(dcz) Mit den Erzählungen, Essays und Briefen der 2011 verstorbenen Schriftstellerin Christa Wolf kann jedermann Antworten auf wichtige Lebensfragen finden. Das wurde während der Veranstaltung des Hoyerswerdaer Kunstvereins zu Ehren ihres 90. Geburtstages deutlich. Vereinsmitglieder, von denen einige Christa Wolf bei vielen Lesungen ab 1968 erlebt hatten, lasen aus ihren Werken.

Die Hoyerswerdaerin Heidrun Dietrich stellte Christa Wolf als gute Freundin der 1973 verstorbenen Brigitte Reimann vor. Ab 1964 schrieben sich die Frauen Briefe, die in dem Buch „Sei gegrüßt und lebe“ veröffentlicht sind. Beide thematisierten die Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung systemkritischer Literatur in der DDR und ihren Alltag, den bei Brigitte Reimann zunehmend die Krankheit bestimmte. Christa Wolf unterstützte die Freundin allseitig, sagte Heidrun Dietrich.

Die DDR ließ Christa Wolf manchmal ins kapitalistische Ausland reisen, und so konnte sie Winkel am Rhein besuchen, wo sich die Dichterin und Philosophin Karoline von Günderrode 1806 erstochen hat, erzählte Christine Neudeck. Damals lebte auch der Schriftsteller Heinrich von Kleist, dem Freiräume in seiner Zeit fehlten. Christa Wolf ließ deshalb diese Personen in ihrem Buch „Kein Ort. Nirgends“ bei einem fiktiven Treffen darüber sprechen und benannte so ein Grundproblem im SED-Staat. Das Werk wurde in Ost und West verlegt.

Ihr letztes Buch „Stadt der Engel“ erschien 2008. Barbara Kegel aus Bernsdorf sagte, dass die Autorin darin über ihren Studienaufenthalt 1993 in Los Angeles und ihre Stasi-Mitgliedschaft von 1959 bis 1962 geschrieben hat. Anfang der 1990er- Jahre musste sie viele kritische Fragen über ihr Schreiben und Leben in der DDR-Zeit beantworten.