentierzüchter in Nordschweden in den 1930er-Jahren und wurde 2017 von Sami Amanda Kernell mit samischen Laiendarsteller gedreht. Auch diesem Volk sollten damals Sprache und Kultur genommen werden, um sie in die schwedische Gesellschaft zu assimilieren. Nur wer seine Herkunft komplett verdrängte, konnte diesen Schritt gehen. Der Preis dafür war das ständige Ringen um die eigene Identität und Auseinandersetzungen mit dem Rassismus und tief verwurzelten Vorurteilen der Mehrheitsgesellschaft, lautet die Grundbotschaft des Films.

Bis heute kennen viele Schweden die Kultur, Lebensweise und Sprache der Sami nicht, sagte Dr. Madlena Norberg vom Witaj-Sprachzentrum Cottbus. Samisch ist so eigenständig wie Sorbisch, das die meisten Deutschen auch nicht verstehen. Lausitzer Sorben und Sami, die in Schweden, Finnland, Norwegen und Russland leben, können heute ihre Sprachen bis zur Universitätsausbildung lernen und ihre Kulturen pflegen. Die Sami haben mit einem länderübergreifenden Parlament und einem Filminstitut mehr Möglichkeiten und sind deshalb selbstbewusster als die Sorben, erklärte Madlena Norberg.

Dr. Peter Schurmann vom Sorbischen Institut Bautzen erzählte, dass sorbische Familien schon um 1900 ihre Namen eindeutschten. Die Druck der Nazis und der Zuzug vieler Deutscher wegen der Industrialisierung der Lausitz verstärkten den Rückgang der Sprache. Ab 1945 durfte sie aber wieder gelehrt werden, und die Domowina gründete sich neu. Heute hofft Schurmann, dass das Witaj-Projekt eine neue Sprechergeneration heranwachsen lässt. Er sagt: „Sorbisch lebt zum gewissen Prozentsatz davon, dass sich Deutsche für die Sprache interessieren.“

Zu diesen Menschen gehört Daniela Frank, die aus Sabrodt stammt und jetzt in der Pfalz wohnt. Sie hält mit sorbisch sprechenden Familien per WhatsApp Kontakt. Bei Treffen in der Lausitz sprechen alle sorbisch miteinander, auch die Kinder, erzählte sie. Dr. Madlena Norberg benannte die seit 20 Jahren bestehende bilinguale Ausbildung über das Witaj-Projekt als weitere wichtige Grundlage, um das Sorbische zu erhalten.