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| 02:40 Uhr

Letzter Scadoer siedelte mit Pferd und Katze um

Blick von der Ortserinnerungsstätte über die schwimmenden Häuser in Richtung Ortsstelle Scado.
Blick von der Ortserinnerungsstätte über die schwimmenden Häuser in Richtung Ortsstelle Scado. FOTO: amz1
Geierswalde. Das Dörfchen Scado befand sich einst einen knappen Kilometer nördlich von Geierswalde. Mitte der 1960er-Jahre musste es dem Tagebau Koschen, dem heutigen Geierswalder See, weichen. amz1

Nach Angaben des Heimathistorikers Frank Förster wurden 220 Menschen umgesiedelt. Nicht alle verließen die alte Heimat freiwillig. Daran erinnert sich der einstige Obersteiger des Tagebaus Koschen, Karl-Heinz Meinert. "Ich hatte die Aufgabe, den letzten Scadoer zum Auszug aus seiner Wirtschaft zu bewegen", erzählt der heute in Senftenberg lebende Bergmann.

Das sei alles andere als leicht gewesen. Denn der ältere Mann wollte seine Scholle um keinen Preis verlassen. Und das, obwohl er bereits im benachbarten Großkoschen eine neue Bleibe erworben hatte. Laut Karl-Heinz Meinert stand das Scadoer Wohnhaus schon gar nicht mehr. Stattdessen lebte der widerspenstige Mann im Pferdestall, schlief auch dort. Und zwar direkt neben seinem Pferd. Zudem gehörte eine Katze zur Wirtschaft.

Letztendlich sei es gelungen, den letzten Scadoer von der Unverzichtbarkeit der Umsiedlung mehr oder weniger zu überzeugen. Das Pferd wurde angespannt und aus dem sterbenden Dorf geführt. Schwieriger war es dagegen, die Katze einzufangen. Doch auch dies gelang. Der Stubentiger wurde, so Meinert, letztendlich in einem Küchenherd aus dem Ort transportiert. Sowohl Pferd als auch Katze und der letzte Bewohner von Scado haben den Umzug gut überstanden.

Unmittelbar danach wurden die letzten Gebäude des Dorfes, das bereits im Jahr 1410 erstmals urkundlich erwähnt wurde, beseitigt. Stabilere Mauern mussten gesprengt werden. Dazu gehörte auch der solide ausgemauerte Feuerlöschteich. Anschließend begannen die Bagger ihr Werk. Der Tagebau Koschen war im Jahr 1972 ausgekohlt. Das verbliebene Restloch füllte sich mit Wasser, längst hat sich daraus der Geierswalder See entwickelt.

An das Dörfchen Scado erinnert indes eine kleine Gedenkstätte in Geierswalde. In der nach dem Ort benannten Straße, die direkt auf die schwimmenden Häuser zuführt, bildet ein größerer Findling, um den sich mehrere Infotafeln gruppieren, den Mittelpunkt dieses Ensembles. Karl-Heinz Meinert war es auch, der den Gedenkstein in Sedlitz ausgesucht hatte. Die Erinnerungsstätte wurde im Rahmen der Geierswalder 600-Jahr-Feier im Sommer 2001 eingeweiht. Sie befindet sich rund 800 Meter südlich der Ortsstelle. Kurios: Trotz der geringen Entfernung verlief zwischen Geierswalde und Scado die Grenze zwischen der Ober- und der Niederlausitz - beziehungsweise zwischen den Landkreisen Hoyerswerda und Calau. Heute erstreckt sich dort die Trennlinie zwischen Sachsen und Brandenburg.

Bis heute gibt es allerdings keine Chronik von Scado. Bereits in den 1960er-Jahren war die Herausgabe eines solchen Werkes geplant. Gedruckt wurde es aber nie. Wahrscheinlich waren den damaligen Machthabern verschiedene Passagen politisch zu inkorrekt. Wohin indes das schon vorbereitete Manuskript geraten sein könnte, ist leider nicht bekannt.