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| 11:19 Uhr

Symbol der Christenheit provoziert
Lichtkreuze sollen Bautzen erhellen

 Ludger Hense (im orangenen Mantel) bereitet gemeinsam mit Helfern aus den beiden Petrikirchgemeinden das Lichtkreuz für die Installation vor.
Ludger Hense (im orangenen Mantel) bereitet gemeinsam mit Helfern aus den beiden Petrikirchgemeinden das Lichtkreuz für die Installation vor. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Der Künstler Ludger Hense gibt dem Kreuz seine fast vergessene positive Symbolik zurück. Nicht überall stieß er damit auf Gegenliebe, in Bautzen schon. Von Uwe Menschner

Ein außergewöhnliches Kreuz empfängt seit Kurzem die Besucher des Bautzener Petridoms. Es besteht aus Plexiglas und ist aufgrund seiner Lichtreflexion nur als Kontur vor dem Hintergrund des Dachgewölbes zu erkennen. Fotografiert man das transparent-luftige Gebilde mit Blitzlicht, schillert und leuchtet es plötzlich in den unterschiedlichsten Farben. „Kreuze sind in der Vorstellung der Menschen im westlichen Europa düster und bedrohlich, denn schließlich versinnbildlichen sie den Tod Christi“, weiß Ludger Hinse. Der Künstler aus dem nordrhein-westfälischen Recklinghausen beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem wichtigsten Symbol der Christenheit und versucht, ihm auch noch andere Bedeutungen zu entlocken: „Die Geschichte des Messias endet ja nicht mit seinem Tod am Kreuz. Danach kam ja auch noch was ...“

Das Kreuz als Symbol für Licht und Freude? Ludger Hinse ist sich darüber im Klaren, dass dies als Provokation aufgefasst werden kann. Allerdings nur, da dies „mit unserer traditionellen Vorstellungswelt kollidiert“. In der orthodoxen Kirche zum Beispiel sind Kreuze nach seiner Erfahrung „zumeist himmelwärts gerichtet, hell und licht.“

Ludger Hinse stößt mit seinen Lichtkreuzen nicht bei jedem Theologen auf Gegenliebe: „Manch einer war froh, wenn sie wieder aus seiner Kirche verschwanden.“ In Bautzen dürfte das anders sein, denn hier ging die Initiative, die Lichtkreuze zu zeigen, vom Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde St. Petri, Veit Scapan, selbst aus. „Wir haben ein Thema für unsere alljährlichen Einkehrtage gesucht“, berichtet er. „Dabei sind wir auf Ludger Hinse und seine Arbeit gestoßen. Schnell wurde klar, dass ein paar Tage dafür nicht genügen. Und ebenso stand frühzeitig fest, dass wir dieses Projekt ökumenisch angehen müssen.“ In Bautzen, der Stadt mit der ältesten Simultankirche Deutschlands, sind die Wege zwischen Katholiken und Protestanten kurz, beten sie doch im Petridom quasi Seite an Seite. Und so stand es für die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde außer Frage, sich am „Lichtkreuze“-Projekt zu beteiligen. „Gerade auch angesichts der Schlagzeilen, die immer wieder von Bautzen ausgegangen sind“, wie Pfarrer Kay Weißflog anmerkt.

Wobei letztere für Ludger Hinse nicht den Ausschlag dafür gaben, seine Arbeiten im Freistaat Sachsen erstmals in Bautzen zu zeigen. „Da, wo ich herkomme, wird mit dem Namen Bautzen immer noch in erster Linie der Stasiknast verbunden“, gibt der Rheinländer offenherzig zu. Auch die Ereignisse, die Bautzen in den letzten Jahren immer wieder auch überregional in die Schlagzeilen brachten, hätten daran nichts geändert. Dass in jüngster Zeit in Bautzen und anderen Städten der Umgebung Kreuze für Propaganda gegen Migranten missbraucht wurden, hat er wohl registriert, will aber mit seiner Aktion keinen Bezug darauf nehmen. „Das Kreuz ist immer wieder missbraucht worden: Für Feldzüge, Hinrichtungen oder als Hakenkreuz.“ Und zu manchen Zeiten habe das, was wir heute als Missbrauch empfinden, durchaus dem damaligen Wesen der (insbesondere katholischen) Kirche entsprochen, sei also gar kein Missbrauch gewesen.

Ludger Hinse selbst jedenfalls bekennt sich als Liebhaber der ostsächsischen Kreisstadt, die vielen seiner „Landsleute“ so fremd erscheint, und freut sich darauf, die kommenden Tage in Bautzen zu verbringen. „Durch das Engagement der Beteiligten vor Ort sind im Begleitprogramm mehr als 80 Veranstaltungen zusammengekommen – mehr als in Würzburg, und das war schon eine Nummer.“ Unter den 40 Objekten, die Ludger Hinse an 13 Orten in Bautzen (neben zahlreichen Kirchen unter anderem im Stadtmuseum, im Clarissenkloster und in der Gedenkstätte) zeigt, befinden sich nicht nur „luftig-helle“ Kreuze, sondern auch solche, die an die offensichtlichere Symbolik erinnern. Im früheren Stasi-Gefängnis ist beispielsweise das so genannte Auschwitz-Kreuz zu sehen, das die Leichenberge des gleichnamigen Konzentrationslagers thematisiert.

Die Kunstaktion „Licht bewegt – Lichtkreuze“ von Ludger Hense findet bis zum 9. Juni an 13 Orten in Bautzen statt und wird von mehr als 80 Veranstaltungen begleitet. Einen Überblick gibt es im Internet unter www.orthen-design.de/aktuell.

 Ludger Hense (im orangenen Mantel) bereitet gemeinsam mit Helfern aus den beiden Petrikirchgemeinden das Lichtkreuz für die Installation vor.
Ludger Hense (im orangenen Mantel) bereitet gemeinsam mit Helfern aus den beiden Petrikirchgemeinden das Lichtkreuz für die Installation vor. FOTO: Uwe Menschner