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| 02:39 Uhr

Liegt der Scheibe-See im Tiefschlaf?

Am Burger Ufer des Scheibe Sees: Der Gemeinde Spreetal schwebt ein Ferienpark mit Hafen vor.
Am Burger Ufer des Scheibe Sees: Der Gemeinde Spreetal schwebt ein Ferienpark mit Hafen vor. FOTO: ang
Hoyerswerda. Hält Hoyerswerda in Sachen Scheibe-See die Schlummertaste gedrückt? Oder schlägt der kommunale Einsatz längst Wellen? Nachdem Kritik an der Weiterentwicklung des Tagebaurestsees laut wurde, hat die Rundschau bei den Akteuren nachgefragt. Anja Hummel

Stück für Stück soll der See, umringt von der Stadt Hoyerswerda sowie den Gemeinden Lohsa und Spreetal, zum Leben erweckt werden. Geplant ist ein Areal für Naherholung, ein wahrer Anziehungsmagnet für Besucher. Für die Entwicklung des Scheibe-Sees bis zum Jahr 2025 haben die drei Anliegerkommunen bereits im Herbst 2015 einen Masterplan abgesegnet.

Nun aber kritisierte Spreetals Bürgermeister Manfred Heine die Stadt Hoyerswerda hinsichtlich ihres gedämpften Tatendranges (zu lesen in der Rundschau vom 6. Januar). Ihn ärgert es mit Blick auf die Zukunft des Scheibe-Sees, "dass Hoyerswerda im Tiefschlaf ist". Der Ausgangspunkt dieser Kritik rühre tief in der Vergangenheit. Denn seit der Scheibe-See vor gut fünf Jahren den Wasserendstand erreichte, "dümpelt er nur vor sich her", so Heine.

Von "vor sich her dümpeln" kann laut Hoyerswerdas Bau-Fachbereichsleiter Dietmar Wolf allerdings keine Rede sein. "Wenn wir uns im Tiefschlaf befinden würden, wäre es nicht zu den vielen Vereinbarungen gekommen", weist er die Kritik zurück. Beispielsweise habe die Stadt mit der LMBV ein Übereinkommen zur medientechnischen Erschließung des Westufers getroffen. "Die Maßnahmen sind jetzt konkret beauftragt", versichert Dietmar Wolf. So sollen in diesem Jahr die Versorgungsleitungen für Strom, Wasser und Abwasser an den See geführt werden. Der Leitungsbau soll maßgeblich im Zusammenhang mit dem Bau eines neuen Radweges in drei Abschnitten erfolgen. Dieser führt entlang der Kühnichter Straße auf der Friedhofsseite über die S 108, wo das Land die Ostumfahrung baut. Weiter geht es vorbei an der Einfahrt zum Gewerbegebiet auf den Wirtschaftsweg zum Scheibe-See. Den Bau des letzten Abschnittes übernimmt die Stadt selbst, finanziert wird es aber vom Land. Gerade für die Klärung solcher Fragen hat die Stadt "viel Kraft aufgewandt", betont Dietmar Wolf und verweist auch auf die Erschließungsstraße mit Wendehammer am Westufer, die bereits 2015 realisiert wurde. Die Kritik von Manfred Heine zeuge aus Sicht der Stadtverwaltung "von großer Unkenntnis seinerseits".

Der hat noch weitere Kritikpunkte: So vermisst Heine in den Planungen Hoyerswerdas den Einbezug des Scheibe-Sees und zieht Vergleiche zu anderen Städten: "Sicherlich hat Senftenberg 40 Jahre Vorsprung, aber man kann staunen, was sie aus ihrem Schatz gemacht haben." Ebenso wie die Stadt Großräschen, die zwar auch noch nicht am Ziel sei, aber in ihrer Planung stets darauf abziele, das Gewässer als ihren unmittelbaren Haus-See einzubeziehen. "Wenn man sich nicht zum Schatz bewegt, wird man die Truhe auch nicht öffnen können", stellt Manfred Heine fest. Und allein mittels Radweg könne Hoyerswerda die Truhe nun mal nicht aufschließen.

Fachbereichsleiter Dietmar Wolf weist im Gegenzug darauf hin, dass Hoyerswerda bereits Baurecht am Westufer erlangt hat. "Soweit ist die Gemeinde Spreetal unseres Wissens nach noch nicht."

Lohsa bleibt als dritte Anliegergemeinde hingegen eher im Hintergrund. Die Kommune möchte den Fokus ihrer Anstrengungen weiterhin auf ihre drei Haus-Seen (Dreiweiberner See, Silbersee, Knappensee) legen. "Es freut uns aber, wenn der Scheibe-See Aufschwung erhält", äußert sich Lohsas Bürgermeister Thomas Leberecht. Schließlich wirke sich das irgendwann auch positiv auf die touristische Entwicklung der gesamten Lohsaer Region aus.

Noch in diesem Jahr soll die Planung für die Strandgestaltung des Scheibe-Sees durch die LMBV starten. Ab 2018 werden dann unter anderem Slip- und Steganlage sowie Strandweg angelegt.

Ganz aktuell treibt die Hoyerswerdaer Stadtverwaltung außerdem die zwischenzeitliche Badenutzung des 450 Meter breiten Westuferbereiches für den kommenden Sommer voran. Die offizielle Genehmigung dafür muss bei der Landesdirektion beantragt werden. Damit das klappt, hat die Verwaltung für die letzte Januarwoche alle Beteiligten einbestellt, die in irgendeiner Art und Weise Mitspracherecht in Sachen Genehmigung haben. "Wir hoffen, dass wir alle Informationen bekommen, um unser Ziel zu erreichen", sagt Dietmar Wolf. Ein erster Antrag der Stadt zur Nutzung des Scheibe-Sees als Badegewässer im Mai 2016 war gescheitert. "So einfach es klingt, ein bisschen Badestrand zu schaffen, so kompliziert ist es auch", resümiert Wolf.