| 00:00 Uhr

44-Jähriger aus Bautzen angeklagt
Amtsgericht bringt den Lügendetektor zum Einsatz

Bautzen. Im Strafverfahren gegen einen wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes angeklagten Mann (44) aus Bautzen wird am Dienstag ein Lügendetektor-Test in den Prozess vor dem Amtsgericht eingebracht.

Das bestätigt Gerichtssprecher Dr. Dirk Hertle.

Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, der damals neunjährigen Tochter der Lebenspartnerin seines Bruders vor vier Jahren mit seinen Fingern an die Vagina gefasst zu haben. Der Mann bestreitet das.

Die Familie des Opfers lebt in der Schweiz. Die dortigen Behörden hatten für ein Glaubwürdigkeitsgutachten für das Kind allein Kosten von bis zu 25 000 Schweizer Franken aufgerufen. Deshalb war darauf verzichtet worden.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung in Deutschland haben nun für die Hauptverhandlung auf freiwilliger Basis des Angeklagten den Polygrafentest angeordnet. Eine Rechtspsychologin aus Köln reist dafür an.

Das Amtsgericht Bautzen hatte bereits im Jahr 2013 in einem bundesweit bekanntgewordenen Verfahren einen Polygrafentest von der Expertin als Beweismittel eingeführt. Damals war allerdings der Test im vorgeschalteten Familienverfahren angeordnet worden; die Einführung in das Strafverfahren erfolgte allein durch Vernehmung der Gutachterin als sachverständige Zeugin.

Der Angeklagte wurde damals freigesprochen. Denn es hatte schließlich erhebliche Zweifel an dem Vorwurf gegeben, dass er seine Frau in der Ehe vergewaltigt haben soll. Erstmals war damals in Deutschland ein Polygrafentest in einem Strafverfahren zugelassen worden. Unter Laborbedigungen wurden die vier Parameter Haut, Puls, Blutdruck und Atmung dokumentiert. Der Test darf nach wie vor nur zur Entlastung von Angeklagten erfolgen, das Gericht hat das Ergebnis lediglich als Indiz, nicht als Beweis zu bewerten.

In dem Missbrauchsverfahren geht das Amtsgericht Bautzen einen Schritt weiter: Der Polygrafentest ist als Sachverständigengutachten angeordnet. Das Gericht wird im Rahmen der Erörterung nochmals die Grundsätze erläutern, nach denen die Anwendung eines Polygrafentests im Strafverfahren überhaupt möglich ist. Für die Dauer der Vernehmung des Kindes werden die Zuhörer des Saales verwiesen.

(kw)