| 17:09 Uhr

Ludwig setzt auf die Lausitz

Heiko Koppelt aus Bernsdorf ist CNC-Maschinenbediener und kontrolliert in den Produktionshallen gerade einen Leuchtenkörper. An seinem Arbeitsplatz werden die Leuchtenkörper gestanzt und gekantet.
Heiko Koppelt aus Bernsdorf ist CNC-Maschinenbediener und kontrolliert in den Produktionshallen gerade einen Leuchtenkörper. An seinem Arbeitsplatz werden die Leuchtenkörper gestanzt und gekantet. FOTO: Sascha Klein
Bergen. Noch läuft die Produktion bei Ludwig Leuchten im Gewerbegebiet Bergen halbwegs geräuschlos. Doch das wird sich bald ändern. Denn der Leuchtenhersteller mit Stammsitz im bayerischen Mering bei Augsburg konzentriert seine komplette Produktion in der Lausitz. Sascha Klein

"Unser derzeitiger Plan ist, die Produktion in Mering Ende 2017 einzustellen", sagt Björn Erik Duhme, Leiter Organisation und IT und ab 1. August 2017 Produktionsleiter bei Ludwig Leuchten. Ab 2018 werden dann auch Spezialleuchten in der Lausitz gefertigt. Zuvor will Ludwig Leuchten seine 64 Mitarbeiter in Bergen intensiv schulen und somit auf die neuen Aufgaben vorbereiten. Die erste große Herausforderung für den Mittelständler: Im August soll die erste Maschine von Schwaben nach Sachsen umgelagert werden.

Der Leuchtenhersteller reagiert mit der Konzentration seiner Produktion nach Bergen auf den zunehmenden Kostendruck in der Branche. Viele Wettbewerber produzierten in Fernost. "Wir wollen aber weiterhin ,Made-in-Germany' bleiben", betont Duhme. Also trennt sich das Unternehmen am Stammsitz in Bayern von rund 80 Mitarbeitern und will in der Lausitz 15 bis 17 Arbeitsplätze zusätzlich schaffen. Ein erstes Gespräch mit Arbeitsagentur und Jobcenter in Hoyerswerda sei sehr positiv gewesen, erklärt Duhme.

Ein Spezialgebiet von Ludwig Leuchten, das einen Großteil des Umsatzes bringt, sind Oberflächenkontrollleuchten für die Automobilindustrie. Diese speziellen Leuchten, mehrere Meter breit und rund drei Meter hoch, zeigen Lackschäden bei Autos an. Ebenso gefragt seien Reinraumleuchten für Krankenhäuser und die Pharma- und Chemieindustrie. Darüber hinaus produziert das Unternehmen verschiedenste Lichtlösungen für Bürogebäude, Industrie und Gewerbe sowie Schulen. Nach der Restrukturierung bleiben nur Verwaltung, Vertrieb, Innendienst, Produktentwicklung und Konstruktion in Mering. Aktuelle Umsatzzahlen will das Unternehmen nicht nennen, da der Jahresabschluss noch nicht veröffentlicht ist.

Das Besondere am Standort Bergen: Ludwig Leuchten kooperiert mit den Lausitzer Werkstätten. Rund 60 Menschen mit Behinderungen arbeiten beim Lichtexperten mit und werden, je nach Grad ihrer Beeinträchtigung, eingesetzt. Wie viele Werkstätten-Mitarbeiter dazukommen, ist laut Duhme noch offen.

Neue Produktionshallen braucht Ludwig Leuchten in Bergen nicht, sodass die Investitionskosten sehr gering sind, so Björn Erik Duhme. Das Unternehmen wolle jedoch Produktionsprozesse anpassen und einzelne Produktionsschritte innerhalb ihrer Räumlichkeiten verändern.

Zum Thema:
Das Unternehmen produziert seit fast 70 Jahren technische Beleuchtungen für Industrie und Handel und ist ein klassisches Familienunternehmen. Seit 25 Jahren ist Ludwig Leuchten auch am Standort Bergen bei Hoyerswerda zu Hause.Unter anderem hat Ludwig Leuchten das Allianz-Gebäude und die BMW-Zentrale in München ausgestattet, die Europäische Zentralbank in Frankfurt, das Terminal 2 des Münchner Flughafens, die Metrostationen der Nord-Süd-Linie in Amsterdam sowie die UNO-City in Wien.