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Mädchen verbal unsittlich entblößt

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Hoyerswerda. Sichtlich erleichtert und entsetzt zugleich verlassen die Eltern eines Mädchens aus Schwepnitz gestern das Amtsgericht Hoyerswerda. Der arbeitslose Koch, der der Tochter des Paares vor zwei Jahren in WhatsApp-Nachrichten ausschweifend seine sexuellen Fantasien beschrieben und die damals Neunjährige zu einem Treffen veranlassen wollte, ist wegen sexuellen Missbrauches des Kindes zu neun Monaten hinter schwedischen Gardinen verurteilt worden. Kathleen Weser

Die Haftstrafe ist zur Bewährung ausgesetzt. Denn die Weste des beschuldigten Ehemannes und Vaters von drei Kindern war zuvor - bis auf gesühnte Verkehrsdelikte - absolut weiß.

Bei dem unscheinbar wirkenden Mann aus Hoyerswerda hatte die Polizei im Zuge der Ermittlungen zudem drei Smartphones mit Videoclips gefunden, die auch Geschlechtsverkehr von Erwachsenen mit Minderjährigen zeigten. Auch die Tatvorwürfe des Besitzes und der Weitergabe pornografischer Schriften mit erzwungenen sexuellen Handlungen von Kindern hat René R.* vor dem Kadi "voll umfänglich eingeräumt". Damit ersparte er dem Opfer die Aussage vor Gericht. Der Angeklagte schildert, er habe die Handy-Nummer des Mädchens von einem Kumpel bekommen. Über mehrere Wochen seien Nachrichten ausgetauscht worden - ausschließlich schriftlich über WhatsApp, persönlich sei weder ein Gespräch noch ein Treffen erfolgt. Die Korrespondenz habe lange nicht darauf schließen lassen, dass Sabine A.* noch ein Kind sei. "Ich habe erst später gemerkt, dass sie minderjährig ist", erklärt der Hoyerswerdaer. Dies ist aber deutlich vor der ausschweifenden Schilderung via Handy-Datentransfer gewesen, in der René R. das Mädchen verbal bis ins unsittliche Detail entblößt und missbraucht hatte. Auch das gibt er zu.

Die taffe Schülerin hat den Mann, der sich ihr als Jugendlicher vorgestellt hatte, per Nachricht zur Rede gestellt und sich jeden weiteren Kontakt seinerseits sofort verbeten. Dem hat René R. auch Folge geleistet, was Strafrichter Bosco Näther im Urteil dann auch strafmildernd berücksichtigt hat.

Die besorgten Eltern des Mädchens sind stolz auf ihr couragiertes Kind. Und Sabine, die sich des lästigen Mannes schon entledigt hatte, hat auch einen Weg gefunden, sich das Erlebte von der Seele zu reden - und die Strafverfolgung damit ins Rollen gebracht. Die Schülerin hat sich einem guten Freund anvertraut. Der hat das richtig interpretiert, mit seiner Mutter gesprochen - die sich wiederum an die Mutter des Mädchens gewendet hat. "Unsere Tochter hatte verständlicher Weise auch Angst und Scham, mit uns zu sprechen", bestätigt Elke A.*, die Mutter des Opfers. "Aber sie weiß, dass wir Eltern uns kennen und natürlich miteinander reden", stellt sie fest. So sei das Unfassbare ans Licht gekommen. Die Schwepnitzerin, die selbst als Leiterin einer Jugendeinrichtung im Landkreis Bautzen - und hier auch mit Missbrauchsopfern - arbeitet, hat keine Sekunde gezögert und das Handy der Tochter zur Polizei gebracht. Auf einem Bild, das René R. dem Mädchen geschickt hatte, wurde er erkannt. Das Foto war zwar deutlich älteren als aktuellen Datums. Aber zweifelsfrei ist er als der Mann erkannt worden, der im Arbeitsumfeld seiner geringfügig beschäftigten Frau in einer Kinder- und Jugendeinrichtung als freiwilliger Helfer offensichtlich auch die Nähe von Kindern sucht.

René R.* zeigt sich reuevoll. Er sei bereit, eine Therapie zu machen.

Zur Bewährungsauflage macht der Richter dies nicht. Aus unfassbarem Grund, wird im Gerichtssaal klar: Es ist äußerst schwierig, ja erscheint fast unmöglich, in der Region überhaupt einen Platz zu finden. Der derzeit nicht mobile, nunmehr verurteilte Mann ist auch im weiteren Umfeld eigenen Angaben zufolge nicht fündig geworden.

Dass der Hoyerswerdaer sein primäres sexuelles Interesse an Kindern, die noch nicht die Pubertät erreicht haben, allein in den Griff bekommen kann, bezweifeln die Eltern des Opfers. Die pädophile Neigung bleibe ohne professionelle Hilfe eine Gefahr, befürchten sie.

*Namen geändert