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| 19:52 Uhr

5. Tag der offenen Unternehmen
Riesenandrang in Bernsdorfer Firmen

 Felix Schramm (17, M.) und Marcel Nowotnik (17, r.), die beiden Azubis von TDDK-Vize Ronald Juhnke (50, l.), erklären den interessierten Besuchern im M+E-Infotruck, wie Fräsen funktioniert.
Felix Schramm (17, M.) und Marcel Nowotnik (17, r.), die beiden Azubis von TDDK-Vize Ronald Juhnke (50, l.), erklären den interessierten Besuchern im M+E-Infotruck, wie Fräsen funktioniert. FOTO: LR / Rita Seyfert
Bernsdorf. Jung und Alt ist beim nunmehr fünften Tag der offenen Unternehmen unterwegs – zu TDDK, O-I Glas & Co. Von Rita Seyfert

Der Andrang ist enorm! Großeltern mit ihren Enkeln, Neunt- und Zehntklässler mit ihren Schulkameraden, aber auch Ehemänner, die ihren Frauen mal ihre Arbeitsstätte zeigen wollen, lassen sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel (60, CDU) spricht als Schirmherr der Veranstaltung sogar von einer „kleinen Völkerwanderung in der Glasmacherstadt“.

Bei Glashersteller O-I Germany in der Otto-Buchwitz-Straße sind die Parkplätze jedenfalls kurz nach Mittag vorübergehend dicht. Mit den Führungen übers Gelände haben die Leute von Werkleiter Thomas Twarok (55) alle Hände voll zu tun.

Immerhin 150 Tonnen Glas werden hier täglich geschmolzen, 150 Millionen Flaschen jährlich produziert, und zwar hauptsächlich grüne Spirituosenflaschen von 20 Milliliter bis 1,75 Liter, erfahren die interessierten Besucher.

 Glasflaschen sind ihr Spezialgebiet: Thomas Twarok (55, r.), Chef der Glasfirma O-I in Bernsdorf, schaut den  beiden Mechatronik-Anwärtern Sange Kohlschmidt (18, l.) und Max Sonntag (18) am Azubi-Infostand über die Schulter.
Glasflaschen sind ihr Spezialgebiet: Thomas Twarok (55, r.), Chef der Glasfirma O-I in Bernsdorf, schaut den  beiden Mechatronik-Anwärtern Sange Kohlschmidt (18, l.) und Max Sonntag (18) am Azubi-Infostand über die Schulter. FOTO: LR / Rita Seyfert

Außerdem kooperiert der Ausbildungsbetrieb für Mechatroniker und Industriemechaniker mit der Freien Oberschule in Bernsdorf und betreut seit 2012 Achtklässler beim Berufsorientierungsunterricht. Werkleiter Twarok: „Wir bilden pro Jahr drei bis vier Azubis aus, gute übernehmen wir auch.“

 Ein Roboter spielt die Star-Wars-Melodie: Johann Mager (19) und Max Sievers (19), die beiden Azubis von Trainer Stephan Rumpel (38, r.), präsentieren den Besuchern das Ergebnis ihrer Projektarbeit.
Ein Roboter spielt die Star-Wars-Melodie: Johann Mager (19) und Max Sievers (19), die beiden Azubis von Trainer Stephan Rumpel (38, r.), präsentieren den Besuchern das Ergebnis ihrer Projektarbeit. FOTO: LR / Rita Seyfert

Gearbeitet wird nonstop. Seit der letzten Reparatur der Schmelzwanne in 2010 lief die Glasschmelze an 24 Stunden und sieben Tagen pro Woche ununterbrochen durch.

Doch Ende des Jahres sollen die Maschinen für 80 Tage angehalten werden. O-I-Werkleiter Twarok: „Wir planen, die Schmelzwanne im November komplett zu erneuern“, sagt er. Neben der Schmelzwanne sollen auch Glasherstellungsmaschinen und die Kontrolltechnik für rund 20 Millionen Euro erneuert werden. „Damit wollen wir auch bessere Arbeitsbedingungen schaffen“, so Twarok.

Frei haben die derzeit 108 Mitarbeiter, darunter sieben Auszubildende, während der Sanierungsarbeiten allerdings nicht. Die Belegschaft wird laut Werksleiter Twarok in die Arbeiten eingebunden. Demnach dürften einige Kollegen den Malerpinsel schwingen, andere überholen die Maschinen oder werden mit der Nachsortierung der Flaschen betreut.

Auch das Unternehmen Toyota Denso Deutsche Klimakompressor GmbH (TDDK) in der Weißiger Straße wird von den Besuchern nahezu überrannt. Der Hersteller für Klimakompressoren schreibt seit 20 Jahren in Bernsdorf Erfolgsgeschichte. Bei der Eröffnung 1998 wurden 85 Arbeitsplätze versprochen, heute beschäftigt TDDK rund 950 Mitarbeiter.

Spannend bleibt, wie es nun weitergeht. Erst diese Woche gab es bei TDDK wieder einen Wechsel an der Führungsspitze. Chef Sokichi Hibino hat an seinen Nachfolger Kazushige Murao übergeben und kehrt nach vier Jahren in Bernsdorf zurück nach Japan. Immerhin um die fünf Millionen Klimakompressoren fertigt der Weltmarktführer jährlich allein für den europäischen Markt, Tendenz steigend. Um die erhöhten Versandkapazitäten abdecken zu können, muss das Bernsdorfer Unternehmen zurzeit gerade mal wieder anbauen.

Vize-Chef Ronald Juhnke (50): „Derzeit entstehen zwei neue Ladedocks“, sagt er. Neben dem Lageranbau wird derzeit auch eine neue Montagelinie aufgebaut, die im Herbst in Betrieb gehen soll. Rund zwei Millionen Euro werden dabei investiert.

Wer so rasant wächst, muss sich natürlich rechtzeitig um Nachwuchs kümmern. Personalleiterin Stefanie Frietzsche: „Wir bilden nur für unseren eigenen Bedarf aus und bieten auch eine Übernahme an“, sagt sie.

Momentan sucht TDDK bereits Azubis für 2020, darunter drei Mechatroniker und zwei Maschinen- und Anlagenführer. Auch Plätze für eine Fachkraft für Lagerlogistik, einen BA-Studenten für Wirtschaftsingenieurwesen und eine Kooperative Ingenieur-Ausildung im Bereich Mechatronik sollen vergeben werden.

Zwei von denen, die ihre Ausbildung zum Mechatroniker fast abgeschlossen haben, sind Johann Mager (19) und Max Sievers (19), beide im dritten Lehrjahr. „Wir werden in der Instandhaltung eingesetzt und lernen das Reparieren und Warten der Anlagen“, erzählen sie. Ihre Arbeit empfinden sie als vielseitig und abwechslungsreich. Von Mechanik über Elektronik bis zum Programmieren sei letztendlich von allem etwas dabei.

Gerade im ersten Lehrjahr und damit noch eher neu im Boot des Unternehmens sind Zerspannungsmechanik-Azubi Marcel Nowotnik (17) und Mechatronik-Azubi Felix Schramm (17). „Ob Bohrplatten oder Wellen, wir stellen die Ersatzteile für die Produktionsmaschinen her“, erzählen sie. Allerdings möchte Felix ab dem zweiten Lehrjahr nochmal in die Ausbildung zum Industriemechaniker wechseln. Die Metallbearbeitung liegt ihm besser, hat er inzwischen festgestellt.