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| 02:48 Uhr

Mehr als Luther – Reformation in Osteuropa

Die Bischöfe der evangelischen Sachsen residierten von 1572 bis 1867 in Birthälm/Biertan in einer der größten Kirchenburgen, die seit dem 15. Jahrhundert gegen die Tataren- und Türkeneinfälle entstanden waren. Foto: Martin Eichler
Die Bischöfe der evangelischen Sachsen residierten von 1572 bis 1867 in Birthälm/Biertan in einer der größten Kirchenburgen, die seit dem 15. Jahrhundert gegen die Tataren- und Türkeneinfälle entstanden waren. Foto: Martin Eichler FOTO: Martin Eichler
Görlitz. (red/br) Zu einer Reise durch Ostmitteleuropa in Wort und Bild lädt das Schlesische Museum am Donnerstag, dem 9. Februar, ab 18 Uhr ein.

Das teilt Annemarie Franke, Kulturreferentin für Schlesien im Schlesischen Museum, mit. Die aktuelle Sonderausstellung "Kirchfahrer, Buschprediger, betende Kinder. 500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien" ist Baustein eines sehr viel größeren Ausstellungsprojektes des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam über die Reformation in Ostmitteleuropa. Drei der insgesamt sieben behandelten Regionen werden während des Themenabends am Donnerstag kommender Woche vorgestellt: Böhmen, Polen-Litauen und Siebenbürgen.

"Mehr als Luther" lautet das Jahresthema des Kulturforums in Potsdam, das die Absicht verfolgt, die Vielfalt der Entwicklungen in den verschiedenen Regionen Ostmitteleuropas in Folge des Thesenanschlags zu Wittenberg 1517 einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Vor der Eröffnung des Themenabends besteht die Möglichkeit, ab 17 Uhr an einer Führung durch die Sonderausstellung über 500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien teilzunehmen.

Einer der Referenten des Themenabends ist Jan {Zcaron}dichynec aus Prag. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität und beschäftigt sich vor allem mit der Kloster- und Kirchengeschichte der Oberlausitz sowie den geistigen und kulturellen Beziehungen zwischen Böhmen und der Oberlausitz in der frühen Neuzeit. Er wird über die "Reformation vor der Reformation", also Jan Hus und die Besonderheiten der religiösen Situation der böhmischen Länder vom 15. bis zum 17. Jahrhundert, sprechen.

Lars-Arne Dannenberg hat mehrere Regionen des östlichen Europas für das Ausstellungsprojekt des Kulturforums bearbeitet. Er wird über Polen-Litauen und das historische Preußen sprechen. Im frühen 13. Jahrhundert hatte der polnische Herzog Konrad von Masowien Ritter des Deutschen Ordens ins Land gerufen, um die heidnischen Pruzzen zu missionieren. Zwischen Weichsel und Memel bauten die Ritter einen mächtigen Ordensstaat auf. Der letzte Hochmeister Albrecht von Brandenburg wandelte ihn auf Anraten Martin Luthers in ein weltliches Herzogtum um.

Der Hochmeister unterstellte 1525 das Territorium als Lehen dem polnischen König, ließ sich aber Glaubensfreiheit garantieren. So wurde das Herzogtum Preußen der erste lutherische Staat in Europa.

Harald Roth ist Südosteuropahistoriker sowie Theologe und leitet das Deutsche Kulturforum östliches Europa in Potsdam. Er ist Initiator und Hauptkurator des Ausstellungsprojektes zur Reformation im östlichen Europa.

In Siebenbürgen übernahmen in den 1540er-Jahren alle Städte und Verwaltungseinheiten der "Sächsischen Nation" die Lehre Luthers. Diesen Sonderfall einer flächendeckenden Einführung der neuen Lehre wird er in seinem Vortrag unter dem Titel "Generalprobe Glaubensfreiheit - Reformation und Konfessionalisierung in Siebenbürgen" erläutern.

Eintritt für Themenabend und Führung: drei Euro, Eingang Fischmarkt 5, Reservierung per E-Mail an kontakt@schlesisches-museum.de oder Telefon 03581 87910