Von Anja Hummel

Der Kollege im Büro nebenan hämmert mächtig in die Tasten. So schnell wie die Gedanken im Kopf herumfliegen, will er sie auch heruntertippen. Sascha Klein schreibt gerade den Aufmacher des Tages. Es gibt neue Pläne für das letzte Gustloff-Tenderboot, die „Seabreeze“ am Geierswalder See. Der Beitrag wird am nächsten Tag mit passendem Foto auf der ersten Seite des Hoyerswerdaer Lokalteils zu lesen sein. Viel eher noch – nämlich sobald der Kollege mit dem Schreiben fertig ist – geht der Text online.

Plötzlich wird es ruhig im Nachbarbüro. Kollege Klein hört auf zu „hämmern“. Stattdessen tippt er eine Nummer ins Telefon. „Ist der Bürgermeister zu sprechen?“, fragt er in der Elsterheider Verwaltung nach. Er bekommt einen Korb. „Okay, dann versuche ich es später noch mal.“ Vorerst bleibt er ohne Erfolg. Die Stimme vom Bürgermeister braucht er aber unbedingt für den Aufmacher. Kein Grund zur Panik. Es ist kurz vor 13 Uhr, der Tag ist noch lang. Andruck ist erst nach 20 Uhr. Davor wird der Bürgermeister sicher noch Zeit für ein kurzes Telefonat finden.

Zurück auf Anfang: Der offizielle Startschuss für die Arbeit fällt in der Hoyerswerdaer Lokalredaktion morgens gegen zehn Uhr. Es sei denn, es stehen Termine an. So wie heute. Sascha Klein ist unterwegs. Er ist mit Heidelinde Stoermer in der Hoyerswerdaer Stadtbibliothek verabredet. Sie verkündet, was die Einrichtung im laufenden Jahr an Aktionen zu bieten hat. Während Redakteur Sascha Klein die Neuigkeiten außer Haus „einsammelt“, sitze ich am Rechner vor dem Bildschirm. Mails checken und beantworten, neue Termine in den Kalender eintragen, Absprachen zu den Themen für die Printausgabe treffen. Welches Thema ist am wichtigsten? Gibt es Neuigkeiten, die nicht nur Hoyerswerda, sondern die gesamte Lausitz interessieren? Welche Texte liegen vor, welche Beiträge werden aktuell geschrieben? Alles Fragen, die mit dem Blattmacher geklärt werden. Der sitzt in der Senftenberger Redaktion und plant den Aufbau der Zeitungsseiten für den Lokalteil.

Indes in Hoyerswerda, kurz nach 13 Uhr. Zum mittlerweile dritten Mal greift Sascha Klein zum Telefon. Er lacht. Déja-vu: „Okay, ich probier’s in zehn Minuten noch mal“, sagt er. Immer noch kein Durchkommen zum Bürgermeister. Während ich den Hauptbeitrag für die lokale Seite drei schreibe – es geht um die Neuigkeiten in einem Kita-Zwist in Hoyerswerda – klopft es an unserer Eingangstür. „Herein“, rufe ich. Ein Herr mit Krückstock steht mir gegenüber. Es geht um das Rundschau-Abonnement seiner Mutter. Die Zeitung soll künftig nicht mehr bei ihr, sondern in seinem Briefkasten landen. Ein Fall für unsere Service-Mitarbeiter, die in Cottbus sitzen. Wir klären das Problem innerhalb von zehn Minuten am Telefon. Der Bernsdorfer Senior ist gerade zur Tür heraus, da setzt Sascha Klein zu Versuch Nummer fünf an. Bürgermeister? Immer noch Fehlanzeige.

In der Zwischenzeit greife ich zum Hörer. Am Vortag hat es einen Unfall gegeben – Fahrerflucht in Hoyerswerda. Ich frage bei der Polizei nach. Gibt es Neuigkeiten zum Täter? Ja. Er wurde gefasst. Ich stelle weitere Fragen. Der Pressesprecher aus der Görlitzer Polizeidirektion verspricht: Am späten Nachmittag gibt es mehr Informationen. Ich lege auf, die Meldung mit den bisherigen Informationen steht wenige Minuten später im Internet. Sobald die anderen Infos im Postfach sind, wird der Online-Beitrag aktualisiert. Diese Version findet dann auch Platz in der Printausgabe.

Und dann zahlt sie sich doch aus, die Hartnäckigkeit. Anruf Nummer sechs beschert Sascha Klein die Stimme des Bürgermeisters. Der Aufmacher wird fertig geschrieben. Während wir Redakteure telefonieren, neue Termine vereinbaren, auf Terminen sind, Meldungen schreiben und uns überlegen, wie wir Themen wie die aktuelle Karnevalssaison begleiten, passt der Blattmacher die fertigen Texte an die Zeitungsseiten an. Doch selbst wenn alle aktuellen Beiträge fertig sind, ruft nicht unbedingt der Feierabend. Hier eine Stadtratssitzung, dort eine Lesung, da eine Podiumsdiskussion.

Für mich steht ein Abendtermin auf der Kinder- und Jugendfarm an. Start: 19 Uhr. Notizen aufschreiben, Fragen stellen, Fotos schießen, Videoclips für die sozialen Medien drehen. Indes plant Sascha Klein den nächsten Tag. In den Themenplan werden alle anvisierten Beiträge eingetragen. Der Terminkalender am nächsten Morgen ist gut gefüllt: Klimaprojekt am Gymnasium, Vor-Ort-Termin in Knappenrode, Gespräch mit Hoyerswerdas Gleichstellungsbeauftragter und die Planung von LR vor Ort. Für uns Redakteure startet dann ein neuer Tag, der garantiert keinem anderen gleicht.