Die 18-Jährige hatte, nach eigenen Aussagen, zu Beginn ihrer Drogenkarriere ganz bewusst zu Extasy- und Crystal-Pillen gegriffen, denn sie wollte Gewicht verlieren. „Ich wusste, dass ich dadurch rasch abnehmen würde. Im Nachhinein bereue ich diesen Schritt.“ Allein das Denken und einfache motorische Fähigkeiten würden der jungen Frau heute viel schwerer fallen, als noch vor ihrem exzessiven Drogenkonsum.
Die harten Drogen habe sie sich damals über einen Dealer beschafft: „Ich habe zwar früher erstmal die leichten Sachen probiert, aber irgendwann bin ich dann von dem Zeug nicht mehr los gekommen und immer weiter abgerutscht“ , sagte die Hoyerswerdaerin vor Gericht. Beinahe täglich habe sie ihren Dealer aufgesucht, habe sogar Handys gegen Pillen getauscht.
Im Sommer 2004 kam die Angeklagte zum Drogenentzug in die Klinik nach Großschweidnitz: „Damals war ich auf 42 Kilo runter“ , schilderte sie ihre lebensgefährliche Situation. „Die Ärzte dort haben mir gesagt, dass ich, wenn ich nur ein paar Wochen so weitergemacht hätte, es wohl nicht überlebt hätte.“ Nach ihrer Entlassung erlitt sie einen Rückfall und musste erneut in die Klinik: „Therapie hin oder her - wenn man nicht selbst den Willen zum Aufhören hat, bringt das alles nichts“ , weiß die junge Frau heute. Zurzeit habe sie, dank der Unterstützung ihres Freundes, ihren Drogenkonsum im Griff, „auch wenn ich ab und an immer noch rückfällig werde“ , gab sie vor Gericht zu.
Den Grund für ihre Drogenabhängigkeit sucht die junge Frau auch in ihrer schwierigen familiären Situation. „Eine wirkliche Familie habe ich nie gehabt. Mein Vater interessiert sich nicht für mich, zu meiner Mutter habe ich den Kontakt abgebrochen“ . Wegen epileptischer Anfälle und Suizidgefahr sei sie bereits nach der siebten Klasse von der Schule abgegangen. Heute versuche sie auf eigenen Beinen zu stehen - arbeite derzeit an ihrem Hauptschulabschluss.
Vor Gericht zeigte sich die junge Frau einsichtig. „Wenn ich meine Wunschausbildung im sozialen Bereich schaffen will, muss ich von dem Zeug loskommen“ , sagte sie vor der Urteilsverkündung.
Das Gericht berücksichtigte das Geständnis der jungen Frau und verurteilte sie zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. „Zur Bewährungsauflage macht das Gericht zunächst keine Therapie, sondern einen erfolgreichen Hauptschulabschluss“ , sagte Amtsrichter Michael Goebel in seiner Urteilsbegründung. (koe)