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Literarischer Rückblick auf mehr als 150 Jahre Schulbildung

Nicht weniger als die ausgeklügelte Lektüreauswahl von Jost Hasselhorn trug der lebendige Vortrag durch Angela Potowski die Bilder der Autoren zu den 60 Zuschauern im Saal des Hoyerswerdaer Schlosses.
Nicht weniger als die ausgeklügelte Lektüreauswahl von Jost Hasselhorn trug der lebendige Vortrag durch Angela Potowski die Bilder der Autoren zu den 60 Zuschauern im Saal des Hoyerswerdaer Schlosses. FOTO: mdr1
Hoyerswerda. In der Sonntagsmatinee hat sich der Kunstverein literarischen Interpretationen von Schule und Bildung gewidmet – und zwar in einem zeitlichen Rahmen vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis hin zu den 1980er-Jahren. mdr1

Während Siegfried Lenz mit dem Humor des wissenden Rückblicks und gewandter Rhetorik die Vorkriegsschule der Kaiserzeit sowie die Abhängigkeiten ihrer Lehr- und Kontrollkräfte karikierte, kamen Erich Kästners "Primaner in Uniform" mit dem schnörkellosen Grauen eines entsetzlichen Kriegs daher. Was nützt das Lernen in einer kriegsgetriebenen, todesnahen, untergangsbedrohten Gesellschaft überhaupt, lässt Bert Brecht 1940 in seinem Gedicht "Lernen wozu" einen resignativen Vater seinen Sohn fragen, während der 1950 geborene Lyriker Jochen Unbehaun in seinem Gedicht "Stundenplan" das hoch motivierte Methodenchaos der 1970er-Jahre aus Lehrervortrag, Schülerversuch, Partnerarbeit, Kreisgespräch und Stillarbeit unter die Lupe nimmt. "Schule ist nicht unabhängig von der Gesellschaft drum herum", erläutert Referent und Konzeptionist Jost Hasselhorn den Erkenntnisbogen der kurzweiligen Lesungen, die einmal mehr von der begnadeten Rezitatorin Angela Potowski unterstützt wurde. Zwar habe der Rahmen die Konzentration auf die Schlaglichter der Bildungsliteratur notwendig gemacht, bedauert Hasselhorn, doch das Gros der Gäste zeigte sich zum Nachlesen der Erzählungen und Gedichte angeregt.