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| 02:40 Uhr

Lust auf die (Stadt)Geschichte wecken

Schubladen öffnen und Geschichte interaktiv entdecken: Das neue "Erlebnisreich" ist eröffnet.
Schubladen öffnen und Geschichte interaktiv entdecken: Das neue "Erlebnisreich" ist eröffnet. FOTO: mdr1
Hoyerswerda. Das neue "ErlebnisReich" im Schloss ist eröffnet. Ab sofort können die Hoyerswerdaer ihre Regional- und Stadtgeschichte in einem interaktiven Areal erobern. Zum Eröffnungswochenende locken Zoo und Schloss mit einer besonderen Gutschein-Aktion. Mandy Decker / mdr1

Kommunalpolitiker, Partner des Museums und andere geladene Gäste haben sich bereits am Donnerstagabend einen ersten Eindruck von der vollendeten Ausstellung verschafft. "Ich sehe hier ungeheuer viel Potenzial für die Arbeit an unseren Schulen", sagt Katharina Michelfeit, Leiterin des Lessing-Gymnasiums in Hoyerswerda. "Und zwar nicht nur im Fach Geschichte, sondern auch in Geografie", ergänzt sie. Die Beschreibung der Erzgewinnung könne auch den Chemieunterricht bereichern. Und die Beschreibung des kommunikativen Geschicks der Katharina von Teschen lehre die Kinder den Einfluss von Handel und Gewerbe auf die Stadtentwicklung. Besonders die unteren Klassen könnten an Schul-, Projekt- und Wandertagen von diesem ganzheitlichen Museumskonzept profitieren, sagt die Schulleiterin erfreut.

Den notwendigen Platz für neugierige Forschergruppen bietet die große Sitztreppe im Ausstellungsraum, auf der 20 bis 30 Besucher Platz nehmen können.

Das "ErlebnisReich" sei quasi der Prolog zur insgesamt neu zu gestaltenden Dauerausstellung, die in drei weiteren Teilbereichen fortgeschrieben wird, erklärt Planerin Annegret Hänsel von der Agentur Unikatum Leipzig, die das Hoyerswerdaer Konzept maßgeblich begleitet hat. Sinnstiftend liegt jedem eintretenden Besucher der Ausstellung eine große Zeitspirale zu Füßen. Von der Antike bis zur Gegenwart erzählt das schneckenförmige Abbild die Geschichte der Menschheit, die sich später in den lokalen Exponaten bis auf die Stadtgeschichte herunterbricht. Kinder im Alter ab fünf Jahren können diese schon gut verstehen, wenn sie ein Erwachsener auf dem Weg begleitet, schätzt Annegret Hänsel ein.

Die Mitarbeiter des Museums hoffen, eine kleine Schallmauer durchbrechen zu können. 123 000 Besucher haben im Jahr 2014 den Hoyerswerdaer Zoo besucht. Vergleichsweise "nur" 25 700 Gäste fanden trotz der gültigen Eintrittskarten den Weg zu den Ausstellungen im Schloss. 30 000 Besucher aber gelten im Kulturraum als "magische Grenze" zum Status eines wirklich erfolgreichen Museums in der Größenordnung von Hoyerswerda. Diesen kleinen aber feinen Schritt möchte das Team nun schaffen. Insgesamt 160 000 Euro sind in den Bereich in der ersten Etage investiert worden. 74 800 Euro steuerte der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien bei. Der Rest kam aus Eigenmitteln der Zookultur GmbH.

Zwei Jahre wurden die Inhalte aus der Fülle der Hoyerswerdaer Geschichtsforschung komprimiert und in kindgerechte Präsentationen übersetzt. Lobend erwähnt die wissenschaftliche Leiterin Elke Roschmann in diesem Zusammenhang die Aufgeschlossenheit der großen Museen, die mit Rat und Tat sowie unkomplizierten Genehmigungen und vertretbaren Gebühren jede mögliche Unterstützung geleistet haben.

Der kindgerechte Zugang zu Informationen sei wunderbar gelungen, findet CDU-Stadtrat Martin Schmidt. Bei genauerer Lektüre aber seien kleine Ungenauigkeiten zu verzeichnen. So hätte zum Beispiel der Sechs-Städte-Bund vollzählig beschrieben und neben dem älteren auch der jüngere Theophilus Lessing eine Erwähnung finden sollen, merkt der frühere Dezernent für Kultur und Bildung an.

Doch die Texte sollten nicht zu groß werden und für Kinder verständlich bleiben, sagt Museumspädagogin Diana Schönig. Elke Roschmann erinnert sich in diesem Zusammenhang an die Aufgabe, eine fünfzeilige Bildunterschrift zum Hoyerswerdaer Schloss entwickeln zu müssen. Die gebotene Kürze sei mitunter die schwierigste Aufgabe gewesen.

Nach dem Umbau ist vor dem Umbau. Der Antrag für das "LehrReich", das direkt gegenüber dem "ErlebnisReich" entstehen wird, läuft bereits, sagt Zookultur-Geschäftsführer Arthur Kusber. Der Umbau könnte nach den Herbstferien beginnen. Im Lehrreich wird sich die Geschichte von Hoyerswerda vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Stadtumbau der Gegenwart spiegeln. Die Darstellung noch laufender Prozesse wird dabei eine besondere Herausforderung sein, erklärt Annegret Hänsel.

2017 wird wieder Ruhe im Schloss einziehen, denn dann stünde erst einmal der Zoo auf der Investitionsliste, so Kusber. Die beiden weiteren Areale "ErinnerungsReich" und das "RuhmReich" werden nicht vor 2018 in Angriff genommen. So bleibt das Schlossmuseum noch für eine kleine Weile nicht nur lebendiges Dokument der Stadtgeschichte, sondern auch Zeuge der Entwicklung von sich ändernder Museumskultur. Gutscheinaktion zum Eröffnungswochenende im Stadtmuseum: Für Besucher gilt der am 16. und 17. Januar bezahlte Eintritt in voller Höhe als Gutschein für das Zoorestaurant "Sambesi"