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Mathe an frischer Luft – cool

Katrin Hoffmann und ihre Schüler im Klassenzimmer im Grünen, für das Schüler der Werkstatt-Schule Lausitz die Möbel gefertigt haben.
Katrin Hoffmann und ihre Schüler im Klassenzimmer im Grünen, für das Schüler der Werkstatt-Schule Lausitz die Möbel gefertigt haben. FOTO: K. Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Klassenzimmer im Grünen bietet neue Lernmöglichkeiten an der Lindenschule. Die Werkstattschule Lausitz übernahm die Tischlerarbeiten. Katrin Demczenko / dcz1

Lesen, einander zuhören, zeichnen oder rechnen im Klassenverband im Schulgarten - und jedes Kind hat dort einen Tisch und eine Sitzbank. Diese Möglichkeit des Lernens besteht jetzt an der Lindenschule Hoyerswerda. Einrichtungsleiterin Birgit Flach freut sich. Gestern wurde an der Grundschule mit einem Kulturprogramm einiger Schüler, aber besonders mit der dritten Klasse von Lehrerin Katrin Hoffmann, das Klassenzimmer im Grünen eingeweiht.

Schüler Jamie zeigte sich begeistert und fand die Mathestunde an der frischen Luft "cool". Die Pädagogen haben die Idee des Unterrichts im Grünen entwickelt und eine preiswerte Möglichkeit zum Erwerb zehn stabiler Tische und Sitzbänke aus Holz sowie eines Lehrerpults gesucht, erzählt Birgit Flach. Das Anliegen war bei der Werkstatt-Schule Lausitz, der Produktionsschule der PSW Dienstleistungen Hoyerswerda, sofort auf Hilfsbereitschaft gestoßen.

Der Fachanleiter des Werkstattbereiches, Michael Liebeskind, freute sich über den Auftrag, den er mit sechs 16- bis 26-jährigen Schülern, die noch keinen Schul- oder Berufsabschluss haben, verwirklichte. Aus verschiedenen Gründen sei den Jugendlichen der Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt noch nicht gelungen. In der Werkstatt-Schule, die sie auf Weisung des Jobcenters Hoyerswerda besuchen, erproben sie sich während maximal zwei Jahren in verschiedenen Arbeitsfeldern, unter anderem im Bereich Holz.

Ende April erfolgte die Anfrage der Lindenschule, und vier Wochen später wurden die Tische und Sitzbänke übergeben. Viele Arbeitsschritte beginnend mit der Anfertigung technischer Zeichnungen und dem Materialeinkauf bis zur Herstellung der Bretter und Beine der Möbel, dem Zusammenfügen und Lackieren mit Holzschutzlasur erledigten die Produktionsschüler mit ihrem Fachanleiter. Sie lernten also, wie in einer Tischlerei ein Werkstück entsteht, trainierten das rechtzeitige Erscheinen am Arbeitsplatz sowie das Erbringen einer sinnvollen Leistung während der Arbeitszeit. Auch solche Sozialkompetenzen sind wichtig, um in eine Berufsvorbereitungsmaßnahme des Jobcenters oder eine Berufsausbildung übernommen zu werden, sagt Michael Liebeskind. Manchmal entsteht aus einem Praktikum auf dem ersten Arbeitsmarkt auch eine reguläre Anstellung in einem Betrieb, nennt er eines der Ziele seiner Arbeit.