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| 19:41 Uhr

Wieso Gleichstellung in Hoyerswerda wichtig ist
„Mama Angie“, unser bestes Stück

 Sie heißt wie alle taffen Frauen: Hoyerswerdas Gleichstellungsbeauftragte Angela Donath (62, „Mama Angie“) macht sich für die Armen und Schwachen stark.
Sie heißt wie alle taffen Frauen: Hoyerswerdas Gleichstellungsbeauftragte Angela Donath (62, „Mama Angie“) macht sich für die Armen und Schwachen stark. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Verschuldet, verzweifelt, verstritten? Hoyerswerdas Gleichstellungsbeauftragte Angela Donath (62) hilft, die Wogen zu glätten. Von Rita Seyfert

Ob Hiesiger oder Neubürger, Männlein oder Weiblein, Queers oder Diverse, Hoyerswerdas Gleichstellungsbeauftragte Angela Donath (62) kümmert sich um alle.

„Manchmal denke ich, dass kann jetzt nicht wahr sein“, beginnt sie zu erzählen. Spontan fällt ihr eine junge Familie ein. „Sie hatten ein autistisches Kind.“ Etwa zwei Jahre ist es her, dass sie zu ihr in die Sprechstunde kamen. Ihr Problem waren die Nachbarn, mit denen sie sich im Sommer den Garten teilten. „Die fühlten sich genervt und wollten sie rausmobben.“ Denn der kleine Junge verhielt sich anders. Er lachte an den falschen Stellen. Und manchmal schrie er auch. „Man muss den Hut vor Familien ziehen, die sich diesen Kindern stellen“, sagt sie. Das versuchte sie auch den Nachbarn zu erklären, mit denen sie das Gespräch suchte.

Eine Gleichstellungsbeauftragte vermittelt zwischen zwei Parteien und klärt auf. Wenn nötig, hilft sie bei der Suche nach juristischem Beistand. „Nur Rechtsberatung darf ich keine durchführen.“ Dafür kennt sie die richtigen Adressen und Antragsformulare. „Nur Mut zum Anwalt“, lautet ihr Motto beispielsweise, wenn Frau oder Mann die Scheidung will. Gerade Empfänger von Arbeitslosengeld II wüssten oft nicht, dass sie Prozesskostenhilfe beantragen dürfen.

 Wieso braucht Hoyerswerda überhaupt eine Gleichstellungsbeauftragte? Die Sächsische Gemeindeordnung schreibt Städten ab 20000 Einwohner eine Gleichstellungsbeauftragte vor. In der Hoyerswerdaer Stadtverwaltung war die Stelle schon immer besetzt. Angela Donath hat sie seit 2009 inne. In ihrer Arbeit ist sie unabhängig und weisungsfrei. Heißt: „Ich darf mir meine Spielwiesen selber aussuchen.“ Eines ihrer persönlichen Anliegen ist es, Frauen Mut zu machen. Eine Frauenbeauftragte sei sie aber nicht, stellt sie klar. Die wirke nur innerhalb eines Unternehmens; ihr Fokus ziele jedoch nach außen auf die ganze Stadt.

Die Schwerpunkte ihrer Arbeit orientieren sich an den Bedürfnissen in Hoyerswerda. Da wäre einmal die Alterstruktur: „Der Altersdurchschnitt beträgt hier etwa 55 Jahre.“ Hinzu kommen überdurchschnittlich viele Hartz IV-Empfänger.

Wer auch immer an Angela Donaths Bürotür klopft, bekommt geholfen. An manchen Tagen geben sich die Leute die Klinke in die Hand. Da wäre zum Beispiel der Mann mit dem Konto im Minus, den sie zur Schuldnerberatungsstelle begleitet. Oder: Die ängstliche Frau, die trotz einer Körperbehinderung in ihrem Betrieb schwer schleppt; dabei müsste sie per Gesetz einen anderen Arbeitsplatz bekommen.

„Ich bin die ‚Mutti’, die die Leute an die Hand nimmt.“ Als Mutter von drei eigenen und zwei angeheirateten Kindern weiß Angela Donath natürlich, wie das geht. Dabei seien die Zeiten inzwischen alles andere als kinderfreundlich. Inzwischen Großmutter, merke sie das an ihren Töchtern. „Verflixte Kiste, ich möchte heute keine Kinder mehr haben“, sagt sie. Allein schon beim „variablen Ferientag“ würde sie am Rad drehen. „Eltern müssen Urlaub nehmen, weil die Schulen und Kitas an zwei individuellen Tagen einfach mal zumachen“, erklärt sie das Problem. Bei zwei Kindern in unterschiedlichen Einrichtungen wären das vier Tage „Extra-Urlaub“ pro Jahr. „Solches Zeug kann sich nur ein Mann ausgedacht haben“, spekuliert sie. Frauenfreundliche Gesetze fehlen.

Zwar ist das „schwache“ Geschlecht im Bundestag inzwischen zu einem Drittel vertreten. Politik werde aber immer noch von Männern gemacht. „Das geht schon im Gemeinderat los.“ Doch das muss nicht so bleiben. Frauen sollen sich mehr einmischen, dieses Motto hat sich Angela Donath auf die Fahnen geschrieben. Erst im November vergangenen Jahres stiftete sie bei einer Veranstaltung in Kooperation mit der Herbert-Wehner-Stiftung die 17 teilnehmenden Damen zur Kommunalpolitik an – und zwar erfolgreich. „Am Ende des Workshops wollten sich zwei Teilnehmerinnen aufstellen lassen.“ Eine Emanze sei sie aber nicht, im Gegenteil: „Ich habe einen ganz lieben, tollen Ehemann.“ Nichtsdestotrotz hätte ihr das Leben die Augen geöffnet: „Worauf die Männer selber nicht kommen, das müssen wir Weiber in die Hand nehmen.“

Fast naheliegend, dass „Mama Angie“ auch die Organisation der Frauentagsveranstaltung unter ihren Fittichen hat. Dieses Jahr steht die Leipziger Kabarettistin Anke Geißler auf dem Programm. Für die Veranstaltung am 9. März um 19.30 Uhr im Saal der Kulturfabrik sind noch Restkarten erhältlich.