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| 21:33 Uhr

Stadtmuseum Hoyerswerda
„LehrReich“ macht das Gestern lebendig

Ein nachgestalteter Plattenbau im praktikablen Zwei-Meter-Format ist Teil der neuen „LehrReich“-Ausstellung. Museumsbesucher sind eingeladen, hinter die Gardinen zu lunschen: Dort kommen überraschende Fotos aus dem Alltag und der DDR-Wohnkultur zu Tage.
Ein nachgestalteter Plattenbau im praktikablen Zwei-Meter-Format ist Teil der neuen „LehrReich“-Ausstellung. Museumsbesucher sind eingeladen, hinter die Gardinen zu lunschen: Dort kommen überraschende Fotos aus dem Alltag und der DDR-Wohnkultur zu Tage. FOTO: LR / Catrin Würz
Hoyerswerda. Am Sonntag eröffnet das Schloss & Stadtmuseum Hoyerswerda den zweiten Teil seiner neu gestalteten Dauerausstellung für Besucher. Unter dem Namen „LehrReich“ ist in der ersten Etage des Barockflügels nun eine interaktive Zeitreise durch Hoyerswerdas jüngere Geschichte möglich. Von Catrin Würz

Die Anspannung der letzten Wochen ist von Museumsleiterin Kerstin Noack und ihrem Team sichtlich abgefallen. Nach drei Jahren intensiver Vorplanung, nach umfangreichen Bauarbeiten im und am Schloss sowie letztlich dem Ausstellungsaufbau ist nun das neue „LehrReich“ im Hoyerswerdaer Stadtmuseum endlich bereit für einen Besucheransturm: Am Sonntag eröffnet dieser zweite Bereich der neuen Dauerausstellung offiziell. Ab 10 Uhr morgens werden Führungen durch die sechs komplett neu gestalteten Räume in der mittleren Etage des Barockflügels angeboten. „Bei freiem Eintritt, um die Museumsfreunde für die lange Wartezeit etwas zu entschädigen“, ergänzt Kerstin Noack lächelnd.

Das neue „LehrReich“ widmet sich der wohl spannendsten sowie wandlungs- und wendungsreichsten Epoche der Stadtgeschichte - jener knapp 80 Jahre zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Heute. „Es sind zeitgeschichtlich nur 80 Jahre - aber es sind jene Jahre, die die Stadt am meisten verändert haben“, sagt Boglarka Szücs, die seit dem Ruhestand von Elke Roschmann die wissenschaftliche Arbeit im Museum leitet. Eine der schwierigsten Aufgaben sei es daher gewesen, die Vielfalt jener Jahre in die begrenzten Räumlichkeiten mit nur sechs zur Verfügung stehenden Schlosszimmern zu bekommen.

Gelungen ist das vor allem, indem die Museumsbesucher - wie schon im 2016 eingeweihten „ErlebnisReich“ - wieder auf eine interaktive Entdeckungsreise geschickt werden. „Bitte nicht berühren!“ gehört längst zum Museumsjargon der Vergangenheit. Stattdessen ist das Motto: Bitte möglichst alles ausprobieren, alle Schubladen aufziehen, durch alle Gucklöcher schauen, denn dahinter verbergen sich unvermutet persönliche Geschichten, Fotos, kleine Kunstwerke und besondere Exponate. Denn mit allen Sinnen soll der Museumsbesucher „seine“ unmittelbare Stadtgeschichte erleben und begreifen können: Auf Knopfdruck setzen sich Video- und Hörinstallationen in Gang. Ein Zeitstrahl auf dem Fußboden begleitet die Museumsbesucher.

Wie ein Bauplanungsbüro des Aufbaustabes für die sozialistische Planstadt in den 1950er-Jahren sieht Raum Nummer 4 aus. Das graue Telefon auf dem Schreibtisch hat eine Wählscheibe. Wer beherzt die empfohlenen Zahlen wählt, kann am Hörer authentischen Zeitzeugenberichten von bekannten Persönlichkeiten aus der Stadt lauschen. Superintendent i.R. Friedhart Vogel muss unweigerlich lachen, als er seine eigene Stimme in dem uralten Telefonapparat vernimmt. Auch Architekt Klaus Richter, Musiklehrerin Dora Gebauer, Kunstvereinsgründer Martin Schmidt und andere Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wurden während der Recherche befragt.

Der Rundgang startet im dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte - der Kriegs- und Nachkriegszeit. Neben dem Aufbruch in eine neue Stadt der Berg- und Energiearbeiter des aus dem Boden gestampften Gaskombinates widmet sich die Ausstellung selbstverständlich auch der Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Vorzeigestadt der DDR. Wohnkultur und Alltag spielen eine große Rolle. Eines der schwierigsten Kapitel war für das Museums­team die Darstellung der Wendezeit 1989 und die ausländerfeindlichen Übergriffe im Jahr 1991, die prägend für die Stadt waren.

Das letzte Kapitel der Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema Rück­bau und Umbau von Hoyerswerda. Museumsleiterin Kerstin ­Noack sagt: „Dies ist das unvollendete Zimmer. In diesem Raum sind Gegenwart und Zukunft thematisiert. Das kann nicht fertig sein.“ Hoyerswerdaer, die weitere Anregungen dazu haben, können sich gern im Museum melden.