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| 21:15 Uhr

Stadtjubiläum
Lieder zum Nachdenken

Martin Rattke (vorn) und seine Band nehmen den Song auf.
Martin Rattke (vorn) und seine Band nehmen den Song auf. FOTO: Martin Rattke
Hoyerswerda. Musiker machen die Stadt Hoyerswerda zu ihrem Thema auf der Bühne. Von Katrin Demczenko

Die Entwicklung von Hoyerswerda regt hiesige Bürger immer wieder zum Nachdenken an. Und daraus entstehen mitunter besondere, lebendige Ideen. Der junge Musiker Martin Rattke sammelt jetzt zum Beispiel verschiedenste Songs über die Stadt für eine CD, die er im September 2018 herausbringen will.

Am Projekt beteiligen sich bis jetzt 15 Bands und Solisten, unter anderem der im Ostrock verwurzelte Frank Proft, der 1993 erstmals mit Freunden in Hoyerswerda eine Bühne rockte. Seine Gruppe, die heute in Berlin ansässig ist, spielt ihren Erfolgstitel „Sehnsucht“ von 1995 als neuen Remix ein, erzählt Martin Rattke. Die Liedermacherin Konstanze Niemz bereitet zwei Titel vor, die über ihr Leben in ihrer Heimatstadt erzählen. Sie zeichnet davon ein positives Bild. Die gestandene Gruppe „Immerhin“ mit progressivem Deutschrock und die seit 26 Jahren bestehende Punk-Band „Restloch“ aus Hoyerswerda zeigen ebenfalls in ihren Songs ihre Sicht auf die Stadt.

Die vier Punkmusiker der 2011 hier gegründeten Gruppe „Pisse“ setzen sich in einem Instrumentalstück mit den fremdenfeindlichen Ausschreitungen 1991 auseinander. „Aus Nachrichtenmeldungen von damals haben sie eine Toncollage geschaffen“, macht Martin Rattke neugierig. Die jungen Mitglieder der Lautaer Punkband „Bad Taste!“ erinnern sich in ihrem Song an ein graues Hoyerswerda, das sie in den 1990er Jahren als Jugendliche erlebt haben. Der Rapper Nelson macht hingegen seiner Heimatstadt mit der Postleitzahl 02977 eine Liebeserklärung. Von ihm wird auf der CD der Song „977“ seines 2018 erschienenen Albums zu hören sein, weiß Martin Rattke. Er selbst und seine Punkrockband „Ist das noch Hip-Hop?“ vervollständigen die Musiksammlung mit einem Lied über das Hierbleiben oder Weggehen junger Menschen, die ihren Weg im Leben suchen. Als Solosänger will Martin Rattke seine ganz persönliche Sicht auf Hoyerswerda in einem eigenen Text darstellen, zu dem er jetzt mit Tommy Schindler, dem Keyboarder von „Immerhin“, die Musik komponiert. Drei Zwölftklässler von der Christlichen Schule Johanneum werden als jüngste Künstler einen eigenen neuen Song auf der CD präsentieren.

Der Hobbykomponist Timon Kremser sorgt dafür, dass der legendäre Hoyerswerdaer Rockpoet Gerhard „Gundi“ Gundermann auf der CD vertreten ist. Er gestaltet dessen Lied Hoywoy II so um, dass es alle am Projekt beteiligten Künstler gemeinsam einsingen können. Das wird etwa wie bei „We are the world“ aus den 1980er-Jahren werden, erklärt Martin Rattke. Gerhard Gundermanns Witwe Conny hat dazu schon die Erlaubnis gegeben.

Finanziert werden soll die Herstellung der 750 CD’s im 750. Jahr der Ersterwähnung von Hoyerswerda über einen Förderantrag bei der Stadt und über die Crowdfunding-Plattform 99funken.de. Wer sich dort beteiligt, bekommt je nach Spendenhöhe eine attraktive Prämie. Matthias Döring von der Lausitzhalle mit seinem Tonstudio und die Kulturfabrik Hoyerswerda unterstützen das Projekt ebenso.