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| 18:30 Uhr

Lehrermangel
Lehrermangel in Hoyerswerda

Kein Lehrer, kein Unterricht: Aktuell haben einige Schüler in Hoyerswerda keinen Chemieunterricht. Das Landesschulamt sucht händeringend nach Lehrern, vor allem für naturwissenschaftliche Fächer.
Kein Lehrer, kein Unterricht: Aktuell haben einige Schüler in Hoyerswerda keinen Chemieunterricht. Das Landesschulamt sucht händeringend nach Lehrern, vor allem für naturwissenschaftliche Fächer. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Hoyerswerda. Schulen in Not: Naturwissenschaftliche Fächer wie Chemie fallen zeitweise sogar ganz aus. Von Anja Hummel

Mathebuch, Vokabelheft, Tafelwerk – als Matthias Siegmund das Schulmaterial von seinem Sohn Marlon sieht, wird er stutzig. „Wo ist denn das Chemiebuch“, fragt er seinen 14-jährigen Sohn. Die Antwort macht ihn fassungslos. „Wir haben gar keinen Chemieunterricht“, sagt der Achtklässler. Matthias Siegmund greift zum Telefonhörer, fragt in der Oberschule „Am Stadtrand“ in Hoyerswerda nach. „Mir wurde gesagt, dass es jetzt ein halbes Jahr dauern kann bis der Unterricht stattfindet“, erzählt Matthias Siegmund, der als Vater von Marlon so wie die anderen Eltern der betroffenen Schüler gar nicht erst über den Ausfall des Unterrichts informiert wurde.

Auf RUNDSCHAU-Nachfrage beim zuständigen Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) mit Sitz in Bautzen heißt es: Der Chemieunterricht an der Oberschule fällt nicht grundsätzlich und dauerhaft aus. „Betroffen sind momentan 47 Schüler aus der achten und neunten Klasse“, sagt LaSuB-Sprecherin Angela Ruscher. Die Neunt- und Zehntklässler seien nicht betroffen. „Natürlich ist das nicht zufriedenstellend, wir wissen um die Lehrkräfteproblematik“, betont Angela Ruscher. Der Grund für den Unterrichtsausfall: Im Stammpersonal der Oberschule gebe es keinen angesiedelten Chemielehrer. Bereits im vergangenen Schuljahr musste immer „per Abordnung“ ein Lehrer vom LaSuB in die Schule geschickt werden, um eben solche Engpässe zu vermeiden. Das eindeutige Ziel: einen „festen“ Chemielehrer für die Oberschule finden, so Angela Ruscher. Das sei bisher augenscheinlich nicht geglückt, soll aber kein Dauerzustand sein. Maximal zwei bis drei Wochen dürfte es noch dauern, bis die Acht- und Neuntklässler in den Chemieunterricht starten können. Ein konkretes Datum kann vom LaSuB nicht genannt werden. „Die Lehrpläne sind für 25 Schulwochen geschrieben, das Schuljahr hat insgesamt jedoch mehr. Es ist ein gewisser Puffer da“, betont Angela Ruscher. Bei Engpässen, erklärt die LaSuB-Sprecherin weiter, habe die Absicherung der Abschlussklassen erste Priorität, weshalb an der Oberschule „Am Stadtrand“ die Neunt- und Zehntklässler nach Plan in Chemie unterrichtet werden.

Doch nicht nur an der Hoyerswerdaer Oberschule herrscht Lehrermangel. In den Landkreisen Bautzen und Görlitz gab es zum Schulstart vor gut einer Woche 64 unbesetzte Lehrerstellen an Grund-, Ober- und Förderschulen. Während 137 Lehrer benötigt wurden, konnten nur 73 Stellen besetzt werden. „Wir haben in der Zwischenzeit weitere Lehrer eingestellt“, sagt Angela Ruscher. Doch nach wie vor werden Fachkräfte gesucht. Vor allem der Bedarf an naturwissenschaftlichen Fächern ist groß. „Ein ausgebildeter Lehrer, der sich bei uns bewirbt, bekommt definitiv ein Angebot“, so Ruscher. Auch Seiteneinsteiger haben beste Chancen. „Vorausgesetzt die Qualifikationen stimmen“, sagt die LaSuB-Sprecherin. Und qualifiziert ist, wer einen Hochschulabschluss mit ableitbarem Schulfach vorweist.

Wann die geeignete Chemiefachkraft vor Marlon Siegmund und seinen Klassenkameraden stehen wird, bleibt offen. In „absehbarer Zeit“, sagt das LaSuB, so schnell wie möglich, fordert Vater Matthias Siegmund. Er hätte sich gewünscht, dass wenigstens ein Alternativunterricht organisiert wird. „Chemie ist ein wichtiges Fach“, sagt der Hoyerswerdaer, der seinen Sohn lieber gestern als morgen mit dem entsprechenden Lehrbuch in der Hand sehen möchte.