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| 11:26 Uhr

Nardt
Loch-Ärger für die Modellflieger

Dietmar Morgenstern, Sprecher der Sektion Modellflug beim Aeroklub Hoyerswerda, zeigt eines der Löcher. Vermutlich haben Schatzsucher gut drei Dutzend von ihnen gegraben. Für den Aeroklub ist das ein Problem. Denn: Der Modellflugplatz muss so eben wie möglich sein.
Dietmar Morgenstern, Sprecher der Sektion Modellflug beim Aeroklub Hoyerswerda, zeigt eines der Löcher. Vermutlich haben Schatzsucher gut drei Dutzend von ihnen gegraben. Für den Aeroklub ist das ein Problem. Denn: Der Modellflugplatz muss so eben wie möglich sein. FOTO: Sascha Klein / LR
Nardt. Schatzsucher haben am Flugplatz Nardt Schaden bei den Modellfliegern hinterlassen. Die müssen jetzt Extra-Schichten einlegen, um das Gelände für die neue Saison wieder in Schuss zu bringen. Von Sascha Klein

Dietmar Morgenstern holt seine Kamera-Drohne aus dem Kofferraum, baut sie auf und lässt sie über dem Platz aufsteigen. Er will sich einen Überblick über die Schäden verschaffen. Schäden, die Unbekannte vor einigen Tagen auf dem Gelände des Modellflugplatzes auf dem Areal des Flugplatzes Nardt hinterlassen haben. Die Bilder der Drohne zeigen es: rund zwei Dutzend zum Teil 20 Zentimeter tiefe Löcher im Start- und Landebereich, einige weitere außerhalb der Piste. Morgenstern hat genug gesehen.

Für die Modellflieger ist dieser Schaden sehr ärgerlich. Denn: Sie sind auf eine möglichst glatte Start- und Landebahn angewiesen. Dietmar Morgenstern, der einer der Sprecher der Sektion Modellflug beim Aeroklub Hoyerswerda ist, erklärt: „Einige unserer Mitglieder haben turbinenbetriebene Maschinen. Sie brauchen für Start und Landung die komplette Bahn. Wenn dann ein Loch in der Piste ist, eine Maschine dort hineingerät und sich aufschaukelt, kann sie entweder kaputt gehen oder sogar unkontrollierbar werden.“

Dietmar Morgenstern und seine Modellflug-Kollegen können nur mutmaßen, wer diesen Schaden angerichtet hat. Sie tippen auf Sondengänger. Die Grabungen weisen darauf hin. Was diejenigen gesucht haben, kann sich der Sektionssprecher vorstellen: „Wir sind auf dem Gelände des früheren Lagers Elsterhorst“, sagt er. „Manche hoffen wohl, noch Überreste aus dieser Zeit zu finden.“ Das Areal war von 1939 bis 1945 Kriegsgefangenen- und Offiziersgefangenenlager. Von 1945 bis 1946 waren deutsche Soldaten interniert, von 1946 bis 1948 diente es als Umsiedlerlager für Vertriebene. Grabungen sind dort illegal. Werden diejenigen erwischt, drohen ihnen empfindliche Strafen. „Das ist auf jeden Fall kein Kavaliersdelikt“, sagt Morgenstern.

Das sehen auch Johannes und Jakob Scheller so. Sie sind die zuständigen Bodendenkmalpfleger des Flugplatzes Nardt. Vater und Sohn aus Großgrabe erledigen diese ehrenamtliche Arbeit bereits seit rund fünf Jahren. In dieser Zeit haben sie nach eigenen Angaben rund 500 Löcher auf dem Areal gefunden und wieder verschlossen. Was die illegalen Schatzsucher zu finden hoffen: deutsche Erkennungsmarken und Abzeichen aus der NS-Zeit oder auch Überreste aus dem Lageralltag nach dem Zweiten Weltkrieg. Johannes Scheller, der selbst Sondengänger ist, bedauert es, dass Illegale eine ganze Interessengruppe immer wieder in Verruf bringen. Öfter  sind Vater und Sohn auch nachts auf dem Flugplatz – in der Hoffnung, einen Schatzsucher auf frischer Tat zu ertappen.

Dass auf dem Modellflugplatz-Gelände noch Hinterlassenschaften des Lagers Elsterhorst zu finden sind, kann sich Dietmar Morgenstern eher nicht vorstellen. „Wir haben das Gelände in den Jahren 2007/08 komplett umgepflügt, um neuen Rasen zu säen und Start- und Landefläche so eben wie möglich zu machen“, sagt er. Die Nardter seien bei Modellfliegern in der gesamten Republik bekannt für ihre glatte und kurz gemähte Start- und Landebahn. Um diese jetzt wieder ordentlich flugfähig zu machen, müssen die Mitglieder etliche Sonderschichten einplanen. Eine hat bereits am vergangenen Samstag stattgefunden. Die Aufgabe sei deutlich umfangreicher als Laien glauben mögen, sagt Morgenstern: „Nur Boden auffüllen und festtreten reicht bei Weitem nicht aus.“ Die Aeroklub-Mitglieder werden also noch Wochen brauchen, bis ihre Piste wieder so glatt ist, wie sie es vor der Buddel-Attacke gewesen ist.