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| 10:58 Uhr

Übrigens
Freundschaft zur rechten Zeit

 Sascha Klein
Sascha Klein FOTO: LR / Sebastian Schubert
Hoyerswerda. Dieser technische Fortschritt macht sogar Freundschaften zu einer echten Herausforderung – wie bei Jeremy. Wo Freunde früher stundenlang gequatscht haben, muss es jetzt für eine kurze Ansage über das Smartphone reichen. Immerhin: Man hört sich irgendwie. Von Sascha Klein

Der Jeremy ist schwer zu erreichen. Jeremy ist nämlich immer „busy“, sagt er – also beschäftigt. Deshalb ist eine Freundschaft mit Jeremy ein Kunststück. Denn abends mal einfach spontan telefonieren: Das geht nicht. Der Jeremy hat dann „Workout“ – also Fitness. Kein Wunder, dass der bei täglich 14 Stunden im Büro einen Ausgleich braucht. Der streichelt seinen Laptop öfter als seine Katze. Mit Jeremy in Verbindung zu treten, geht nur noch zeitversetzt. Weil Jeremys Tag minutengenau getaktet ist, bleibt nur noch Zeit auf dem Weg zur Arbeit. Wie das gehen soll? Durch Sprachnachrichten. Die verbliebenen Freunde sprechen ihm fast täglich eine Sprachnachricht – und er antwortet, wenn er gerade im Auto sitzt und Richtung Büro steuert. Das spart aber Zeit – und ist natürlich seltsam, weil nie eine echte Unterhaltung zustandekommt. „Mensch, Celine, das ist ja schade, dass der Paul ausgezogen ist.“ Nächster: „Kalle, ja klar können wir demnächst mal wieder nach Cottbus zum Fußball.“ Das ist nicht einfach, die ganzen Stränge im Blick zu behalten. Auch für Jeremys Mutter: Die muss da auch mitspielen, sonst klappt es nicht. Ihre Nachrichten sind meist vor dieser Sorte: „Junge, Sonntag um 12 gibts Kassler. Willst Du Klöße oder Kartoffeln dazu?.“