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| 21:45 Uhr

Hoyerswerda
Eine Zukunft für das Lessinghaus

Das historische Lessinghaus von Hoyerswerda. Hier wohnten ab 1702 die Amtmänner der Herrschaft Hoyerswerda - darunter ein Onkel und ein Cousin Lessings. 1892 erwarb Carl Braun das Gebäude und gründete hier die Schlossbrauerei Hoyerswerda. Nach der Wende war das Gebäude total marode.
Das historische Lessinghaus von Hoyerswerda. Hier wohnten ab 1702 die Amtmänner der Herrschaft Hoyerswerda - darunter ein Onkel und ein Cousin Lessings. 1892 erwarb Carl Braun das Gebäude und gründete hier die Schlossbrauerei Hoyerswerda. Nach der Wende war das Gebäude total marode. FOTO: LR / Catrin Würz
Hoyerswerda. Das Bauwerk mit Geschichte braucht neue Perspektiven. Der Denkmalschutz verhindert jedoch Bauänderungen. Von Catrin Würz

Das Lessinghaus, eines der ältesten und geschichtsträchtigsten Häuser in der Hoyerswerdaer Altstadt, braucht neue Perspektiven. Darüber ist sich Eigentümer Klaus Wiegmann im Klaren. Doch die Sache ist nicht so einfach: Das 1702 errichtete Gebäude, in dem einst die eifrigen Amtmänner Theophilus Lessing der Ältere und Theophilus Lessing der Jüngere die Herrschaft Hoyerswerda verwalteten und hier wohl auch ihren später sehr berühmten Verwandten Gotthold Ephraim empfingen – hat schon mal florierendere Zeiten gehabt. Die Gaststätte im schönen Kreuzgewölbekeller ist seit Jahren geschlossen. Wiegmann hatte dazumal viel Ärger mit den Gaststättenbetreibern, „die nicht ordentlich agiert haben“ und es auch mit der Mietzahlung nicht so genau nahmen. „Von zwölf Jahren Gaststättenvermietung habe ich sechs Jahre Miete bekommen“, ergänzt er. Momentan sind auch die Büroräume im Obergeschoss nur teilweise vermietet.

Seit ein paar Wochen gibt es nun jedoch einen Lichtblick für das historische Gebäude: Unterm Kreuzgewölbe hat die Tagespflege Fischer & Salowsky eine neue Einrichtung eröffnet. „Wir sind sehr glücklich hier in diesen schönen Räumen“, sagt Ramona Fischer als Mitinhaberin. 20 Plätze für die Seniorenbetreuung in der Tagespflege stehen zur Verfügung. Dafür wurden die geräumigen Flächen urgemütlich und liebevoll hergerichtet. Mit einem Fahrdienst werden die Senioren zu Hause abgeholt und den Tag über in netter Gesellschaft betreut und bekocht - und das in solch heiligen Hallen der Stadtgeschichte.

Auch Klaus Wiegmann freut sich über die geglückte Neubelebung seines denkmalgeschützten Hauses. Der 64-jährige Unternehmer, der seinen Dentaltechnik-Betrieb unlängst in neue Hände gegeben hat, will nun allerdings auch für die anderen Bereiche des Lessinghauses eine gesicherte Zukunft finden. Das stellt er in seinen monatlichen Vorträgen über das historische Haus klar: Im Rahmen des 750 Jahre-Stadtjubiläums lädt Wiegmann jeden ersten Mittwoch im Monat zur Besichtigung und einem kleinen Vortrag über die Geschichte des historischen Ortes ein. In dieser Woche waren die Mitglieder des Kulturbundes mit ihrem profunden Geschichtswissen nicht nur aufgeschlossene Gesprächspartner: Der Kulturbund mit Peter Biernath als früherem Kreisdenkmalpfleger an der Spitze hatte bereits in den 1990er-Jahren um den Erhalt des historischen Bauwerkes gekämpft.

Wiegmann  hatte das Haus 1995 als total vermüllte Ruine mit Brandschäden von der Treuhand gekauft, die das Gebäude sonst wahrscheinlich zum Abriss freigegeben hätte. Bis zum Jahr 2000 wurde es komplett saniert. 20 Jahre später sind jetzt neue Setzungsschäden mit Rissen in den Wänden aufgetaucht. Die Ursache will der Unternehmer auf jeden Fall klären lassen. Im Dachgeschoss entstanden zwei Wohnungen, für die sich Wiegmann gern bessere Lichtverhältnisse wünscht und deshalb den Einbau von Dachflächenfenstern beantragt hat. Damit stößt er beim Denkmalschutz allerdings auf strikte Gegenwehr. Hoyerswerdas Bauamtsleiter Dietmar Wolf bestätigt diesen Umstand und verteidigt die Absage: „Die Dachfenster wären besonders an den Giebelseiten von der Straße aus zu sehen. Das ist nicht im Sinne des Denkmalschutzes.“

Das kann Klaus Wiegmann nicht verstehen, der nachweisen kann, dass sich die Form des Daches im Laufe der Jahrhunderte mehrmals geändert hat. Er beklagt, die Stadt setze sich für das historische Lessinghaus – ein Kleinod der Stadtgeschichte –  nicht ausreichend ein. So kommen bei ihm auch Resignation und der Gedanke, sich von dem Haus zu trennen, auf.

Klaus Wiegmann hat das Lessinghaus 1995 erworben und es bis 2000 umfassend saniert. Einmal im Monat berichtet er über Geschichte und Umbau.
Klaus Wiegmann hat das Lessinghaus 1995 erworben und es bis 2000 umfassend saniert. Einmal im Monat berichtet er über Geschichte und Umbau. FOTO: LR / Catrin Würz
Den Saal mit dem schönen Kreuzgewölbe nutzt die Tagespflege Fischer & Salowsky jetzt. Hier besichtigen die Mitglieder des Kulturbundes die Räume.
Den Saal mit dem schönen Kreuzgewölbe nutzt die Tagespflege Fischer & Salowsky jetzt. Hier besichtigen die Mitglieder des Kulturbundes die Räume. FOTO: LR / Catrin Würz