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Lohsa sucht Urlaubserlebnisse

Die Pyramide am Dreiweiberner See wirbt für sich als "beste Hochzeitslokation im Lausitzer Seenland". Die Einheitsgemeinde Lohsa begibt sich auf die Suche nach ihren touristischen Leuchtturm-Themen.
Die Pyramide am Dreiweiberner See wirbt für sich als "beste Hochzeitslokation im Lausitzer Seenland". Die Einheitsgemeinde Lohsa begibt sich auf die Suche nach ihren touristischen Leuchtturm-Themen. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Lohsa. Am Ende eines mehr als dreistündigen Arbeitstreffens haben sich Touristiker, Unternehmer und Verwaltung auf mehr Zusammenarbeit und mehr Abstimmung bei der Entwicklung von Ideen und Handlungskonzepten verständigt. Kernthemen sollen der Rad-Tourismus, regionale Produkte sowie Krabat und die Sorben und Wenden sein. Mandy Fürst / mft1

Den Startschuss könnte eine gemeinsame Tag-der-offenen-Tür-Tour geben.

Der Tourismus-Stammtisch der Einheitsgemeinde Lohsa ist wieder belebt worden. Fand er früher einmal im Jahr statt, war er eingeschlafen. Für Montag aber hatte Bürgermeister Thomas Leberecht (CDU) die Gastgeber aus seinem Verantwortungsbereich wieder einmal zusammen gerufen, um mit ihnen nach Kernthemen für die touristische Vermarktung von Lohsa zu suchen. Knapp 20 Unternehmer und Vertreter regionaler Gastro- und Freizeitanbieter, aber auch einige Camper vom Silbersee waren der Einladung ins Rathaus gefolgt. Der Abend wurde länger, als gedacht.

Der erste Tagesordnungspunkt war "Vorstellung und Information des Sorbischen Kulturtourismus e.V." überschrieben. Projektkoordinatorin Ines Kunzendorf sprach über Möglichkeiten und Grenzen der Unterstützung des Tourismus durch den in Schleife ansässigen Verein, die sich aktuell im Wesentlichen auf die Internetpräsenz stützen kann. Printprodukte, wie derzeit im Umlauf befindliche Flyer oder Themen- und Radwanderkarten, seien nicht für eine Neuauflage vorgesehen, so Kunzendorf.

Mehrere der Stammtisch-Gäste kritisieren insbesondere im Hinblick auf die Gründungsmitgliedschaft von Lohsa, heftig das Fehlen der Gemeinde in den Werbe-Produkten des Vereins Sorbischer Kulturtourismus. Das sei aufgrund der Fördermittelbindung bis 2018 vorerst nicht korrigierbar. Zumindest aber werde die Gemeinde für einen Abstecher empfohlen, sagte die Projektkoordinatorin. Sie wies darauf hin, dass der Verein, der unter dem Dach der Domowina organisiert ist, sehr auf einen sorbischen Bezug seiner Partner achte. Lohsa sei "immer so ein bisschen drin, aber nie mit dabei", stellte Maik Herzog, Inhaber des Restaurants "Zum weissen Ross" am Lohsaer Markt, zusammenfassend fest.

Die Konzentration auf die Internetpräsenz sei keine Lösung für die Gäste, die vor Ort sind, lauteten weitere Reaktionen aus dem Unternehmerkreis. Zumal der Zugang zum World Wide Web in der Region stark zu wünschen übrig ließe. Mancher gehe gar in den Wald, nur um mobil telefonieren zu können. So wie die Situation im Moment sei, könne Lohsa sich quasi für "Entzugswochen vom Internet" touristisch vermarkten, so eine Anmerkung aus dem Zwischenreich von Satire und Resignation. Was die Internetverbindung angehe, werde sich bis 2019 einiges tun, kündigte Thomas Leberecht vor dem Hintergrund der vom Landkreis ausgerufenen Offensive für den Breitbandausbau an.

Bei aller Problematik dürfe man sich aber nicht nur auf andere verlassen, mahnte der Krabat-Darsteller und offizielle Botschafter für die Lausitz Wolfgang Kraus. Er gab Jens Kieschnick recht, der aus Sicht des Krabat Dorfclubs und Heimatvereins Groß Särchen von der Erfahrung berichtete, dass Erlebbarkeit nicht im Ehrenamt herzustellen sei. Es müssten sich seiner Ansicht nach kleine Gruppen von Leuten zusammenfinden, die auch tatsächlich vom Tourismus leben wollen, riet Wolfgang Kraus. Krabat sei das Pfund, mit dem Lohsa noch viel stärker wuchern müsse. Und auch die Sorben seien für die Region ein Geschenk.

Maik Herzog regte an, die Kartbahn in Verbindung mit dem Motorrad-Parcours am Dreiweiberner See als Highlight für Familien mit Kindern zu betrachten und zu bewerben. Das Freibad hätte einen touristischen Anziehungswert gehabt, der leider aufgegeben wurde, bedauerte Reinhardt Schneider. Der Förderverein der Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus, dessen Vorsitz Reinhardt innehat, habe sich mit seinen Informationsangeboten in tschechischer, polnischer, sorbischer und deutscher Sprache längst auf nationale und internationale Gäste eingestellt. Nur am Englischen fehle es aus der Platz- und Finanznot heraus, räumte Schneider ein.