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Wittichenau
Mehr Frauenpower in der Chefetage

Susanne Metasch (Inhaberin), Annette Lohse (Fachberaterin) und Christiane Krahl (Beraterin/Service) haben das Küchenstudio Fröhlich in Wittichenau voll im Griff. Foto: Anja Hummel
Susanne Metasch (Inhaberin), Annette Lohse (Fachberaterin) und Christiane Krahl (Beraterin/Service) haben das Küchenstudio Fröhlich in Wittichenau voll im Griff. Foto: Anja Hummel FOTO: Anja Hummel / LR
Wittichenau. In der Region gibt es immer mehr Frauen in Führungspositionen. Ein Küchenstudio in Wittichenau ist seit Generationen in Damenhand. Das bringt durchaus Vorteile.

Von Anja Hummel

Wittichenau „Bringen Sie doch beim nächsten Mal ihren Chef mit“, tönt es Susanne Metasch noch in den Ohren, als hätte sie diesen Satz erst gestern gehört. Ziemlich genau erinnert sich die Küchenstudio-Inhaberin aus Wittichenau an diese geschäftliche Begegnung vor mehr als 25 Jahren. „Ich war damals zum ersten Mal als Geschäftsführerin auf einer Möbelmesse unterwegs“, erzählt die heute 55-Jährige. Verhandelt hat sie fast ausschließlich mit Männern. „Die haben mich mit meinen 28 Jahren nicht gerade für voll genommen“, sagt die Mutter einer Tochter. Das aber habe sich sehr schnell geändert.

Kurz vor der Wende hat Susanne Metasch das Küchenstudio Fröhlich von ihrer Mutter übernommen. Die wiederum ist bereits in die Fußstapfen der Großmutter getreten. „Das Küchenstudio war schon immer in Frauenhand“, erzählt Susanne Metasch. „Natürlich mit Unterstützung der Männer“, fügt die studierte Betriebswirtschaftlerin hinzu. Auf 250 Quadratmetern berät sie mit ihren zwei Mitarbeiterinnen die Kundschaft rund um den individuellen Küchentraum. Zwei Tischler gehören auch zum Team des Unternehmens. „Die Möbelbranche ist immer noch eine Männerdomäne“, stellt Susanne Metasch fest. Die taffe Frau wünscht sich deshalb noch mehr Damen in der Geschäftsführung. „Obwohl in den zurückliegenden Jahren immer mehr Frauen hinzugekommen sind“, so ihre Beobachtungen. Die Zahlen der Handwerkskammer Dresden (HWK) geben ihr Recht.

Im Landkreis Bautzen sind mittlerweile fast 17 Prozent der Führungskräfte weiblich. Das sind gut zwei Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Führungskräfte – damit gemeint sind Inhaberinnen, Geschäftsführerinnen, Betriebsleiterinnen und Gesellschafterinnen. Die meisten Frauen sitzen in den Branchen Friseur, Kosmetik und Maßschneidern auf dem Chefsessel. Auch die Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK) bestätigt den Trend: „Grundsätzlich ist zu erkennen, dass Frauen eher in personennahen Dienstleistungen, Einzelhandel und Gastronomie und Hotellerie aktiv sind“, erklärt IHK-Pressesprecher Lars Fiehler. In Hoyerswerda hat die IHK Dresden knapp 1300 Mitgliedsunternehmen. In denen sind 319 Frauen in Führungspositionen tätig.

Gerade in ihrer Branche hört es Susanne Metasch immer wieder: Die Beratung von einer Frau bringt viele Vorteile mit sich. „Das sagen zumindest die Kunden immer wieder“, freut sich die Wittichenauerin. Es möge nach Klischee schreien, „aber Frauen haben für Küchen, Farben, Zubehör und Details einfach einen besseren Blick“, sagt die Studiochefin. Deshalb hat sie sich in der Beratung auch für ein reines Frauenteam entschieden. Zickereien? „Gibt es nicht. Wir sprechen alles offen und ehrlich an“, so Susanne Metasch. Ihre Aufgabe als Chefin hat sie klar definiert: Alle kaufmännischen Angelegenheiten liegen in ihren Händen. „Ich sehe mich da als Frau weder benach- noch bevorteiligt“, resümiert sie. In der Praxis zeige sich, dass Frauen und Männer Gleiches schaffen. „Ich bin Unternehmerin und da muss ich mich nun mal durchboxen. So, wie jeder Mann das genauso machen muss. Für das Geschäft, für die Mitarbeiter, für die Kunden“, sagt Metasch.

Der Freistaat Sachsen bietet speziell Existenzgründerinnen im ländlichen Raum ein besonderes Förderprogramm an. Die HWK Dresden informiert interessierte Frauen darüber. In den zurückliegenden zwei Jahren haben immerhin vier Frauen aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz diese Förderung erhalten. „Ein Acht-Stunden-Job ist so eine Geschäftsführung natürlich nicht“, erzählt Susanne Metasch. Ohne Unterstützung von Familie und ihren engagierten Mitarbeitern wäre das nicht zu schaffen. „Das ist nun einmal nichts für jedermann“, gesteht sie. Aber auch das habe wiederum rein gar nichts mit dem Geschlecht, sondern viel mehr mit der eigenen Persönlichkeit zu tun.