| 17:52 Uhr

Neuer Wolfsschutz-Verein zeigt Schrot-Attacke an
LKA ermittelt wegen Schüssen auf Wolf

Ein Wolf (Canis Lupus Lupus), aufgenommen am 18.01.2017 in einem Gehege des Biotopwildpark Anholter Schweiz in Isselburg (Nordrhein-Westfalen).
Ein Wolf (Canis Lupus Lupus), aufgenommen am 18.01.2017 in einem Gehege des Biotopwildpark Anholter Schweiz in Isselburg (Nordrhein-Westfalen). FOTO: Bernd Thissen (dpa)
Rietschen. Der Tod eines Wolfes, der mit Schrotkugeln im Körper gefunden wurde, hat nun ein Nachspiel. Ein Wolfsschutz-Verein hat Anklage erhoben. Das LKA in Sachsen ermittelt. bob

Bei einem Wolf, der Anfang Juli auf der B156 zwischen Bluno und Sabrodt überfahren wurde, hat die Untersuchung spannende Fakten hervorgebracht. Offenbar ist das Tier in seiner Jugend beschossen worden - mit Schrot. Nun ermittelt deshalb das Landeskriminalamt in Sachsen.

Wie der Verein "Wolfsschutz Deutschland" am Montag bestätigte, wurde Anzeige bei der Polizei in Bautzen gegen Unbekannt gestellt. Wie die Pressesprecherin des Vereins, Brigitte Sommer, betont, sei der Wolf nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen sowie nach der Berner Konvention eine geschützte Tierart. Sommer: "Wir lassen nicht zu, dass Wolfshasser Tiere gezielt abschießen."

Das LKA bestätigte am Montag den Eingang der Anzeige. In dem Fall werde nun ermittelt.

In Sachsen wurden seit dem Jahr 2000 sieben Wölfe illegal getötet. Täter konnten bisher nicht ermittelt werden.

Der Unfall des nun untersuchten Wolfes ereignete sich laut Informationen des Wolfsbüros am frühen Morgen des 5. Juli auf der B156. Der Kadaver der Wölfin wurde zur Untersuchung an das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin geschickt. "Die dortige computertomographische und pathologische Untersuchung bestätigte, dass das Tier an einem massiven Trauma infolge des Verkehrsunfalls starb", berichtete Projektleiterin Vanessa Ludwig vom Wolfsbüro in Rietschen.

Bei der Untersuchung sei auch festgestellt worden, dass die Wölfin einige Zeit zuvor mit Schrot beschossen wurde und dies überlebt hat. "Es wurden mehrere Schrotkugeln im Tierkörper sichergestellt, welche bereits, sofern nicht in Knochen liegend, in das Bindegewebe eingekapselt waren", so Vanessa Ludwig.

Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Im Oktober 2016 war ebenfalls nach einem Unfall auf der Straße zwischen Bernsdorf und Leippe ein Wolf überfahren worden. "Die Untersuchung bestätigte, dass der Welpe vor längerer Zeit, bereits in sehr jungem Alter, beschossen wurde", berichtete Vanessa Ludwig damals.

Der Mitte Juni gegründete "Wolfsschutz Deutschland" will solche Fälle nicht mehr hinnehmen. Vorsitzender Wolfgang Riether: "Unsere Ziele sind mehr Herz und Verstand und weniger Hysterie beim Thema Wolf, wir brauchen auch keine aufgeblasenen Managementpläne, in denen Wölfe nur verwaltet werden. Bei der Problemwolfkreation beteiligen wir uns nicht." Zudem will der Verein gerichtlich gegen Beschlüsse für Wolfsabschüsse vorgehen und "Falschmeldungen entlarven, mit denen Unwahrheiten über Wölfe verbreitet werden".