Von Sascha Klein

LR vor Ort in geschichts- und geschichtenträchtigen Räumen: der Baustelle der künftigen Hoyerswerdaer Oberschule. Mit dabei ist auch Frank Niemtz. Der Hoyerswerdaer, der in Nachbarschaft der Schule im Hoyerswerdaer WK I wohnt, hat ein ganz besonderes Verhältnis zum alten Zuse-Gymnasium. Er hat das Haus aus dem Jahr 1958 vor rund 15 Jahren vor dem Verfall retten wollen – als einer der Gründer des Vereins „SuB-Versionen“. Geklappt hat das einst jedoch nicht. Niemtz ist froh, dass das historische Gebäude – es ist die erste Schule der Hoyerswerdaer Neustadt – jetzt wieder Schule wird.

Drinnen sieht es nach richtig viel Arbeit aus. Bauingenieur Thomas Gröbe steht in der alten Aula, die künftig Aula, musischer Bereich und Bürgersaal werden soll, und spricht auch zu Experten. Mit dabei bei der RUNDSCHAU-Aktion: Studenten der Universität Kassel. Die angehenden Stadtplaner sind in dieser Woche in Hoyerswerda unterwegs. Denn: Die Stadt ist in diesem Semester ihr Praxisthema. Also haben sie sich der Führung über die Baustelle angeschlossen.

Die Schule hat drei Pavillons, ein Hauptgebäude und künftig den Neubau. Einen Pavillion bekommt das „Produktive Lernen“, eine Spezialausbildung, die es bislang nur an der Oberschule „Am Stadtrand“ gibt. Im mittleren Pavillon wird Hauswirtschaft und Werken untergebracht. Im dritten Pavillon entstehen Klassenräume und ein großer Bereich für Informatik. Im Hauptgebäude (Erdgeschoss) sind die Lehrküche sowie Verwaltungsräume – Räume für Schulleitung, Sekretariat und Lehrerzimmer. Im Obergeschoss werden Fachräume für Biologie, Chemie und Physik sein. Im Verbindungsbau (unten) bekommen Schüler- und Elternsprecher sowie Sozialpädagogen ihre Zimmer. Im Obergeschoss ist die Mediathek. Im Neubau werden fünf Lernlandschaften entstehen, mit Klassen- und Gemeinschaftsräumen. Zudem sind dort der Kunstbereich, Mensa und Caféteria. Um- und Neubau kosten rund 13 Millionen Euro. Der Großteil stammt aus Fördermitteln. Der städtische Anteil liegt laut Hoyerswerdas Fachdezernent Bau Dietmar Wolf bei rund vier Millionen Euro.

Eine Besonderheit: Der Altbau steht unter Denkmalschutz – für Thomas Gröbe Herausforderung und Schwierigkeit zugleich. „Diese Schule ist keine Klassenraumburg, sondern hat eher die Form eines Campus“, sagt er. „Die Form war Ende der 50er-Jahre sehr fortschrittlich.“

Was die Planer bedenken müssen: Klassenräume müssen in Sachsen zwischen 62 und 65 Quadratmeter groß sein, erklärt Gröbe. Beim Bau der Schule 1958 seien Maße von rund 50 Quadratmetern normal gewesen. Inzwischen – so beim Neubau – sind Klassenräume mindestens 70 Quadratmeter groß.

Wie die Schule wächst, beobachtet auch Robby Balzer mit großem Interesse. Der Hoyerswerdaer hat diese Schule zwischen 1963 und 1973 besucht. Jetzt ist er bei LR vor Ort dabei. Er schaut aus dem Neubau, dort war früher die Turnhalle, auf einen Pavillon und macht Fotos mit seiner Handykamera. „Es ist toll, das mal zu sehen“, sagt er. Er ist froh, dass seine alte Schule wieder saniert und erweitert wird.

Gut erinnern kann sich Robby Balzer auch an das große Wandbild in einem Treppenhaus: Pionier und Friedenstaube. Während der Bauarbeiten ist es abgedeckt, damit es nicht beschädigt wird. Wenn die Schule fertig ist, soll es wieder zu sehen sein – ein Stück Geschichte. Nahe des Treppenhauses war einst ein Trinkbrunnen, im anderen Treppenhaus ein zweiter. „Einen der Brunnen wollen wir originalgetreu wieder herstellen“, sagt Thomas Gröbe. Dieser werde aber nicht mehr sprudeln – aus Hygienegründen. Im restlichen Schulhaus soll es aber ein bis zwei moderne Brunnen geben, aus denen auch getrunken werden kann.

Rüber in den Neubau, in den Rohbau einer neuen Lernlandschaft: Die Raumeinteilungen sind bereits zu erkennen. Zum WK I hin ist eine riesige Fensterfront geplant. Thomas Gröbe: „Vorgabe ist, dass in einem Schulbau zehn Prozent Glasflächen sein müssen.“ Also können die Anwohner im ersten Neustadt-Wohnkomplex ab dem Schuljahr 2020/21 – dann sollen die ersten Schüler einziehen – den Jugendlichen beim Büffeln durch das große Fenster zuschauen. Es wird nicht die einzige Umstellung für Eigentümer und Mieter sein, die seit Mitte 2002 dort die Ruhe schätzen: „Die Anwohner müssen sich daran gewöhnen, dass dort dann wieder eine Schule ist“, sagt Thomas Gröbe.