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| 20:35 Uhr

Update: Billiglohn-Lausitz
Lohnstreit bei Maja-Möbel: Tarifgespräch vorzeitig abgebrochen

 Das Maja-Möbelwerk in Wittichenau ist ein starkes Unternehmen im ländlichen Raum der Lausitz. Die Beschäftigten sind gering bezahlt.
Das Maja-Möbelwerk in Wittichenau ist ein starkes Unternehmen im ländlichen Raum der Lausitz. Die Beschäftigten sind gering bezahlt. FOTO: Rasche Fotografie / Erwin Pottgiesser / Steffen Rasche
Dresden/Wittichenau. Die Verhandlungen um einen Tarifvertrag für die Beschäftigten des Maja-Möbelwerkes Wittichenau (Kreis Bautzen) sind am Dienstag in Dresden fortgesetzt und von der Gewerkschaft vorzeitig abgebrochen worden. Der Arbeitgeber hat kein Angebot vorgelegt. Von Kathleen Weser

Die Verhandlungen um deutlich mehr Geld für die Beschäftigten des Maja-Möbelwerkes Wittichenau sind auch am Dienstag ergebnislos geblieben. Die IG Metall Ostsachsen strebt für die Beschäftigten den Flächentarif der sächsischen Holz- und Kunststoffindustrie an.

Die Maja-Geschäftsführung bedauere, dass die Industriegewerkschaft (IG) Metall das Gespräch vorzeitig beendet habe. Die Fortsetzung sei jedoch geplant. Das hat Unternehmenssprecherin Anette Nachbar am Abend mitgeteilt.

Christian Göbel, Gewerkschaftssekretär und Verhandlungsführer der IG Metall, bestätigt das und betont: Die Tarifgespräche sind ausdrücklich nicht für gescheitert erklärt. Allerdings liege „kein brauchbares Angebot des Arbeitgebers“ vor.

Bei einer Differenz von etwa 30 Prozent zwischen den aktuell gezahlten Löhnen des Möbelherstellers und dem Flächentarif sei auch der Gewerkschaft klar, dass das Grundrauschen im Geldbeutel nicht sofort und auf einen Schlag auf Tarifniveau erhöht werden könne. Eine Angleichung müsse schrittweise erfolgen. „Aber die Löhne, die derzeit etwa auf dem Niveau des Mindestlohnes liegen, in den nächsten drei Jahren um 30 Cent zu erhöhen, ist kein brauchbarer Vorschlag“, stellt Christian Göbel fest. „Eine Lohnangleichung über 15 Jahre ist unrealistisch“, sagt er. „Wir haben dem Arbeitgeber unsere Position klargemacht und erwarten einen Vorschlag, über den es Sinn macht zu sprechen“, so Göbel.

Ein neuer Verhandlungstermin steht demnach noch aus.

„Das Unternehmen hat der Tarifkommission weitere konkrete Vorschläge unterbreitet“, sagt indes Anette Nachbar. Welche, erklärt sie nicht. Es bleibe das Ziel von Maja-Möbel, „eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige tarifliche Lösung zu erzielen, die die Arbeitsplätze und den Standort Wittichenau langfristig sichert“, versichert sie. Das Unternehmen bleibe weiterhin gesprächsbereit.

Bei Einführung des Flächentarifes würden die Löhne und Gehälter bei Maja-Möbel um gut ein Viertel steigen. Das macht bis zu 600 Euro aus. Zudem gäbe es mehr Urlaub für die etwa 600 festangestellten Beschäftigten und auch Verbesserungen für die Leiharbeiter. Derzeit liegt das Maja-Entgeltniveau beim Mindestlohn, der im Januar deutschlandeinheitlich auf 9,19 Euro pro Stunde angehoben worden ist (Zuvor: 8,84 Euro brutto, ab 2020 sind mindestens 9,35 Euro pro Stunde zu zahlen).

Das Maja-Möbelwerk in Wittichenau ist 1990 gegründet worden, heute ein Unternehmen der Vivonio Furniture Group und europaweit der größte Hersteller von lackierten Mitnahmemöbeln für den Selbstaufbau von Ikea.

Gewerkschafter Christian Göbel betont, 30 Jahre nach der Wende sei nicht akzeptabel, „dass Ostsachsen für Löhne arbeiten, die nicht zum Leben reichen“. Die geltenden Tarifverträge der einzelnen Branchen seien unter Berücksichtigung der Markt- und Wettbewerbssituation ausgehandelt und die Löhne keine unrealistische Forderung. „Die Mitarbeiter der Unternehmen wollen eine faire Bezahlung. Aber auch andere Themen wie Freizeitausgleich und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind zu berücksichtigen. Das ist auch bei Maja-Möbel keine unlösbare Situation“, sagt Christian Göbel – bereit für weitere Gespräche, aber auch einen Arbeitskampf.