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| 02:39 Uhr

Mehr Miteinander und Zufriedenheit für alle

Daumen hoch für die neue Ortsumgehung, Kita-Umbau und Schule. Daumen runter für den nochmals verschobenen Spielplatz-Neubau am Tiergehege. So sieht Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel das zu Ende gegangene Jahr 2015.
Daumen hoch für die neue Ortsumgehung, Kita-Umbau und Schule. Daumen runter für den nochmals verschobenen Spielplatz-Neubau am Tiergehege. So sieht Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel das zu Ende gegangene Jahr 2015. FOTO: Würz
Mit dem RUNDSCHAU-Fragenkatalog haben die Bürgermeister aus der Region die Möglichkeit, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und einen Vorausblick auf das gerade gestartete Jahr 2016 zu wagen. Heute stellt sich Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel (CDU) den Fragen. Catrin Würz

Tops des Jahres: Nennen Sie bitte die drei größten Erfolge im Jahr 2015. Warum zählen Sie diese dazu?
Zu den wichtigsten Ereignissen für Bernsdorf zählt in diesem Jahr zweifellos die Freigabe der Umgehungsstraße S 94. Diese 13 Millionen-Euro-Investition war ja ein länger dauerndes Projekt vom Freistaat, aber für die Verkehrsentlastung im Ortsteil Straßgräbchen und für die Wittichenauer Straße in Bernsdorf enorm wichtig. In Straßgräbchen konnten die Anwohner endlich aufatmen, weil die Ortsdurchfahrt nun für Lkw gesperrt ist.

Ein weiterer Höhepunkt für unsere Stadt war natürlich die Sanierung der Kita "Meisennest" in Straßgräbchen. Hier war am Ende mehr möglich, als am Anfang gedacht: Denn neben dem Rückbau von zwei Etagen am Gebäude, neuen Fenstern und einer energetischen Fassadensanierung konnten letztlich auch noch Fußboden- und Malerarbeiten und neue Heizkörper realisiert werden. Die Kita hat nun einen neuen separaten Krippenbereich und ist rundum auf einem sehr guten Level. Das war alles nur möglich, weil die Partner, also von den Eltern bis zum Träger CSB, alle so schön am gleichen Strang mitgezogen haben.

Als dritten großen Erfolg für unsere Stadt sehe ich persönlich an, dass unsere private Oberschule ihren ersten Abschlussjahrgang 10. Klasse verabschiedet hat. Die guten Zeugnisse haben uns gezeigt, dass wir damals vor sechs, sieben Jahren mit der Schule die richtige Entscheidung getroffen haben. Momentan wird die Bausubstanz des Schulgebäudes umfangreich modernisiert. 1,2 Millionen Euro werden wir als Stadt bis Ende dieses Jahres in das Gebäude investieren. Und wenn ich darf, würde ich gern noch einen vierten Top-Erfolg benennen: Das ist unser Mehrgenerationenhaus. Es hat eine sehr gute Entwicklung genommen. Die Angebote und Kurse werden immer besser von Einwohnern aller Altersgruppen genutzt.

Flop des Jahres: Nennen Sie die größte Niederlage im Jahr 2015. Was ist dabei schiefgelaufen?
Unser Flop des Jahres ist wohl eindeutig der nochmals verschobene Spielplatzbau am Bernsdorfer Tiergehege. Schon seit zwei Jahren hoffen wir, dass es mit dem Bau endlich losgehen kann. Aber die Fördermittel dafür wurden auch 2015 wieder nicht ausgereicht. Jetzt haben wir erneut einen Antrag auf europäisches Fördergeld gestellt und hoffen inständig, dass das Spielplatz-Projekt 2016 umgesetzt werden kann. Der städtische Eigenanteil ist übrigens gesichert: Die rund 50 000 Euro wird der gemeinnützige Tanklagerverein aufbringen.

