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| 01:34 Uhr

Lutki-Kompanie aus Ton im Schloss

Viele Spuren hinterlassen: Die sorbische Künstlerin Wórsa Lancyna gestaltete unter anderem die Stele vor dem ehemaligen Wendischen Ballhaus in Hoyerswerda.
Viele Spuren hinterlassen: Die sorbische Künstlerin Wórsa Lancyna gestaltete unter anderem die Stele vor dem ehemaligen Wendischen Ballhaus in Hoyerswerda. FOTO: Fotos: MK
Von den Lutken, den Heinzelmännchen der sorbischen Sagenwelt, heißt es, sie seien den Menschen freundlich gesinnt. Zur Ausstellung „Sagenhaftes – Begegnungen mit Mittagsfrau, Wassermann und anderen geheimnisvollen Gesellen” im Hoyerswerdaer Schlossmuseum hat die sorbische Künstlerin Wórsa Lancyna (Eva Ursula Lange) gleich eine ganze tönerne Lutki-Kompanie geschickt. Von Mirko Kolodziej

"Ich mag die Guten”, sagt die 79-Jährige aus Baruth. "Den bösen Schwarzen Müller habe ich nur einmal gemacht”, entsinnt sich Wórsa Lanzyna. Ein Berliner habe eine getöpferte Schwarze Mühle gewollt. Krabat dagegen, der gute zaubernde Müllerbursche, entsteht unter ihren Händen seit mehr als einem Jahrzehnt mindestens einmal jährlich in Ton. Der See- und Tauchsportclub Knappenrode lässt ihn sich in Baruth jedes Jahr als Trophäe für seinen Krabat-Pokal anfertigen. Er sieht immer gleich aus, etwa so, wie er auch im Schloss Hoyerswerda steht. Allerdings sind jedes Mal kleine Details verändert.
"Ich habe immer gebastelt und gezeichnet, schon von Kind auf”, sagt die in Bautzen aufgewachsene Künstlerin. Die Töpferlehre in Görlitz, das Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag sowie der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig waren folgerichtig. Wórsa Lancyna arbeitete dann als Gestalterin im Verlag Volk und Wissen sowie beim Domowina-Verlag und ist seit 1962 freischaffend als Keramikerin, Grafikerin und Zeichnerin tätig. An 55 Ausstellungen hat sie sich inzwischen beteiligt, etwa die Hälfte davon bestückte sie allein. Zum 80. Geburtstag ehrt sie das Wendische Museum in Cottbus ab 13. Juni mit einer Schau, die ihre Arbeit als Gestalterin in den Vordergrund rückt.
Wórsa Lancyna hat ihre Spuren hinterlassen. So gestaltete sie einen Wandfries für die "Knappenhütte” in Knappenrode oder die Stele, die vor dem ehemaligen Wendischen Ballhaus in Hoyerswerda an die Gründung des Sorben-Dachverbandes Domowina erinnert. Die Plastik entstand in einem vom Verband Bildender Künstler zur Verfügung gestellten Atelier in Bad Liebenwerda. "Viele, die Großaufträge hatten, haben dort gearbeitet”, erinnert sich Wórsa Lancyna. 3,50 Meter sind so leicht nicht zu handhaben. In Liebenwerda standen Kräne zur Verfügung.
"Was denken Sie, wie schön das ist, mit den Händen zu formen.” Diese Freude muss sich auf die im Schloss ausgestellten Arbeiten übertragen haben. Selbst der Drache scheint zu lächeln. Nur die Mittagsfrau und die bösen Waldfrauen gucken ganz grimmig. Ein Pumpot sitzt keck auf einem Doppelgefäß für Knabberzeug und ein Krabat hat eine Stifthalter-Kiepe auf dem Rücken. "Ich mache gern etwas mit Funktion. Das ist mir lieber als Nippes”, erklärt Wórsa Lancyna, der die Ausstellung im Schloss gut gefällt: "Ich freue mich über die liebevolle und informative Gestaltung.” Besonders angetan haben es ihr die Sagen-Puppen von Regina Herrmann, sogar die Waldfrauen. Und die sind den Menschen nun wahrlich nicht sehr freundlich gesinnt.

Hintergrund Die Ausstellung
 "Sagenhaftes - Begegnungen mit Mittagsfrau, Wassermann und anderen geheimnisvollen Gesellen” - bis 20. Juli im Schlossmuseum Hoyerswerda, dienstags bis sonntags jeweils von 9 Uhr bis 18 Uhr.