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| 01:08 Uhr

Mehr wissen über den Traumberuf

Hoyerswerda.. Karsten ist erst 16 – und doch schon Finanz- und Personalchef für ein Dutzend Mitarbeiter. Seine Mitschülerin Michaela ist Geschäftsführerin. Zweimal pro Woche trainieren die beiden Foucault-Gymnasiasten und weitere Mitstreiter das richtige Berufsleben – in der Schüleragentur für berufliche Frühförderung. Von Catrin Würz

Die Agentur, die ihren Sitz in Räumen des Hoyerswerdaer Foucault-Gymnasiums hat, wurde vor fast genau zwei Jahren gegründet. Karsten Reichert - heute in der 11. Klasse - ist von Anfang an dabei. „Mich reizte, was diese Agentur machen wollte, nämlich Einblicke in das Berufsleben geben. Damals wusste ich selbst noch nicht, welchen Beruf ich wählen soll“ , erinnert er sich. Heute hilft der 16-Jährige inzwischen anderen Schülern, sich über ausgewählte Traumberufe richtig zu informieren. Damit in der Lebensplanung so wenig wie möglich schief geht.
„Das Schlimmste ist doch, wenn jemand eine Lehre oder ein Studium beginnt und dann feststellt: Das ist ja gar nicht, was ich machen wollte. . .“ , sagt Martina Wolf. Die Hoyerswerdaerin hat die Schüleragentur ab 2001 in ABM-Tätigkeit mit aufgebaut und ist heute noch als ehrenamtliche Betreuerin dabei. Zweiter schlimmer Irrtum vieler Schüler: „Wenn ich mich irgendwo bewerbe, sollte ich vorher wissen, welche Voraussetzungen ich selbst mitbringen muss, damit meine Bewerbung überhaupt in die engere Wahl kommt. Unnötige Bewerbungen kann man sich sparen, wenn man beispielsweise weiß, dass eine gewisse Deutsch- oder Mathe-Note dringend notwendig ist“ , schildert Martina Wolf einen anderen Fall.
Solche Dinge zusammenzutragen und an andere Schüler zu vermitteln, das hat sich die Agentur zur beruflichen Frühförderung auf die Fahnen geschrieben. Die Idee dazu ging 2001 übrigens von einem Praktiker aus - von einem Vorstandsmitglied der LAUBAG. Außerdem hat die Agentur noch viele andere Partner - vom Arbeitsamt bis zur Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugend und Schule (RAA) - mit im Boot.

Drei Schulen machen mit
Die „Mitarbeiter“ der Schüler agentur kommen aus drei Hoyerswerdaer Schulen: aus der 2. Mittelschule, der 2. Förderschule für Lernbehinderte und aus dem Foucault-Gymnasium. „Einmal pro Woche ist Dienstberatung und einmal tagen die Arbeitsgruppen“ , berichtet Sandra Köder. Die 14-Jährige ist erst seit drei Monaten dabei und schon fleißig in die Planung der nächsten Projekte eingebunden.
Das größte Vorhaben der nächsten Zeit soll die 2. Ausbildungsmesse für Hoyerswerda werden. Die letzte Messe dieser Art fand vor eineinhalb Jahren statt und war ein großer Erfolg. Nun wird gemeinsam mit vielen Partnern aus der Praxis eine Neuauflage vorbereitet - maßgeblich von der Schüler agentur selbst. Für September oder Oktober ist diese Berufs-Info-Messe geplant.
„Wir vermitteln keine Ausbildungsplätze, sondern wir informieren über das Berufsbild oder über Bewerbungsmodalitäten“ , stellt Martina Wolf nochmals klar. Wer Fragen hat, kann in die Agentur im Haus 3 des Foucault-Gymnasiums kommen. Aber oft gehen die Agen tur-Mitarbeiter auch in die Schulen vor Ort und geben Informationen weiter. Dort erfahren sie auch, was derzeit bei den Berufswünschen am angesagtesten ist. Kfz-Mechaniker, Koch, Kindergärtnerin sind beliebt, Arzthelferin, Webdesigner oder Informatiker ebenso. Und natürlich geht es auch darum, Interesse an neuen Berufen mit Zukunft zu wecken, wie beispielsweise im Bereich Umwelt. „Wenn Schüler etwas von Schülern erklärt bekommen, geht das oft besser rüber, wird besser angenommen“ , weiß Martina Wolf.
Damit die Jugendlichen vom reellen Berufsleben mehr erfahren, wurden gemeinsam mit Vattenfall Schüler-Praktika für Metallberufe und Mechatroniker organisiert. Immer wieder beliebt sind auch die so genannten Schüler-Azubi-Gespräche. Dabei berichten Auszubildende aus einer Sparte, wie es ihnen jetzt in der Lehrausbildung geht. Das gab es schon in der Friseur- und Kosmetikbranche, in der Informatik und im Kfz-Gewerbe. Ein weiteres Schüler-Azubi-Gespräch war im medizinischen Bereich gemeinsam mit der Krankenpflegeschule am Klinikum Hoyerswerda geplant.

Erfahrungen weitergeben
Immer wieder bekommt die Schüleragentur auch Anfragen, ob sie Fe rienjobs vermittelt. „Wir würden das gern tun, aber hier in Hoyerswerda gibt es kaum solche Jobs. Das ist sehr schwer“ , erzählt Martina Wolf. Sie wünscht sich, dass die in zwei Jahren gewonnenen Erfahrungen der Schüleragentur weitergeführt werden können. Nicht unwichtig dabei ist der Job von Karsten Reichert. Als Personalchef ist er auch für die Gewinnung interessierten Nachwuchses verantwortlich, denn regelmäßig scheiden ja Schulabgänger aus. Und so kennt er schon als 16-Jähriger, was große Bosse auch wissen: Keine Leute, keine Leute!