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| 17:33 Uhr

Hoyerswerda
Mehr „Spielraum“ für Töpferkunst

Enrico Bulang mit seinen „Töpferdamen“ im äußerst engen Raum. „Viel zu klein“, lautet das Fazit der Hobby-Künstler. Sie sind auf der Suche nach mehr „Spielraum“.
Enrico Bulang mit seinen „Töpferdamen“ im äußerst engen Raum. „Viel zu klein“, lautet das Fazit der Hobby-Künstler. Sie sind auf der Suche nach mehr „Spielraum“. FOTO: Anja Hummel / LR
Hoyerswerda. Die Hoyerswerdaer Keramikfreunde suchen dringend nach einer neuen „Brennstation“. Von Anja Hummel

Im kleinen 20-Quadratmeter-Raum ist das Osterfieber ausgebrochen. Die Farben reichen von Rosa über Mintgrün bis Babyblau. Rechts und links in den Regalen und auf den schmalen Arbeitsbänken verteilen sich Häschen, Ostereier, Schmetterlinge und Herzchen. Die Tonfiguren stehen in der Warteschlange. Sie alle sollen in den Brennofen. Doch der Stau ist vorprogrammiert. „Der Ofen ist leider viel zu klein“, sagt Enrico Bulang. Seit 20 Jahren leitet der Hoyerswerdaer zwei Töpferkurse mit jeweils bis zu zwölf Teilnehmern. Mit seinen eifrigen Damen hat er schon 1998 im alten Kufa-Haus gewerkelt, ist dann mit in die Zwischenbelegung am Stadtrand gezogen und nun – seit drei Jahren – in dem Gebäude des Malteser Hilfsdienstes untergebracht.

„Natürlich ist es toll, dass wir die Möglichkeit haben, hier zu sein“, beteuert  Enrico Bulang kurz vor Kursbeginn. „Aber der Raum ist viel zu klein für uns.“ Er öffnet den Mini-Brennofen. Dicht an dicht steht dort ein Rabe neben einem Küken, darunter liegen flache Schälchen, einige Tassen und Teelichthalter. Viel mehr Tonskulpturen als im Ofen selber stapeln sich darüber. Die Hasen müssen wohl noch etwas auf ihren „Ofengang“ warten.

Da klingelt es auch schon an der Tür. Die ersten Töpferinnen aus Lauta-Dorf trudeln mit Körben und Taschen ein. Nach und nach füllt sich der Raum, alles wirbelt umher, sucht nach Pinseln, Förmchen, Farbeimern. Der Essig-Kleber wird angerührt. Petra Dahl ist seit 2013 dabei und die „Figurenspezialistin“, wie Enrico Bulang es ihr bescheinigt. Gerade formt sie einen kugelrunden Körper. „Wenn wir Glück haben, dann wird es eine Katze“, sagt die Lautaerin. Die anderen Frauen kichern. „Die Atmosphäre ist schön und wir verstehen uns super“, sagt Petra Dahl beim Werkeln. Aber die Räumlichkeit sei einfach zu eng. „Das hat den Charme einer Abstellkammer.“ Von allen Seiten wird ihr zugenickt. Viele Teilnehmerinnen haben den Kurs mittlerweile verlassen, weil ihre Figuren viel zu lange in der „Warteschlange“ standen. Auch Regina Reiche schaut dieses Mal nur zu. Ihre Töpferkunst hat es noch nicht in den Ofen geschafft. So kann sie erst beim nächsten Mal mit der Bemalung starten. Nicht mehr hingehen, ist für die 58-Jährige aber keine Option. „Ich kann hier wunderbar abschalten“, erzählt die Lautaerin, die ihre Kunstwerke meistens verschenkt.

Die Frauen wissen, dass die Nachfrage nach dem Töpferkurs weitaus höher ist, als es der Platz erlaubt. „Wir könnten noch einige andere Teilnehmer mitbringen, die gerne herkommen würden. Aber das geht ja nicht“, bedauert Regina Reiche.

Zumindest noch nicht, meldet sich Enrico Bulang zu Wort.  Der Kursleiter, übrigens der einzige Mann im Bunde, möchte an der Situation dringend etwas ändern. Sein Ansatz: „Ich könnte mich mit anderen Vereinen zusammen schließen, sodass mehrere Parteien ein leer stehendes Gebäude bewirtschaften.“ Der gelernte Töpfer mit den langen Haaren hat schon Interessenten gefunden. Der Hoyerswerdaer Taekwondo-Verein zum Beispiel möchte sich räumlich vergrößern. Und auch mit dem Betreuer einer Selbsthilfewerkstatt ist Enrico Bulang im Gespräch. „Zusammen können wir etwas bewegen“, ist sich der Künstler sicher und hofft auf das ein oder andere Angebot. Seine „Töpferdamen“ bestärken ihn. Denn ein größerer Raum würde auch einen anderen Ofen nach sich ziehen. „Dann wären wir nicht mehr eingeschränkt und könnten auch mal größere Keramiken fertigen“, sagt Gretel Neumerkel. Die 78-Jährige ist vom ersten Tag an im Töpferkurs dabei. „Früher“, erinnert sich die Hoyerswerdaerin, „habe ich richtige Brettspiele und einen großen Friedensgott gemacht.“ Heute ist das nicht mehr drin. Selbst für die Bulang’sche Töpferscheibe gibt es keinen „Stellplatz“. Stattdessen stehen die Häschen immer noch Schlange. Ob sie es alle rechtzeitig bis zum Osterfest in den Ofen schaffen? Enrico Bulang, der die diesjährige Hoyerswerdaer Martha-Skulptur anfertigt, ist zuversichtlich. Und doch weiß er, dass die Schlange nicht kleiner wird. Deshalb wird er weiter für mehr „Spielraum“ kämpfen, damit sich die Kunst endlich wieder frei entfalten kann.

Enrico Bulang mit seinen "Töpferdamen" im äußerst engen Raum. "Viel zu klein", lautet das Fazit der Hobby-Künstler. Sie sind auf der Suche nach mehr "Spielraum".
Enrico Bulang mit seinen "Töpferdamen" im äußerst engen Raum. "Viel zu klein", lautet das Fazit der Hobby-Künstler. Sie sind auf der Suche nach mehr "Spielraum". FOTO: Anja Hummel / LR