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| 15:11 Uhr

Verabschiedung
Letzter Schultag vor der Rente

Margit Hypko hat 39 Jahre lang Schüler in Mathe und Chemie unterrichtet. Spaß hat es ihr immer gemacht und trotzdem findet sie ihren Abschied aus den Klassenräumen nicht tragisch.
Margit Hypko hat 39 Jahre lang Schüler in Mathe und Chemie unterrichtet. Spaß hat es ihr immer gemacht und trotzdem findet sie ihren Abschied aus den Klassenräumen nicht tragisch. FOTO: LR / Anja Hummel
Lohsa. Schulleiterin Margit Hypko verabschiedet sich nach zwölf Jahren von der Oberschule Lohsa. Von Anja Hummel

Der Schredder braucht dringend eine Pause. „Zu heiß“, sagt Andrea Bartoschek, „warten wir mal lieber eine halbe Stunde“. Trotz Ferien ist die stellvertretende Schulleiterin in der Lohsaer Oberschule zugange.  Nicht alleine. Margit Hypko ist auch da. Sie packt, räumt,  entsorgt und schreddert – alte Prospekte, Notizzettel, Kalender. Eben all das, was sich in den vergangenen zwölf Jahren im Büro der Schulleiterin angesammelt hat. „Wie das nun mal so ist“, sagt die Frau, die nach 39 Jahren im Schulwesen dem Unterricht endgültig Lebewohl sagt. Es ist Margit Hypkos letzter Tag in den Räumen der Lohsaer Oberschule, bevor sie in Rente geht.

Im Jahr 1971 hat sie zum ersten Mal vor einer Klasse gestanden. Das war in Hoyerswerda an der damaligen Oberschule 22. Zwischendurch war sie in ihrem Heimatort Groß Särchen, hat dort 1990 die Leitung der Oberschule übernommen, war später in Radeberg, bevor sie 2006 nach Lohsa kam. 250 Schüler und 22 Lehrer hatte sie zuletzt „unter sich“. Das Unterrichten, sagt die Mathe- und Chemielehrerin, war für sie immer die entspannteste Zeit des Tages. Denn als Schulleiterin gehört so viel mehr dazu: Elterngespräche führen, Fortbildungen und Kooperationen organisieren, Beurteilungen schreiben, Sicherheitsbestimmungen einhalten – die Reihe ließe sich beliebig erweitern. Das Klischee, Lehrer hätten mittags Feierabend, immer Ferien und den besten Verdienst sei absolut ungerechtfertigt. Doch trotz der vielen Arbeit sagt sie: „Ich bin immer sehr gerne Lehrerin gewesen.“ Den Abschied hatte sie sich dann aber doch tragischer vorgestellt, das weinende Auge bleibt noch aus. Der wohl bewegendste Moment in den vergangenen Tagen: Von Kollegen, Schülern und dem Förderverein ist sie mit einer Abschiedsfeier überrascht worden, auf der auch der stellvertretende Landrat Udo Witschas vorbeischaute. „Da fiel mir die Kinnlade runter“, gesteht Margit Hypko. Und aus der Ruhe bringen kann sie normalerweise so schnell nichts. Ihr typischer Lehrerspruch – und den hat jeder an der Schule gekannt: „Ein paar Minuten haben wir noch.“ Pünktlich mit dem Unterricht beginnen und aufhören, darauf hat sie stets wert gelegt. Und: Arbeiten hat sie immer angekündigt. „Mit schlechten Noten um mich werfen, das war nie meine Art“, sagt sie.

Wer ihre Nachfolge antreten wird, steht noch nicht fest. Stellvertreterin Andrea Bartoschek hofft, dass bis Schulstart Mitte August alles in trockenen Tüchern ist. „Aber die Messlatte liegt hoch“, sagt Andrea Bartoschek schmunzelnd.  Als couragiert, sachlich und stets fair beschreibt sie ihre Kollegin. „Und sie hat immer wert auf Ordnung gelegt.“ Obwohl das so ist, hat sie vor ihrem endgültigen Abschied noch so einiges zu sortieren. „In den Jahren sammelt sich unglaublich viel an“, bemerkt Margit Hypko. Unter ihrem Schreibtisch steht ein riesiger orangefarbener Wäschekorb, gefüllt mit Zetteln, Heften, alte Mappen. Noch ein Stündchen wird sie brauchen, schätzt sie, der Schredder ist mittlerweile wieder einsatzbereit. Was ihr am meisten fehlen wird? Die Schüler und die Kollegen natürlich, sagt sie. Dafür aber hat sie nun umso mehr Zeit für die Familie, für ihre Fitness, schöne Urlaube und spannende Bücher.

Große Überraschung: Der Schulförderverein schenkte Margit Hypko zur Überraschungsfeier neben Blumen auch liebe Worte.
Große Überraschung: Der Schulförderverein schenkte Margit Hypko zur Überraschungsfeier neben Blumen auch liebe Worte. FOTO: Oberschule Lohsa