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| 15:33 Uhr

SPD-Küchentischtour
Politiker am Küchentisch in Hoyerswerda

 Der Kreisvorsitzende der SPD Kevin Stanulla (vorn), der SPD-Landesvorsitzende Martin Dulig (Mitte) und der Minister für Soziales und Arbeit, Hubertus Heil am Küchentisch.
Der Kreisvorsitzende der SPD Kevin Stanulla (vorn), der SPD-Landesvorsitzende Martin Dulig (Mitte) und der Minister für Soziales und Arbeit, Hubertus Heil am Küchentisch. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Sachsens Sozialdemokraten lieben’s gemütlich: In der Kulturfabrik haben Hoyerswerdaer mit dem Landesvorsitzenden Martin Dulig und dem Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, am Küchentisch gesprochen. Von Rainer Könen

Abendbrot in Familie: „Da sind an unserem Küchentisch immer oft recht interessante Gespräche geführt worden“, erzählt Martin Dulig (SPD) am Montagabend den Besuchern in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik, die sich um das alte Möbelstück des Duligschen Haushaltes versammelt haben. Es war die Idee des Vorsitzenden der Sächsischen SPD gewesen, mit dem eigenen Küchentisch auf Tour zu gehen, um mit den Bürgern des Freistaats ins Gespräch zu kommen. „Weil so ein Küchentisch doch ein guter kommunikativer Ort ist“, wie es Dulig empfindet.

So hat sich am Montag in Hoyerswerda die nicht alltägliche Gelegenheit geboten, neben dem Vorsitzenden der Sächsischen SPD mit dem Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, zu plaudern. Und da ist so einiges gewesen, was den Leuten unter den Nägeln brannte. Unter dem Motto „Wir bringen den Tisch, Sie die Themen“ konnten die Besucher Platz nehmen an diesem bekritzelten und wacklig-aussehenden Holztisch, ihre Fragen an die Politiker richten.

Da ist beispielsweise ein Hartz-IV-Empfänger aus Bernsdorf, der seit einigen Jahren seine schwerkranke Mutter pflegt, und der über seine Nöte als Langzeitarbeitsloser spricht. Darüber, wie schwer es für ihn in seinem Alter – 52 Jahre – ist, noch einen Job zu finden. Womit man in der Runde schnell beim Thema Grundeinkommen für jedermann ist. Heil weist darauf hin, dass er für eine Grundsicherung stehe. Auch sei es an der Zeit, 28 Jahre nach der Wende, die vielen noch zwischen Ost und West bestehenden Unterschiede endlich aufzuheben. Heil: „Das muss doch mal ein Ende haben.“ Er spricht von der Angleichung der Renten, einem einheitlichen Lohnniveau.

Seit viereinhalb Jahren gibt es diese SPD-Küchentischtour. In 41 Gemeinden und Orten war sie bisher. Hoyerswerda war die 52. Küchentisch-Station. Zwei Stunden lang ging es in der Kulturfabrik um Themen, die nicht nur Sachsen bewegen. Flüchtlingskrise, der Strukturwandel in der Lausitz, Kohleausstieg, Pflegekräftemangel, Überalterung.

Wie es künftig in und mit der Lausitz weitergehe, wenn der geplante Kohlausstieg zunehmend Kontur annehme, will eine junge Frau vom Sächsischen Landesminister der SPD, Martin Dulig, wissen. Wie werde die Wirtschaft künftig gefördert, welche Alternativen gebe es für die in der Kohle beschäftigten Menschen. Klar ist, solche angesprochenen Probleme können nicht sofort an Ort und Stelle gelöst werden. Aber natürlich tut es gut, wenn man das, was einen bedrückt, einem maßgeblichen Entscheidungsträger auch direkt ins Gesicht sagen kann.

Einige Fragen drehen sich um die allgemeine „schlechte Stimmungslage in Deutschland“, wie es Dulig formuliert. Dabei gehe es den Deutschen doch, in Ost und West, so gut wie lange nicht mehr, war da nicht nur die Auffassung der Politiker. Dennoch liege überall eine so merkwürdig-verdunkelnde Stimmung in der Luft, wie es eine Besucherin formuliert. Woran das liege? Nun, da waren sich auch die Politiker einig, dass ein Zusammenhang mit den rapide fortschreitenden globalen Veränderungen bestehe, die viele Menschen schlichtweg überforderten. Veränderungen, die natürlich auch vor der Region, vor der Lausitz, nicht haltmachten.

Der bevorstehende Strukturwandel belaste viele in Sachsen, sagt einer der Besucher. Martin Dulig wie auch Hubertus Heil weisen darauf hin, dass man dennoch optimistisch nach vorne schauen möge. Denn in den kommenden Jahren entstünden auch hier in der Region in vielen Bereichen neue Arbeitsplätze. „Darauf muss man sehen, denn natürlich ist Arbeit für jeden wichtig“, waren sich alle am Tisch einig.

Die Überalterung einer Stadt wie Hoyerswerda wird an diesem Abend ebenfalls angesprochen, auch die daraus resultierenden Probleme. „Viele junge Leute ziehen weg von hie ... wir brauchen neue Industrieansiedlungen“, das verlange von Landes- wie auch Kommunalpolitik langfristige Lösungen, so Dulig weiter. Da sei Geduld gefragt, so der Landesvorsitzende der Sozialdemokraten.

Wer am Ende nicht die Gelegenheit fand, mit den beiden Politikern am Küchentisch ins Gespräch zu kommen, konnte seine Fragen aufschreiben und sie einem Mitarbeiter der SPD in die Hände drücken. „Die werden wir auf jeden Fall alle beantworten“, heißt es. Darauf lege man großen Wert. Denn man will ja auch weiterhin im Gespräch mit den Bürgern bleiben. Und das nicht nur am Küchentisch des Sächsischen SPD-Landesvorsitzenden.