Lutz Brandt und Nadin Schober sind Senftenberger, haben ihre Lehre mit „Gut“ beendet und sind beide „um einen Punkt an der Eins vorbei gerasselt“ . Das sind die Gemeinsamkeiten. Brandt ist 35, Nadin Schober dreizehn Jahre jünger. Brandt hat Systemgastronom gelernt, Schober Industriekauffrau. Brandt hat einen Job, Schober nicht.

Traumjob gefunden
Für Lutz Brandt ist es die zweite Lehre gewesen. Im ersten Leben war er Instandhaltungsmechaniker, zeitweise arbeitslos und nebenher Pizzabäcker. In dem Senftenberger Liefer-Service hat er schließlich gelernt, und zwar Fachmann für Systemgastronomie. „Als ich anfing, wusste ich auch nicht, was das bedeutet“ , gesteht Brandt. Aber der Familienvater hat für sich etwas gefunden, das er seinen „Traumjob“ nennt. Systemgastronom ist eine kaufmännische Ausbildung, „man macht Buchführung, Lagerhaltung, Bestellwesen und Personalwesen in einem“ , schwärmt Lutz Brandt. Und er hat Großes vor: Der Pizza-Service hätte ihn auch eingestellt. Aber die international agierende amerikanische Sandwich-Kette „bietet mir viel mehr Entwicklungschancen“ .
Bewerbungen hat Brandt keine geschrieben. Ein Mitschüler hat Brandt seinem Chef in der Potsdamer Filiale am Hauptbahnhof vorgestellt. „Bei den Noten nahmen sie mich mit Kusshand“ . Einziger Nachteil: Das Familienleben leidet. Frau und Sohn sind in Senftenberg, Brandt hat sich in Potsdam eine kleine Zweitwohnung genommen. Über kurz oder lang - wenn der 14-jährige Sohn seine zehnte Klasse beendet hat - wird Familie Brandt sich neu orientieren. Schließlich will Lutz Brandt Franchise-Nehmer der Sandwich-Kette werden. „Wo es uns dann hin verschlägt, weiß ich nicht.“
Ziele hat Nadin Schober auch. „Ich will das umsetzen, was ich gelernt habe.“ Allein die Chance fehlt. Momentan. Die 22-Jährige ist sich sicher, „dass mir einer eine Stelle geben wird“ . Schließlich gehört sie nicht zu den 500 jungen Erwachsenen im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises, die keine Arbeit finden, weil sie keinen Berufsabschluss haben. „Ich kann doch was.“ Nadin Schober hat in Lauchhammer bei einem Acrylwannen-Hersteller gelernt. Obwohl für die begeisterte Fotografin ein Bürojob immer mit etwas Horror verbunden war, „hat mich die Ausbildung überzeugt und mir viel Spaß gemacht“ . Am Ende hat sie stets, wenn sie irgendwo zu Besuch war, im Badezimmer nach Bade- und Duschwanne geschaut.

Weggehen keine Lösung
30 Bewerbungen hat Nadin geschrieben. Absagen - und oft kam gar nichts zurück. Zurzeit verbringt sie ihre viele freie Zeit damit, ihre Omas zu Ärzten zu fahren, den kleinen Sohn Dillon ihrer Großnichte zu beaufsichtigen, im Garten zu arbeiten und zu lesen. Neueste Errungenschaft ist Pitti, ein kleiner gelber Wellensittich. „Da ist wenigstens jemand zum Reden.“

Zum Thema Handwerker-Nachwuchs
  Im Kammerbezirk Cottbus haben im Winter 2004/2005 und im Sommer 2005 insgesamt 3371 Jugendliche ihre Lehre beendet.
49 haben mit der Note Eins und Zwei abgeschlossen. Das sind 6,3 Prozent der Azubis. Im Jahr 2004 waren es 6,2 Prozent.
Ausgebildet wird in 37 Berufen, etwa Luftverkehrskaufmann, Bürokaufmann, Koch, Helfer im Gastgewerbe, Anlagenmechaniker, Chemielaborant, Tierpfleger.