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Logistische Meisterleistung für Insel-Sicherung

100 000 Kubikmeter Erde werden bis August am Westufer des Knappensees bewegt. Das entspricht dem Inhalt von 333 voll beladenen Abraumzügen mit je 15 Waggons. „Eine enorme Menge“ , sagt Jürgen Nagel von der LMBV. Er ist Projektleiter für die Sanierung des Knappensees. Ziel der Arbeiten, die gestern begonnen haben: Die akut rutschungsgefährdete Insel soll unzugänglich gemacht werden. Um ein Betreten zu verhindern, wird vom See aus auf der Länge von 900 Metern ein 30 Meter breiter und bis zu dreieinhalb Meter tiefer Graben ausgehoben. Von Martina Hanold

Morgens um kurz nach acht Uhr herrscht Stress an der B 96 zwischen Maukendorf und Größ Särchen. Schweres Gerät ist aus allen Teilen Deutschlands angerückt. Ein Schwerlastkran aus Potsdam und ein Radlader mit riesigen Schwimmpontons aus Sachsen-Anhalt. Nur die drei riesigen Schuten mit einer Tragfähigkeit von jeweils 57 Tonnen lassen noch auf sich warten. Bereits gestern Nacht haben sich die 4,50 Meter breiten und 23 Meter langen Behälter als Schwerlasttransport aus Hamburg auf den Weg ins Lausitzer Seenland gemacht.
Um 9 Uhr erreicht Bauleiter Kay Emus die schlechte Nachricht. Die Transporter mit den Schuten werden in Cottbus von der Polizei aufgehalten. „Das wird knapp“ , sagt er. Denn der Zeitplan ist eng gestrickt. Die voll gesperrte B 96 soll bis zum Nachmittag wieder befahrbar sein. Einige Telefonate später kommt die Entwarnung von Jürgen Nagel: die Schuten sollen im Lauf des Nachmittags eintreffen.
In der Zwischenzeit sind Arbeitsboote und die Schwimmpontons ins Wasser gelassen worden. Auf je drei der Pontons werden die beiden Bagger befestigt, die vom Wasser aus in den nächsten Monaten das Ufer abtragen werden. 1,7 Hektar Wald sind dort zur Vorbereitung seit Februar gerodet worden. Dass die Bagger nicht von Land aus arbeiten, habe mehrere Gründe, erklärt Jürgen Nagel. Zum einen soll der Verkehr auf Bundesstraße und Radweg nicht beeinträchtigt werden. Zum anderen könnten starke Belastungen vom Ufer aus den setzungsfließgefährdete Böschung ins Rutschen bringen. Denn das Ufer bestehe zum Teil aus unverdichteten Kippensanden. „Ein geringes Initial kann hier bereits eine Rutschung auslösen“ , so Nagel. Für die Männer der Firma ETK aus dem sachsen-anhaltinischen Theißen, die die Arbeiten im Auftrag des Sanierungsträgers LMBV durchführen, bedeutet das, höchste Vorsicht walten zu lassen. Zwei Mitarbeiter sind nur damit beauftragt, die Böschung und die Technik zu beobachten. „Hier geht es um die Sicherheit“ , erklärt Jürgen Nagel.
Diese grundsätzlich am Knappensee zu erhöhen, ist Ziel der Sanierungsarbeiten. Denn trotz zahlreicher Warnschilder mit der Aufschrift „Betreten verboten - Lebensgefahr“ hätten vor allem Angler die Knappensee-Insel weiter genutzt. Durch den Grundwasserwiederanstieg sei die Insel in den vergangenen Monaten noch gefährlicher geworden. Bislang trennen Insel und Ufer ein etwa vier Meter breiter Graben mit einer Tiefe von weniger als einem halben Meter. Dass dieser kein Hindernis darstellt, beweist ein Trampelpfad, der sich auf der Insel fortsetzt. Dieser Überweg soll nun als erstes bis Anfang Juni abgebaggert werden. „Damit schalten wir die größte Gefahrenquelle aus“ , kündigt Nagel an.
Bis August werden sich diebeiden Schwimmbagger am Ufer vorarbeiten und den Rest der Erdmassen abtragen, die von den Schuten in der Mitte des Sees abgeladen werden. Für den Tourismus am Knappensee werde es keine Einschränkungen geben, betont Nagel. Nur im August werde die B 96 noch einmal gesperrt. Dann, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind und Schwimmpontons und Schuten ihren langen Heimweg nach Theißen und Hamburg antreten.