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| 13:12 Uhr

Hoyerswerda
So bunt kann das Industriegelände sein

Am Gebäude des IC Teams im Industriegelände leuchtet es am Samstagabend bunt. Viele Besucher aus der gesamten Region haben die Chance genutzt, sich bei Firmen vor Ort umzusehen.
Am Gebäude des IC Teams im Industriegelände leuchtet es am Samstagabend bunt. Viele Besucher aus der gesamten Region haben die Chance genutzt, sich bei Firmen vor Ort umzusehen. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda . Von der Randerscheinung zum Mittelpunkt: „Licht an!“ lockt viele Besucher in eine spezielle Ecke Hoyerswerdas. Von Rainer Könen

Ein Blick aufs Kennzeichen, wohl aus dem Schwäbischen. Der Wagen sieht nobel aus. Der Besitzer, ein älterer, graumelierter Mann, gekleidet in Jeans, Lederjacke und Stiefeln. „Habet ihr keine vernünftige Straße hier?“, ruft er. „Hier“, das ist die Straße B im Zeißiger Industriegelände. Ob er sich verfahren hat? Nein, hat er nicht. Er ist ganz bewusst an den Rand der Stadt gekommen. Er will unbedingt bei der Eröffnung dieses Lichtfestivals dabei sein. Die findet am Rande des Industriegeländes statt, auf dem Gelände der Firma R & S.

Es ist Samstagnachmittag, kurz nach 17 Uhr. Die Eröffnung hat er verpasst, der Herr aus dem Schwabenland. Sein berufliche Profession: aus alten Fahrzeugen neue zu machen. Wenn er gewusst hätte, wie schlecht die Straßen seien, er lacht kurz auf, er wäre wohl mit dem Rad gekommen.

Bei „Träume in Lack“ wurde getanzt: die Kindergruppe der sorbischenTanzgruppe Bröthen ist am Samstag zu Gast gewesen.
Bei „Träume in Lack“ wurde getanzt: die Kindergruppe der sorbischenTanzgruppe Bröthen ist am Samstag zu Gast gewesen. FOTO: LR / Sascha Klein

Das machen viele Hoyerswerdaer an diesem Samstag, an dem ein Areal der Stadt im Focus steht, das sonst ein Mauerblümchendasein führt: das Zeißiger Industriegelände. Eigentlich keine schlechte Idee von den Organisatoren, der Wirtschaftsförderung der Stadt und des Lausitzer Technologiezentrums Lautech, dieses Gelände ins rechte Licht zu rücken. Rund 50 Firmen sollen es im Areal sein. Nicht alle konnte man zum Mitmachen bewegen, am Samstag präsentieren sich 24 an zwölf Standorten.

Zahlreiche Hoyerswerdaer nutzen den kostenfreien Bus-Shuttle der VGH, im Halbstundentakt steuern die Busse aus Alt- und Neustadt ins Industriegelände. Schon vor der offiziellen Eröffnung sieht man einige bei der Erkundung des Industriegeländes, das rund 95 Hektar umfasst, oft radelnd – was angesichts der teils historischen Straßen eine prima Idee ist. Heinz und Rosi aus Cottbus, ein Ehepaar in den mittleren Jahren, trifft man am ehemaligen WBK-Verwaltungssitz, in dem sich die Firma IC Team befindet. Man wolle schauen, was so los sei, erzählen sie. „Irgendwie hat dieses Gelände was Tristes, was Morbides, erinnert an die Vorwendezeit“, finden sie. In der Tat, etliche der Firmengebäude schauen grau und alt aus, sind graffitiübermalt.

Auch die Fassade von Kaufland ist gegen Abend angestrahlt gewesen. Viele Gäste haben zudem den Bus-Shuttle genutzt.
Auch die Fassade von Kaufland ist gegen Abend angestrahlt gewesen. Viele Gäste haben zudem den Bus-Shuttle genutzt. FOTO: Rainer Könen

„Wir sind gespannt, wie unsere Lichtshow bei den Leuten ankommen wird“, so Rocco Semt von der Firma R & S, der von einer Win-win-Situation spricht. „Wir erhoffen uns von der Aktion einen größeren Bekanntheitsgrad“, so der Mitfirmeninhaber. Zudem habe man ohnehin einen Tag der offenen Tür geplant, anlässlich des 15-jährigen Bestehens. Ist er zufrieden? Er grinst, natürlich. Anderthalb holprige Straßenkilometer weiter, in der Straße D, wirbt ein Pkw-Service für das, was hier mal entstehen soll: ein Wellnesscenter für Autos.

Am Abend dann Rushhour auf den Straßen E und D. Fußgänger, Radler, Autofahrer. Wo ist das aufregendste Licht? Wo die schönste Lichtshow? Der ehemalige WBK-Verwaltungssitz, der am Tage so grau und trist ausschaut, wird mit raffinierten Lichtfiguren angestrahlt, die zum Verweilen animieren. Auch das Lautech lockt mit ungewöhnlichen Lichtmustern an der Fassade an, ebenso wie das gegenüberliegende Kaufland-Einkaufscenter.

Wer zu Martin Karg und den jugendlichen BMXler des Vereines Little Woodward will, muss über die kopfsteinplastergeprägte Straße E rumpeln. Dort führen die Teenager in der Halle vor, was mit den kleinen Rädern alles möglich ist. Der stellvertretende Vereinschef Karg schaut zufrieden drein. Was auch am Gewinnspiel dieser Veranstaltung liegt: Wer da was gewinnen will, muss jeden der zwölf Standorte aufsuchen und sich dort einen Stempel holen. „Ist sicher auch ein Grund für den ein oder anderen, bei uns vorbeizuschauen“, sagt Karg.

Bizarr wirkt das Zeißiger Industriegelände am Abend. Man sieht Lichter, Flakscheinwerfern nicht unähnlich, in den Himmel schießen, Lichtshows begeistern, werden fotografiert. Besucher hören Musik, auch Applaus, an manchen Standorten ist nun Zeit für ganz Besonderes: Feuerjonglage, Nachtflugshow und Schattenwandspiele.

Beim Bauhof, so ziemlich in der Mitte des Industriegeländes, ist auch der Herr aus dem Schwabenland wieder. Gefällt es? Ja, alles gut. Sei doch irgendwie eine tolle Idee, dem maroden Charme des Industrieviertels auf diese Weise „schönzuleuchten“.