Einmal in den Wünsche-Sack gegriffen: Was würden Sie sich für Ihre Stadt wünschen, wenn sie einen Wunsch frei hätten?
Ich würde mir keine Millionen für unsere Stadt wünschen, sondern etwas für die Menschen, die hier leben: Nämlich, dass alle Einwohner hier glücklich sind; dass sie einen erfüllenden Arbeitsplatz haben oder finden, niemand mehr deswegen wegziehen muss oder auf Hartz IV angewiesen ist. Dass bei den Menschen eine gewisse Zufriedenheit einkehrt und ein gutes Miteinander entsteht.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sich Firmen neu in unserer Stadt ansiedeln oder bestehende Unternehmen sich erweitern. Wir als Stadt versuchen, dafür die Voraussetzungen und eine gute Infrastruktur zu schaffen, indem wir Straßen, Schulen, Kindereinrichtungen ertüchtigen und das kulturelle Leben in der Stadt unterstützen.

Rückwärtsgang: Gibt es Entscheidungen, die Sie im Rückblick auf das Jahr 2015 anders machen würden?
Eine gute Frage, über die ich wirklich lange nachgedacht habe. Aber so eine Entscheidung gab es im zu Ende gegangenen Jahr 2015 wohl nicht. Zum Glück.

To-do-Liste: Welche Maßnahmen gehören aus Ihrer Sicht zu den größten Herausforderungen im Jahr 2016 und warum?
Die Vorhaben-Liste ist gut gefüllt: Vor allem die Straßensanierung wird uns in diesem Jahr mehr beschäftigen. So soll im ersten Halbjahr die Wittichenauer Straße saniert werden, die vor dem Bau der Umgehungsstraße ja so unter Schwerlast-Schottertransporten gelitten hat. Im zweiten Halbjahr kommt dann die Kamenzer Straße zwischen dem Abzweig an der B 97 bis zum Ortsausgang hinter Straßgräbchen an die Reihe.

Als größere Bau-Projekte werden wir im Sommer den Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Großgrabe und zum Jahresende das Gebäude der Oberschule zum Abschluss bringen. Fest ins Auge gefasst haben wir auch noch den Neubau des gemeinsamen Schulsportplatzes für Grund- und Oberschule. Dieser Umbau würde zirka 350 000 Euro kosten. Wenn wir die Fördergelder dafür bekommen, wollen wir das so schnell wie möglich realisieren.

Eine große Herausforderung wird für unsere Stadt auch sein, das geplante Quartiersmanagement für das Areal am Fritz-Kube-Ringe zum Laufen zu bringen. Dieses Projekt zur nachhaltigen sozialen Stadtentwicklung sehen wir als große Chance.

Flüchtlingssituation: Alle Städte haben derzeit ein großes Problem, Flüchtlinge unterzubringen. Wie sehen Sie die aktuelle Situation in Bernsdorf? Auf was müssen sich die Bürger einstellen?
Bernsdorf hat bereits in der Vergangenheit jeweils zehn Wohnungen in Wiednitz/Heide und zehn Wohnungen im Stadtgebiet für Asylbewerber zur Verfügung gestellt. Angesichts der ansteigenden Flüchtlingsströme hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft BWG kurzfristig weitere Wohnungen für akute Notfälle bereitgestellt. Im Verlaufe dieses Jahres werden es weitere 35 Wohnungen sein. Damit kommen wir dann allerdings an eine Grenze. Ich denke, die Bernsdorfer stehen dem Thema Flüchtlinge weitgehend offen gegenüber. Voraussetzung ist jedoch, dass sich die Asylbewerber auch integrieren wollen und sich an die hier geltenden Gepflogenheiten und Gesetze anpassen.

Blick in die Glaskugel: Was denken Sie, wie die Region im Jahr 2030 aussehen wird?
Eigentlich ist mir für die Region nicht bang. Im Jahr 2030 haben wir hier in der Lausitz eine der größten künstlichen Seenplatten Europas, die im Bereich Tourismus und Infrastruktur wie ein Motor wirken wird. Natürlich hoffe ich, dass es starke mittelständische Betriebe gibt. Aber klar ist auch: Tourismus und Mittelstand allein werden auf keinen Fall als Wirtschaftszweig die Braunkohleindustrie voll ersetzen können. Deshalb braucht die Region auch weiterhin die Braunkohleverarbeitung als wichtiges wirtschaftliches Standbein.

Für unsere Stadt Bernsdorf hoffe ich, dass im Jahr 2030 auf jeden Fall die Ortsumgehung der S 94 um Bernsdorf und Wiednitz herum in Richtung Autobahn Ruhland fertiggestellt ist. Das sollte bis dahin zu schaffen sein. Wir bleiben an diesem Thema jedenfalls weiter dran..