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Meterdicke Mauern gegen Lärm und Licht

Nicht er allein, sondern ein ganzes Team lenke inzwischen die Geschicke der Jakubzburg, meint André Jakubetz (vorn).
Nicht er allein, sondern ein ganzes Team lenke inzwischen die Geschicke der Jakubzburg, meint André Jakubetz (vorn). FOTO: Mandy Decker/mdr1
Am Sonntag startet die Jakubzburg Mortka in die Sommersaison. Die LAUSITZER RUNDSCHAU sprach mit dem ortsansässigen Zahnarzt und Burgherrn André Jakubetz wegen der Kritik aus dem Dorf an Lärm durch die Gäste über den Mortkaer Frieden und die Zukunft der beliebten Ausflugs- und Partyburg. mdr1

Herr Dr. Jakubetz, Sie sind im dritten Jahr Burgherr in Mortka. Wie geht es Ihnen heute? Haben Sie noch Freunde im Dorf?
Natürlich habe ich Freunde in Mortka. Befindlichkeiten Einzelner wird es immer geben, aber auf der anderen Seite stehen solche Menschen wie die vielen Gäste unserer Sonderführung am Karfreitag. Wir sind ja keine rein private Geschichte. Wir machen Kultur. Wir gestalten das Seenland. Ich habe einen Beruf, in dem ich mit vielen Menschen rede. Die lesen dann in den Zeitungen von Sorgen mit der Burg, die vielleicht zwei oder drei Anwohner direkt betreffen. Ich denke, wir machen hier eine gute Geschichte, in die wir unsere Zeit und unser Geld stecken. Die meisten Mortkaer sind froh, wenn sie am Sonntag mit ihrem Besuch durch das Dorf und hier vorbei spazieren können. Und unser Tischler wohnt zum Beispiel genau nebenan und ist froh, hier zu arbeiten.

Steht die Burg an der richtigen Stelle? Würden Sie noch einmal genau hier bauen?
Meiner Meinung nach muss Kultur am Menschen sein. Gaststätten müssen im Ort stehen und nicht im Wald. Und da fahren dann auch Autos hin. Wer meint, auf dem Dorf gebe es keine Autos, liegt nun einmal falsch. Wer an einer Straße wohnt, der hat den Verkehr. Die Nochtener müssen auch mit den Autos leben, die sonntags, wenn man eigentlich Ruhe haben will, zum Findlingspark fahren. Die Menschen, die am Marktplatz in Lohsa wohnen, haben auch den Parkplatz vor der Tür, auf dem Autotüren klappen. Die Burg steht genau an der richtigen Stelle. Im Biosphärenreservat wäre sie auch unpassend.

Der fließende Verkehr ist die eine Sache, das Parken eine andere...
Wenn die Besucher Straßen begleitend parken, können wir das nicht verhindern. Es gibt ja keine Verbotsschilder. Wir haben die Wiese vor der Burg mit maximal etwa 80 Stellplätzen erworben, damit die Autos nicht an der Straße stehen. Die Parkfläche hinter der Burg können wir, wie jeder Dorffestveranstalter auch, nur immer wieder bei Großveranstaltungen mit Sondergenehmigungen nutzen. Wir werden künftig aber für die privaten Feiern an den Wochenenden, wenn die Praxis geschlossen ist, den abgelegenen Praxisparkplatz nutzen und den an der Straße geschlossen lassen.

Gerade diese privaten Feiern sind immer wieder Stein des Anstoßes...
Dazu muss man wissen: 2014 gab es bei uns acht Feiern, die über die Sperrstunde hinaus gebucht waren. Davon waren sechs richtig große Feste. Und wiederum drei davon wurden von Einwohnern unserer Gemeinde ausgerichtet. Diese Feiern hätten also, wenn nicht bei uns, dann in einer anderen örtlichen Lokalität oder auf dem eigenen Hof stattgefunden. Es wäre schön, hundert große Feiern im Jahr zu haben. Die hätten alle Gastronomen gern. Das ist aber nicht so. Wenn es zehn werden, ist das viel. Und vom 1. Januar bis zum Karfreitag hatten wir absolute Winterruhe.

Sie lassen gerade einen neuen Saal bauen. Was kann sich damit verbessern?
Nicht nur der Saal. Einige Dinge beachten wir schon. Wir haben jetzt völlig neue AGBs (Allgemeine Geschäftsbedingungen, die Red.) ausgearbeitet. An die muss sich jeder Mieter halten. Das heißt zum Beispiel: nach 22 Uhr keine Musik mehr im Innenhof. Wir reagieren ja auf die Hinweise. Wir bauen gerade zwei 80 Zentimeter dicke Schall- und Lichtschutzwände. Der neue Feiersaal ist vom Dorf abgewandt gelegen und hat 1,40 Meter starke Wände. Das alles sind hohe Kosten und hohe Aufwände. Wir brauchen aber auch Verständnis dafür, dass solche Maßnahmen ihre Zeit brauchen. Und Dinge, die wir nicht entscheiden können, sollte man uns auch nicht anlasten.

Meinen Sie damit auch die Feuerwerke?
Natürlich. Wir sind nicht die Genehmigungsbehörde. Wenn unser Mieter ein Feuerwerk zünden darf, dann darf er das. Auf der Burg wie überall in der Gemeinde. Wir versuchen allerdings zu sagen: "Machen Sie es bitte nicht!" Wir haben ja auch Arbeit damit und müssen die Reste am nächsten Tag wegräumen.

Haben Sie noch Träume? Welche Neuerungen sind für die Zukunft noch geplant?
Also, ich bin es ja zum ersten nicht alleine. Hinter mir steht mittlerweile ein Team von zehn festen Mitarbeitern. Inklusive der Handwerker sind wir an Tagen wie heute, wenn wir eine Veranstaltung vorbereiten, bis zu 20 Leute. Wir möchten das Freilichttheater weiter ausbauen und damit mehr Besuchern noch professionellere Vorführungen bieten. Das Kinderfest am 30. Mai wird erstmalig stattfinden. Dazu kommt in diesem Jahr erstmalig ein "Herbst- und Weinfest". Wir möchten die Weinkultur von Dresden und Meißen und den Wein aus den neuen Tagebau-Anbaugebieten zu uns holen.

Gibt es denn in den baurechtlichen Vorgaben noch Freiraum für diese Vorhaben?
Ja, gibt es. Wir werden den Rahmen von zehn erlaubten öffentlichen Veranstaltungen auf keinen Fall überschreiten. Wir legen Wert auf eine friedliche Koexistenz, möchten im Gespräch bleiben und können uns, unsere Besucher und deren Autos aber leider auch nicht in Luft auflösen.

Mit André Jakubetz

sprach Mandy Decker

Burgfrühling in Mortka, Sonntag, 19. April, 14 bis 17.30 Uhr